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WU Wien

Spendefreudigkeit

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Rubrik: Studien

15.12.09

Gerade in der Vorweihnachtszeit bitten viele Organisationen die Bevölkerung um Spenden. Wie das Spendeverhalten der Österreicher aussieht, hat das Institut für Interdisziplinäre Nonprofit Forschung an der Wirtschaftsuniversität Wien im Auftrag des Österreichischen Instituts für Spendenwesen nun in einer Studie erhoben. Dazu wurde eine repräsentative Bevölkerungsbefragung durchgeführt.

Das Ergebnis: Im Jahr 2008 haben 66,4% der österreichischen Bevölkerung Geld gespendet, werden nicht monitäre Spenden, wie Blut- oder Sachspenden, hinzugezählt, erhöht sich der Beteiligungsgrad auf 76,4%. Die Studie zeigt außerdem, dass mehr Frauen als Männer und eher ältere als jüngere Personen zu Spender/inne/n zählen. Als Faktoren, die einen Einfluss auf die Spendenbeteiligung haben, zählen die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft und der regelmäßige Besuch des Gottesdiensts. Die Höhe des Betrages wird dabei stark vom Familienstand beeinflusst, Verheiratete spenden dabei am meisten.

Geringfügige Abnahme der Beteiligung – Steigerung bei Spendenhöhe

Jede/r Spender/in hat im Jahr 2008 im Durchschnitt 65,3 Euro an wohltätige Vereine und Organisationen übermittelt. Christian Schober, Leiter der Spendenstudie 2008, erläutert: „Das insgesamt in Österreich von Privatpersonen gespendete Volumen beträgt 295 Millionen Euro, wobei auch hier gilt: Frauen spenden eher höhere Beträge als Männer, ältere höhere als jüngere Personen“.

Im Vergleich zu den Ergebnissen der vorangegangenen Studien aus den Jahren 1996, 2000 und 2004 zeigt sich eine geringfügige Abnahme der Spendenbeteiligung (2004: 73%, 2008: 66%). In Bezug auf die Höhe der Spenden kann aber von einem Zuwachs gesprochen werden, da die durchschnittliche Aufwendung 2004 um 5,3 Euro weniger, nämlich bei 60 Euro lag.

Die Auswertungen zur Spendenbereitschaft ergaben außerdem, dass der Bekanntheitsgrad der Organisation einen großen Einfluss auf die Spendenbereitschaft hat. Die meisten Spender/innen unterstützen zudem stets dieselben Organisationen, am wenigsten „loyal“ sind jüngere, unverheiratete Singles, die keiner Religionsgemeinschaft angehören.

Österreich spendenfreudiger als Deutschland

Im Ländervergleich, hier vor allem mit Deutschland und der Schweiz, kann Österreich hinsichtlich der Spendenbeteiligung gut mithalten – Deutschland liegt mit einer Beteiligung zwischen 40% und 50% deutlich hinter Österreich – , verzeichnet aber extrem geringe Spendenbeiträge pro Sender/in. „In Deutschland werden im Durchschnitt 100 Euro, in der Schweiz gar 283 Euro pro Jahr gespendet. Wobei hier u.a. rechtliche Rahmenbedingungen, Einkommensunterschiede und das Demokratieverständnis der Schweiz Erklärungen liefern“, erklärt Schober.

Steuerliche Absetzbarkeit als Anreiz?

Dreiviertel der Bevölkerung befürworten die steuerliche Absetzbarkeit von Spenden, sowohl für Privatpersonen als auch Unternehmen. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung möchte das laut Studie für sich beanspruchen, von diesen wiederum geben zwei Drittel an, dadurch auch mehr zu spenden. Michaela Neumayr, Mitautorin der Studie, dazu: „Kann diesen Aussagen Glauben geschenkt werden, würde das zusätzlich generierte Spendenvolumen bei 32 bis 40 Millionen Euro liegen und damit einer Erhöhung des Spendenaufkommens um etwa 11 bis 13 % entsprechen. Dem Staat entgehen durch die Absetzbarkeit allerdings etwa 67 bis 100 Millionen Euro an Steuergeldern“. Die genauen Wirkungen der steuerlichen Absetzbarkeit werden aber erst im Jahr 2010 nach vorliegen der relevanten Steuerdaten berechnet werden können.