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Südtiroler Lebensmittelwirtschaft

Gelungener Auftakt des Genussfestivals Südtirol

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Eröffneten das Genussfestival Südtirol (v.l.): LR Thomas Widmann, BM Luigi Spagnolli, LH Luis Durnwalder, Handelskammer-Präsident Michl Ebner und LR Hans Berger

Eröffneten das Genussfestival Südtirol (v.l.): LR Thomas Widmann, BM Luigi Spagnolli, LH Luis Durnwalder, Handelskammer-Präsident Michl Ebner und LR Hans Berger

V.l.n.r.: Moderator Ulrich Eggert, EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann, Fabian Lange, Andreas Steinle, Cornelius Lange und Roberto Burdese

V.l.n.r.: Moderator Ulrich Eggert, EU-Parlamentarier Herbert Dorfmann, Fabian Lange, Andreas Steinle, Cornelius Lange und Roberto Burdese

V.l.: EOS-Direktor Hansjörg Prast, Annemarie Kaser, Direktorin des Sennereiverbandes Südtirol, LR Thomas Widmann, LR Hans Berger, LH Luis Durnwalder, BM Luigi Spagnolli, Joachim Reinalter, Obmann des Südtiroler Sennereiverbandes und Vize-Bürgermeister Klaus Ladinser<br>© Fotos: Genussfestival Bozen

V.l.: EOS-Direktor Hansjörg Prast, Annemarie Kaser, Direktorin des Sennereiverbandes Südtirol, LR Thomas Widmann, LR Hans Berger, LH Luis Durnwalder, BM Luigi Spagnolli, Joachim Reinalter, Obmann des Südtiroler Sennereiverbandes und Vize-Bürgermeister Klaus Ladinser
© Fotos: Genussfestival Bozen

Rubrik: Industrie, I-News

06.06.11 von Christian Pleschberger

Rund 120 Entscheidungsträger informierten sich am 3. Juni im Rahmen des Genusssymposiums im Bozner Merkantilmuseum über die neuesten Trends, die auf die Südtiroler Lebensmittelwirtschaft zukommen. Das Symposium bildete den gelungenen Auftakt des Genussfestivals Südtirol, das von der EOS, Export Organisation Südtirol der Handelskammer Bozen, koordiniert und organisiert wird.

„Ursprungsbezeichnungen sind eine gute Möglichkeit, auf dem Markt entsprechende Wertschöpfung zu erzielen“, sagte Herbert Dorfmann, Mitglied des Europäischen Parlaments, beim Genusssymposium. „Zum einen geben diese Bezeichnungen dem Konsumenten Sicherheit, zum anderen ist die Herkunft garantiert.“ Derzeit werde die Gesetzgebung auf europäischer Ebene unter dem Titel „Qualitätspaket“ neu geordnet. Dorfmann: „Die EU will den Weg zum Erhalt einer Ursprungsbezeichnung effizienter machen, diese dabei aber natürlich nicht verwässern.“Für die Zukunft ortet Dorfmann Potenzial bei den Ursprungsbezeichnungen in der Südtiroler Landwirtschaft: „Gerade im Milch- und Apfelsektor sehe ich noch große Chancen, mit ursprungsgeschützten Spezialitäten auf dem Markt zu reüssieren.

Neues Qualitätsbewusstsein

Garantierter Ursprung ist auch für führende Trendforscher ein essentieller Wettbewerbsvorteil auf den Märkten von morgen. „Die Menschen wollen zwar die Angebotsvielfalt und die Vorzüge des urbanen Lebensstils. Gleichzeitig geht die Sehnsucht in Richtung Authentizität, Ursprungsbezug, Geruch der frischen Wiese, regional verständliche Produkte und erlebte Qualität“, sagte David Bosshart, CEO des Gottlieb Duttweiler Institutes. Außerdem herrsche ein neues Qualitätsbewusstsein, Nachhaltigkeit werde immer wichtiger.

Ein weiterer Trend sei die neue Gastfreundschaft, glaubt Bosshart: „Wir sind heute einsame Esser, essen immer mehr alleine und unterwegs. Essen ist primär etwas Gesellschaftliches, und wirklicher Genuss entsteht nur über das Teilen von Erfahrungen. Eine vernetzte Welt mit verwirrenden Angeboten und unterschiedlichsten Wertevorstellungen muss auf hochwertiger Gastfreundschaft aufbauen: Wie wir mit Produkten umgehen, so gehen wir auch mit den Gästen um – und umgekehrt. Die Liebe zum Gast entspricht der Liebe zum Produkt. Wenn wir die Küche einer Region mögen, mögen wir meist auch die Menschen.“

Eine Region wie Südtirol könne sich nur ganzheitlich vermarkten und weiter entwicklen, erklärte der Trendforscher: „Sie braucht unterschiedliche Marken, die ein stimmiges Gesamtbild abgeben müssen. Handel, Industrie, Gastronomie und Tourismus müssen den eingeschlagenen Weg kontinuierlich weiterverfolgen.“

Märkte der Zukunft sind Märkte der Identität

Produkte sind ein Fenster zur Welt, sagte Andreas Steinle, Geschäftsführer des deutschen Zukunftsinstitutes: „Die modernen Kommunikationstechnologien machen es möglich, dass jeder Apfel in Zukunft ein Reiseprospekt wird. Man scannt über das iPhone einen Barcode ein und erfährt alles über die Herkunftsregion. Essen wird für das Tourismusmarketing immer wichtiger.“ Die Märkte der Zukunft seien Märkte der Identität, sagte Steinle. „Wir sind mittlerweile ortlos geworden und suchen nach Identitäten. Über Produkte und Regionen können wir uns in Zukunft verorten.“ Südtiroler Qualitätsprodukte müssten den Konsumenten, die auf Nachhaltigkeit setzen, vermitteln, dass sie die Welt besser machen.

Nicht nur die Asche hüten, sondern Glut schüren

Wie kommt der Genuss in die Welt? Diese Frage beantworteten die Genussexperten Fabian und Cornelius Lange beim Genusssymposium. „Genuss war nicht immer da. Außerdem ist der Genussbegriff in einem permanenten Wandel begriffen. Man muss sich nur ansehen, wie zum Beispiel die Entdeckung des Feuers oder die modernen Transporttechnologien unsere Lebensmittel und Ernährungsgewohnheiten verändert haben“, erklärte Fabian Lange. Die Demokratisierung des Genusses habe dazu geführt, dass der Genussbegriff verallgemeinert wurde. „Doch der allgemeinen Sehnsucht nach Authentizität steht eine Entwicklung gegenüber, welche die Zerstörung von Echtheit durch industrielles Plagiieren zum Inhalt hat.

Die essentielle Frage sei, wie sich die Sehnsucht nach Heimat und Authentizität mit dem modernen Genussbegriff verbinden lasse. Lange: „Jeder Mensch ist auf seine Art ein Genießer. Genuss ist sehr eng an Orte verknüpft und bedeutet in New York etwas anderes als in Berlin oder Kairo. Das Terroir muss sich in Produkten widerspiegeln.

Südtiroler Qualitätsprodukte sind aus Sicht der Gebrüder Lange authentisch. „Aber Authentizität benötigt Erneuerung. Man darf nicht nur die Asche hüten, sondern muss die Glut schüren.“

Sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen

Lob für die Südtiroler Markenpolitik kam beim Genusssymposium von Slow Food Italien-Präsident Roberto Burdese: „Die Schutzmarke Südtirol gibt es seit 1976. Mit dem Konzept, auf hochwertige Produkte aus der Region mit dem Gütesiegel zu setzen, war Südtirol schon damals Vorreiter.“ Man dürfe sich aber nicht auf den Lorbeeren ausruhen: „Es gibt auch in Zukunft zahlreiche Herausforderungen“, unterstrich Burdese, „so darf Image nie die Substanz eines Produktes überragen. Darüber hinaus sollten Markt und Gewinn nicht an erster Stelle stehen.

Über das Genussfestival Südtirol
Das Genussfestival Südtirol vom 2. bis 5. Juni 2011 in der Bozner Altstadt bildete den ersten gemeinsamen Auftritt der Südtiroler Qualitätsprodukte. Neben dem Südtiroler Speck g.g.A. präsentierten sich der Südtiroler Apfel g.g.A und die Südtiroler Milch und Milchprodukte in eigenen Produkthäusern. Die Nischenprodukte standen auf der Genussmeile im Fokus. Auf Weinliebhaber aus aller Welt warteten die Bozner Weinkost sowie das Internationale Gewürztraminer Symposium.