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AK/GPA-djp

Arbeitnehmervertreter fordern "faire Regeln für alle"


Kategorie: Handel, ecommerce
25.08.2017 von Nataša Nikolić

Arbeiterkammer und GPA-djp verlangen faire Steuerregelungen für alle Onlinehändler und damit ein Ende der Wettbewerbsverzerrung. Amazon, eBay und Co. sollen stärker in die Pflicht genommen werden und künftig für das Abführen der Umsatzsteuer ihrer Händler haften.

© malkovkosta - stock.adobe.com
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Arbeiterkammer Wien-Direktor Christoph Klein und Anita Palkovich, Wirtschaftsbereichssekretärin Handel in der GPA-djp, fordern Händler, Onlinehändler aber vor allem die Regierung auf, Beschäftigung zu sichern und für einen Steuerausgleich zu sorgen. Vor dem Hintergrund der wachsenden Bedeutung des Onlinehandels, gebe es großen Handlungsbedarf bei der Weiterentwicklung österreichischer Handelsunternehmen, um dadurch Arbeitsplätze zu sichern. 

Forderungen an die Händler
Um die Bedeutung des eCommerce zu verdeutlichen, gab die AK Wien eine Trendanalyse zu Entwicklungen und Folgewirkungen auf die Beschäftigungsstruktur in Österreich bei der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt (Forba) in Auftrag. Diese kommt zum Ergebnis, dass bis 2020 durch den Onlinehandel 6.000 bis 8.000 neue Arbeitsplätze entstehen bzw. innerbetrieblich umgeschichtet werden. Jedoch sind gleichzeitig vier bis sechs Prozent der bestehenden Jobs im traditionellen Handel bedroht. "Diese Arbeitsplätze müssen aber nicht verloren gehen", sagt Palkovich. Es hängt ihrzufolge alles davon ab, wie der Gestaltungsspielraum und die durch Digitalisierung eröffneten Chancen genutzt werden. Dies könnte zum Beispiel durch Multi-Channeling gelingen, glaubt die GPA-Vertreterin, denn es gehe darum, "das beste aus beiden Welten zu vereinen". Dabei seien nicht nur die großen Handelskonzerne gefragt, da viele von ihnen bereits beides vereinen, sondern auch die KMU.

Um neben großen internationalen Online-Playern  bestehen zu können, brauche es den Arbeitnehmervertretern zufolge Zusammenschlüsse und Initiativen z.B. in Form von regionalen Online-Plattformen. 

Forderungen an die Regierung
Dass nicht alles in den Händen der Einzelhändler liegt und ihnen durch die derzeitigen europäischen Gesetze vielfach Steuernachteile gegenüber internationalen Playern entstehen, wissen AK und Gewerkschaft. Sie fordern daher in erster Linie die Regierung und die EU auf, Wettbewerbsverzerrung, die durch unterschiedliche Gewinnsteuern bedingt ist, abzuschaffen. "Durch das Ausnützen von Steuerschlupflöchern und unterschiedlichen Gewinnsteuersystemen in den Mitgliedsstaaten, minimieren große Onlinehändler ihre Gewinnsteuern. Österreichische Händler haben dadurch massive Wettbewerbsnachteile", kritisiert der AK-Direktor.

Klein und Palkovich fordern daher eine Kontrolle des Onlinehandels durch EU-Behörden. Diese würde in anderen Bereichen, wie z.B. die Beihilfenkontrollen im Agrarbereich, ganz gut funktionieren. Auch müssten Amazon, eBay und Co., die vielfach mit asiatischen Händlern zusammenarbeiten, in die Pflicht genommen werden. Da die Plattformen für viele dieser Händler von der Warenlagerung über die Verpackung und das Versenden, alles regeln, führen die Händler die Umsatzsteuer vielfach nicht ab. Die Marktplatzbetreiber müssten für die ordnungsgemäße Abführung der Umsatzsteuer ihrer Händler haftbar gemacht werden, lautet die Forderung. 

Handelsverband begrüßt Forderung
Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands, begrüßte heute in einer Aussendung die Forderungen der Gewerkschafter. "Der Handelsverband steht für einen funktionierenden Cross-Border Handel und sieht in Onlineplattformen einen wichtigen Partner für heimische Unternehmen. Wir brauchen jedoch eine faire Besteuerung für alle Marktteilnehmer. Legale Steuervorteile setzen den heimischen Handel extrem unter Druck. Steuerfreigrenzen, die Billigwaren in die EU schleusen, müssen auch bei uns endlich abgeschafft werden", so Will. 

 

 

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