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Frauenanteil in Führungsetagen nach wie vor gering


Kategorie: Studien
08.08.2017 von Nataša Nikolić

Der Frauenanteil in Führungspositionen österreichischer Unternehmen ist laut aktueller EY Studie um 0,9 Prozent auf 5,6 Prozent gestiegen. Damit ist er dennoch im europäischen Vergleich sehr gering. Unter den 196 Vorstandsmitgliedern sind nur elf Frauen - zwei mehr als 2016.

Elfriede Baumann, Partnerin bei EY Österreich <br> © EY
Elfriede Baumann, Partnerin bei EY Österreich
© EY

Knapp 7,3 Millionen Menschen haben laut dem statistischen Amt der Europäischen Union, Eurostat, eine Führungsposition in Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten in der EU inne. 4,7 Millionen von ihnen sind Männer (65 Prozent) und 2,6 Millionen Frauen (35 Prozent). Die höchste Frauenquote hat mit 53 Prozent Lettland. Wie weit wir hierzulande von Lettlands Frauenquote entfernt sind, zeigt eine neue Studie von EY, die die Struktur von Vorständen und Aufsichtsräten von im Wiener Börse Index gelisteten Unternehmen analysiert hat. Der Untersuchung zufolge stieg der Frauenanteil in Führungsebenen 2017 um 0,9 Prozent und liegt nun bei 5,6 Prozent. Die Aufstiegsmöglichkeiten für Frauen sind in Österreich also nach wie vor begrenzt. 

In den 63 im Wiener Börse Index (WBI) notierten Unternehmen arbeiteten zum Stichtag 30. Juli 2017 insgesamt elf weibliche Vorstände und damit um zwei mehr als vor zwölf Monaten, so das Ergebnis der EY-Untersuchung. Die beiden Frauen, die neu hinzugekommen sind, sind Monika Stoisser-Göhring, CFO bei AT&S und Doris Krejcarek, verantwortliches Vorstandsmitglied für Personal, IT & Organisation, Rechnungswesen sowie das Konzern-Controlling bei Ottakringer. Den elf Frauen stehen in den Vorstandsgremien insgesamt 185 Männer gegenüber. Lediglich in jedem siebten börsennotierten Unternehmen findet sich eine Frau im Vorstand. 

„Es ist grundsätzlich positiv, dass sich der Frauenanteil in den Chefetagen leicht erhöht. Im Großen und Ganzen sind das aber nur zaghafte Schritte. Zweifellos arbeiten viele österreichische Unternehmen seit geraumer Zeit durchaus erfolgreich daran, eine neue Führungskultur aufzubauen und Frauen bessere Aufstiegschancen zu ermöglichen", meint Elfriede Baumann, Partnerin bei EY Österreich. Diese Bemühungen würden aber nur sehr langsam Erfolg zeigen. „Immer noch schaffen es zu wenige Frauen bis in die obersten Entscheidungsgremien von Österreichs Top-Unternehmen. Wenn der Anstieg weiter in diesem Tempo fortschreitet, braucht es noch 50 Jahre bis zu einem ausgeglichenen Verhältnis von Männern und Frauen in den Vorstandsetagen“, kritisiert Baumann. 

Weiter Weg
Die vor wenigen Wochen verabschiedete gesetzliche Frauenquote von 30 Prozent in Aufsichtsräten börsennotierter Konzerne und Unternehmen mit mehr als 1000 Mitarbeitern soll den Frauenanteil deutlich steigern. Jedoch gilt die neue Regelung nur für Aufsichtsräte mit mindestens sechs Mitgliedern. Unter den im WBI notierten Konzernen betrifft die gesetzliche Frauenquote 48 Unternehmen (76 Prozent), 15 Unternehmen haben weniger als 6 Mitglieder im Aufsichtsrat. „Es ist noch ein weiter Weg bis zu einer ausgewogenen Geschlechterverteilung in Führungsgremien. Dabei sind gemischtgeschlechtliche Führungsteams nachweislich erfolgreicher", so Baumann. 

Unternehmen, die die Aufsichtsratsquote bereits erfüllen sind Erste Bank, Oberbank, Post, Schlumberger, Semperit, Valneva, Vienna Insurance Group, Wienerberger und Wolford. „Durchschnittlich liegt der Frauenanteil in den Aufsichtsräten der betroffenen börsennotierten Unternehmen bei 17,8 Prozent", konstatiert die Studie. 

Derzeit finden sich in Österreich die meisten weiblichen Aufsichtsratsmitglieder in der Finanzbranche (24 Prozent , 2016: 22 Prozent), der Transport- und Logistikbranche (22 Prozent, 2016: 26 Prozent) und im Energiebereich (19 Prozent, 2016: 20 Prozent).

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