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Österreichisches E-Commerce-Gütezeichen

Die unbemerkte Preissteigerung


Kategorie: ecommerce, Handel
18.05.2017 von Martin Ross von Manuel Stenger

Eine Studie, die das Österreichische E-Commerce-Gütezeichen in Auftrag gegeben hat, kommt zum Ergebnis, dass 40 Prozent der online einkaufenden Menschen Preisschwankungen beim Online-Einkauf hingegen noch gar nie bemerkt haben.

In welchen Bereichen die Online-Shopper Preisänderungen bemerkt haben © Österreichisches E-Commerce-Gütezeichen
In welchen Bereichen die Online-Shopper Preisänderungen bemerkt haben © Österreichisches E-Commerce-Gütezeichen

meinungsraum.at hat für das Österreichische E-Commerce-Gütezeichen im Oktober und November 2016 eine Online-Befragung unter 500 Österreicherinnen und Österreichern (zwischen 14 und 65 Jahren) durchgeführt, deren Ergebnisse in eine Studie aufgenommen wurden. Sie zeigt, dass Konsumenten Preisänderungen vor allem bei Dienstleistungen – im Speziellen bei Reisebuchungen – bemerken; ansonsten aber eher nicht, und zwar zu 40 Prozent, eine überraschend hohe Quote. Jeweils 25 Prozent geben an, Preisschwankungen beim Hotel- und Flugbuchen registriert zu haben. 15 Prozent fiel dies auch bei Pauschalreiseangeboten – also bei Flug-Hotel-Kombiangeboten – auf. Produktbezogene Preisänderungen fielen 15 Prozent der befragten Online-Einkäufer bei elektronischen Unterhaltunsgeräten wie Smartphones, Fernsehgeräten und Computern auf, weiteren 13 Prozent bei Haushaltsgeräten und jeweils zehn Prozent bei Bekleidung und Sportartikeln.

Dynamic oder personal?

 Dass Reisebuchungen hier die Nase vorn haben, hat natürlich mit dem Geschäftsmodell vor allem der Billigfluglinien zu tun. Wer online einkauft, muss also zunehmend – d.h. auch in anderen Bereichen – mit individuell angepassten und sich flexibel ändernden Preisen rechnen. Die dynamische Preisgestaltung, das sog. „Dynamic Pricing“ = die Anpassung des Preises je nach Tageszeit oder Wetter, ist im Online-Handel bereits weit verbreitet. Immer häufiger setzen Händler auch auf die datenbasierte individualisierte Preisbildung („Personal Pricing“), bei der das bisherige Surf- und Einkaufsverhalten, der Standort sowie die Art des benutzten Endgeräts miteinbezogen werden. Für Konsumenten erschwert sich damit ein transparenter Preisvergleich.

Thorsten Behrens, Geschäftsführer des Österreichischen E-Commerce-Gütezeichens, erläutert: „Bei der Preisdifferenzierung im Internet sind Flug- und Hotelbuchungsplattformen Vorreiter. Die Preise variieren hier stark, je nachdem an welchem Wochentag und zu welcher Uhrzeit gebucht wird. Wir wissen, dass Flüge Montag und Dienstag Vormittag günstiger sind als beispielsweise abends oder am Wochenende.“

Die datenbasierte personalisierte Preisgestaltung ist allerdings noch wenig im Einsatz. Dies bestätigt auch ein aktueller Test der Arbeiterkammer Wien über die Preisdifferenzen im Online-Handel. Wird bei der dynamischen Preisgestaltung der Preis aufgrund von Faktoren wie Witterung oder Wochentag usw. verändert, bezieht die individualisierte Preisbildung auch personenbezogene Daten mit ein: Der Preis ergibt sich dann u.a. auch aus dem bisherigem Surf- und Einkaufsverhalten, dem Standort des Einkäufers oder der Art des Endgeräts, das für den Einkauf bentutzt wird.

Im Kommen: Personal Pricing

Grundsätzlich ist Personal Pricing nur schwer nachweisbar, mit der steigenden Menge an personenspezifischen Daten gibt es jedoch viele Möglichkeiten, um Preise zu personalisieren. „Noch experimentieren die Online-Shop-Betreiber vorsichtig, um ihre Kunden nicht zu verärgern, wir sind aber sicher, dass dieser Trend noch mehr Einzug in Österreich hält“, so Thorsten Behrens zur zukünftigen Entwicklung.

Auch online gilt: Wo es billiger ist, dort wird gekauft

Konsumenten, die Schwankungen bei den Kosten bemerken, beobachten zunächst die Preisentwicklung des gewünschten Produkts bzw. der Dienstleistung: Knapp 60 Prozent vergleichen den Preis und kaufen bei einem günstigeren Alternativangebot woanders, 37 Prozent warten, bis der Preis wieder sinkt, um das Produkt dann zu kaufen. Immerhin 15 Prozent sagen, dass sie das Produkt trotz gestiegenen Preises dennoch kaufen, während 22 Prozent angeben, jedenfalls in einem anderen Online-Shop zu kaufen. Aus rechtlicher Sicht sei die Preisdifferenzierung unproblematisch, vorausgesetzt die Unternehmen halten Datenschutzbestimmungen, Diskriminerungsverbote sowie Bestimmungen zur „Verkürzung über die Hälfte“ ein, so das Österreichische E-Commerce-Gütezeichen in einer Aussendung.

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