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Talk bei Henkel
Schluss mit der Osterhasenpädagogik
Die Diskussionen um die jüngste Pisa-Studie sind noch nicht verebbt. Auch beim Talk bei Henkel Ende Jänner in Wien-Erdberg stand das Bildungsthema im Mittelpunkt. Als Key Note Speaker brach Andreas Salcher eine Lanze dafür, der Bildung in Österreich endlich einen Wert zu geben.
Die Industriellenvereinigung Burgenland schlägt Alarm: Zwar sei die Wirtschaftskrise überwunden, jetzt aber drohe die Facharbeiterkrise, denn den Jugendlichen fehle es an Interesse und der nötigen Ausbildung. Dass die mit den Mitgliedsländern Ungarn, Polen Tschechien, Slowakei, Slowenien sowie den baltischen Staaten vereinbarten Beschränkungen im Bereich der Arbeitnehmerfreizügigkeit bzw. der Dienstleistungsfreiheit per Ende April dieses Jahres auslaufen, ist in dem Zusammenhang leider kein Trost. Der Ansturm von Unternehmen und Arbeitnehmern aus den Nachbarländern im Mai dürfte ausbleiben, wie eine GfK-Umfrage zeigt. Tschechien und die Slowakei beispielsweise kämpfen selbst mit Fachkräftemangel.
Ohne Bildung kein Shareholder-Value
Wie aber wollen wir auf Dauer den Wohlstand in unserer schönen Republik sichern, wenn rund ein Fünftel der Schulabgänger weder vernünftig lesen noch rechnen geschweige denn schreiben kann? Höchste Zeit also, der Bildung in diesem Land den Stellenwert zu(rückzu)geben, der ihr zusteht. „Denn wenn wir der Bildung keinen Wert geben, wird es in Zukunft auch keinen Shareholder-Value geben!“ Dieser Satz stammt nicht vom Verfasser dieser Zeilen, sondern von Unternehmensberater und Buchautor Dr. Andreas Salcher, gelassen ausgesprochen beim Talk beim Talk bei Henkel Ende Jänner in Wien-Erdberg. „Das Land braucht mutige, kritische junge Leute mit Sozialkompetenz“, so Salcher weiter.
Die besten Bildungssysteme sind nicht die teuersten
Die gute Nachricht, die er dem aufmerksam lauschenden Auditorium bei dieser Gelegenheit überbrachte, lautet: Die besten Bildungssysteme der Welt sind nicht die teuersten. Das zeigten die Beispiele Singapur, Korea, Finnland oder Kanada. Ihnen allen gemein ist: Sie orientieren sich schlicht an dem, was für die Schüler jeweils das Beste ist. In der Medizin kommt der Fortschritt der vergangenen 50 Jahre den Menschen zugute, unser Bildungssystem hat sich im gleichen Zeitraum dagegen kaum gewandelt. „Immerhin ist es Spitze im Herausfinden der individuellen Schwächen der Schüler und im dokumentieren derselben“, so Salcher in einem Anflug von Ironie. Nicht zuletzt deshalb fordert er ein Ende der Osterhasenpädagogik – die Lehrer haben das Wissen, aber sie verstecken es vor den Schülern.
Wenige Kinder werden als Genies geboren, aber alle haben Talente
Er ist überzeugt, dass wenige Kinder als Genies geboren werden, aber alle Talente haben, trotzdem entscheiden in Österreich noch immer in hohem Ausmaß Geburtsort und Einkommenssituation der Eltern über den späteren Bildungsweg. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind mit hervorragendem Talent, das im ländlichen Raum aufwächst und dessen Eltern dem Arbeitermilieu zuzurechnen sind, die Matura macht, beziffert Bildungsexperte Salcher mit mageren zehn Prozent. Dazu kommen an den Schulen Lehrer, deren Entlohung ausschließlich von der Zahl der geleisteten Unterrichtsstunden abhängt und nicht von der Qualität der erbrachten Arbeit sowie hoher gewerkschaftlicher Einfluss bei der Postenvergabe. Summa sumarum also wahrlich keine guten Voraussetzungen, die Potenziale unserer Kinder zu entfesseln.


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