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Rubrik: Industrie, Marktreports
Ob am Brot oder im Kochtopf – die Verwendungsmöglichkeiten von pikanten Aufstrichen sind so vielfältig wie das Angebot selbst. Demzufolge wächst der Markt auch 2009, wobei hierfür vor allem Preissteigerungen verantwortlich sind.
Das stellt auch Nielsen-Warengruppenexpertin Mag. Katharina Schlagbauer im Rahmen ihrer Marktanalyse fest: „Die pikanten Brotaufstriche entwickeln sich bei gleichbleibender Menge wertmäßig entsprechend dem Durchschnittspreisanstieg von 4,3 Prozent.“ Ein ähnliches Bild zeigt sich in der Kategorie Frischkäse, die laut Nielsen Gervais, Mozzarella, Feta, Cottage Cheese und dergleichen umfasst. Denn auch hier stagniert der Absatz laut Schlagbauer im aktuellen rollierenden Jahr bis zur Kalenderwoche 25/09, während die Umsätze – getragen durch die Durchschnittspreiserhöhungen – um 2,9 Prozent wachsen. In der Unterkategorie Frischkäse auf Gervaisbasis, die rund ein Drittel des Frischkäsemarktes abdeckt, liegt das Umsatzplus – ebenfalls bei stagnierender Menge – bei 2,4 Prozent. Weiters registriert Schlagbauer einen Trend zu leichteren Frischkäsevarianten, da sich die „30 Prozent des Markt ausmachenden Light-Produkte besser entwickeln als die ‚Normal‘-Produkte“.
Leicht & vielseitig
Die Tatsache, dass Light-Produkte bei den Konsumenten hoch im Kurs stehen, greifen auch die Hersteller in ihren Sortimenten auf. So bietet Kraft Foods mit einer umfangreichen Philadelphia-Range unterschiedlichste Varianten an, wie Ernst Kavlik, Geschäftsführer Vertrieb Kaffee und Käse, unterstreicht: „Aktuell können die Konsumenten aus 14 verschiedenen Philadelphia-Geschmacksrichtungen und drei verschiedenen Fettstufen auswählen. So findet jeder seinen Lieblings-Brotaufstrich im Frischkäse-Regal.“ Zudem betont Kavlik die Vielseitigkeit des beliebten Allrounders, mit dem schnell und einfach auch warme Gerichte gezaubert werden können.
Berglandmilch-Marketingleiter Ulf Schöttl, der mit Bojar, Gervais, Landfrischkäse und Rollino eine große Auswahl zu bieten hat, weiß ebenfalls um die Beliebtheit der Faktoren Vielfalt und Kalorienreduktion Bescheid: „Im Zusammenhang mit gesunder Ernährung punkten Frischkäseprodukte mit Zusatznutzen sowie leichte Produkte in höchster Qualität mit dem besten Geschmack.“
Die Tendenz zum leichten Genuss ist aber nicht nur speziell im Zusammenhang mit Frischkäse spürbar, sondern prägt auch die anderen Aufstrich-Segmente, wie Unilever Customer Director Ice, Spreads and Cooking Category & Dressing, Mag. Michaela Hladik, bestätigt. „Um dem Trend hin zu bewusster und ausgewogener Ernährung nachzukommen, hat Unilever die fettreduzierten Brunch-legère-Sorten eingeführt, die den ernährungsbewussten Konsumenten ansprechen.“
Und genau auf diesen konzentriert sich der Aufstrichspezialist Wojnar beispielsweise mit dem kürzlich auf den Markt gebrachten Neuprodukt der 200-g-Brotaufstrich-Range „Wojnar’s Bierkas mit erfrischendem Ottakringer“, der trotz aromatischem Käse und Bier bei nur 9 Prozent Fett hält. Witziges Detail am Rande: Die Idee zu dieser Kreation wurde auf der heurigen CASH Young Business Factory geboren, an der Sandra Mühlgassner von Wojnar und Ottakringer-Exportleiter Robert Buchta teilgenommen haben.
Beim mit 50 Prozent Marktanteil absoluten Marktführer im Segment Pikante Brotaufstriche (eigene Angabe) Inzersdorfer bringen in diesem Zusammenhang vor allem die Inzersdorfer Wellness Pasteten Abwechslung in den Speiseplan der Kunden. Maresi-Marketing-Managerin Christa Horak geht ins Detail: „Um neue Zielgruppen anzusprechen und den bestehenden Kunden Abwechslung zu bieten, gibt es zusätzlich zu unseren 16 Klassikern mit Fleisch noch vier feine Fisch-Pasteten, fünf leichte Pasteten mit deutlich geringerem Kaloriengehalt und vier pflanzliche Pasteten, die cholesterinfrei und reich an Ballaststoffen sind.“
Natürlichkeit im Fokus
Neben variablen Verwendungsmöglichkeiten und Ernährungsbewusstsein steigt außerdem das Bedürfnis der Konsumenten nach rein pflanzlichen und kontrolliert biologischen Aufstrichen. Dieses stillt die Firma Bio.k mit ihren auf Basis von Hülsenfrüchten hergestellten Produkten. Maresi-Brand-Managerin Birgit Graf: „Durch neuartige Verfahren und eine Rückbesinnung auf ‚alte Küchengeheimnisse‘ entlocken wir der Natur ihren vollen Geschmack. Ob mit frischen Kräutern, orientalischem Curry oder mediterran mit Tomate und Basilikum – unter den zwölf abwechslungsreichen Geschmacksrichtungen findet bestimmt jeder Genießer die passende Variante für sich.“ Schneekoppe-Marketingmanagerin Mag. Silvia Salcher stimmt hier zu: „Vegetarische Produkte liegen voll im Trend. Dies liegt an dem wachsenden Gesundheitsbewusstsein in der Gesellschaft sowie der steigenden Anzahl von Vegetariern. Deshalb haben wir im Frühjahr die drei neuen, vegetarischen Brotaufstriche in den Sorten ‚Joghurt-Paprika-Gurke‘, ‚Joghurt-Rucola-Parmesan‘ und ‚Mediterran‘ auf den Markt gebracht.“
Rohstoffpreise steigen
Trotz Sortenvielfalt und Innovationsbereitschaft quer durch alle Segmente kämpft die Industrie mit der angespannten Rohstoffsituation, wie auch Salcher einräumt: „Die Rohstoffpreise konnten leider nicht stabil gehalten werden, da die Kosten für Zutaten, die den Qualitätsstandards der Marke entsprechen, leider gestiegen sind.“
Steigende Produktionskosten sind auch für Jean-Baptiste Van Elslande, Geschäftsführer von Bongrain Österreich, der mit der Marke Bresso erfolgreich am Markt agiert, ein Thema: „In den letzten Jahren ist die Situation der milchverarbeitenden Betriebe aufgrund der angespannten Lage des Milchmarktes sehr komplex geworden. In Frankreich ist der Milchpreis sehr hoch, während die Nebenprodukte preislich auf dem absoluten Tiefstand sind. Diese für die Käsereien denkbar ungünstige Konstellation hat eine deutliche Auswirkung auf die Produktionskosten. Bongrain ist allerdings dank der ständigen Optimierung der Herstellungsprozesse in der glücklichen Lage, einen Teil dieses Preisanstieges der Rohstoffe zu kompensieren.“
Eigenmarken sind präsent
In Anbetracht der angespannten wirtschaftlichen Situation sind die Eigenmarken des Handels, so der Tenor der Hersteller, durchaus ein ernstzunehmender Marktbegleiter. Verunsichern lässt sich die Industrie aber dennoch nicht, wie Van Elslande weiter ausführt: „Durch die gespannte wirtschaftliche Lage wird die Bedeutung der Billig- und Eigenmarken immer größer. Deren Angebot konzentriert sich aber auf die Produkte des täglichen Bedarfs. Bei Innovationen beziehungsweise bei Premium-Produkten geben die Konsumenten Markenprodukten den Vorzug, was deren wichtige Rolle verdeutlicht.“ Ähnlich schätzt auch Daniel Haas, Marketingleiter bei der Vita+ Naturprodukte AG, die Rolle der Handelsmarken ein: „Wir sind davon überzeugt, dass der kompetenzorientierte Endverbraucher die Biolebensmittelangebote des konventionellen Lebensmittelhandels mit seinen entsprechenden Eigenmarken zu schätzen weiß, diesen Produkten vertraut und somit auch treu bleiben wird. Für uns bedeutet dieser Trend die Verfolgung einer konsequenten Markenstrategie. Wir werden uns in Zukunft gemäß unserem Grundsatz ‚veritas valore‘ (wahren Wert, Anm. d. Red.), dem wir innerhalb des gesamten Entstehungsprozesses unserer gesunden und geschmackvollen Bio-Lebensmittel der Marke ‚Verival Bio‘ Rechnung tragen, noch schärfer positionieren, um für den Konsumenten nachvollziehbare Mehrwerte zu generieren.“
- Dateien:
Aufstriche_Tab_Nielsen.xlsm











Usermeinung
Danke im Voraus für die Antwort
Dr. Jäger