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Erdal Geschäftsführer Mag. Franz Studener

Steine aus Filz laden im Foyer der neuen Hauptverwaltung von Werner & Mertz in Mainz zum Verweilen ein.

Für ein besonderes Raumklima und eine tolle Atmosphäre sorgt im Foyer der neuen Hauptverwaltung von Werner & Mertz eine grüne Wand mit 2.350 lebenden Pflanzen und ein Wasserbecken.

Der Frosch steht bei Werner & Mertz für die Nachhaltigkeit, die das Unternehmen lebt.

Rund 14 Millionen Euro kostete der Bau der neuen Hauptverwaltung von Werner & Mertz, der das Gebäude mittels Photovoltaik, Windkraft und Geothermie zu einem Plus-Energiebilanz-Haus macht.
© Fotos: Wildbild Fotoagentur, Werner & Mertz GmbH
Rubrik: Industrie, Interviews
Erdal Österreich Geschäftsführer Mag. Franz Studener im CASH-Interview über Kosten und Nutzen von Umweltmaßnahmen, die erfolgreiche Dehnung der Marke Frosch sowie den Stellenwert von Jahresgesprächen mit dem Handel im 21. Jahrhundert.
CASH: Herr Studener, so sperrig der Begriff Nachhaltigkeit ist, so häufig findet er sich gerade neuerdings wieder am Tapet. Ist Nachhaltigkeit auch bei Erdal ein Thema und gegebenenfalls warum?
Franz Studener: Ohne Übertreibung kann ich sagen, dass Erdal als 100- Prozent-Tochter der Werner & Mertz GmbH Ökopionier im WPR-Bereich (Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel, Anm. d. Red.) war und ist. Unsere Marke Frosch feiert im kommenden Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum, und gerade das erst kürzlich fertiggestellte neue Hauptverwaltungsgebäude in Mainz, das als Plus-Energie-Haus konzipiert ist und das mittels Windkraft, Photovoltaik und Geothermie mehr Energie erzeugt, als für den laufenden Betrieb benötigt wird, zeigt, dass wir das Thema doch sehr umfassend sehen, also nicht nur beschränkt auf die Rezepturen und Verpackungen unserer Produkte. Nachhaltigkeit umfasst eben viele Dimensionen, angefangen bei den Informationsbroschüren, die bei uns aus FSC-zertifiziertem Material hergestellt sind, über Werbegeschenke, bei denen wir sehr genau überlegen, was Sinn macht, bis hin zu den Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter, denn auch die soziale Komponente der Nachhaltigkeit muss unbedingt berücksichtigt werden.
Qualität, Umweltfreundlichkeit, Arbeitssicherheit, das alles gibt’s ja nicht zum Nulltarif. Rechnet sich das denn am Ende auch?
Um beim Beispiel des neuen Verwaltungsgebäudes zu bleiben: Wenn ich Energie spare, dann spare ich ja auch Kosten. Und so führen auch etliche andere Maßnahmen letztlich zu einem ökonomischen Vorteil, wenn auch manchmal erst mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung.
Sie bezeichnen Ihr Unternehmen als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit. Würden Sie auch sagen, dass das maximal Mögliche in dem Zusammenhang bereits erreicht ist oder sehen Sie diesbezüglich noch Entwicklungspotenzial?
Allgemein wird uns bescheinigt, dass wir gut unterwegs sind. Ungeachtet dessen sind wir natürlich stets angehalten, Verbesserungsmöglichkeiten zu finden.
Gibt es denn einen Bereich, von dem Sie sagen, da sind wir noch steigerungsfähig?
Weitere Quantensprünge sind schwierig, weil wir uns inzwischen auf einem sehr hohem Niveau bewegen. So zum Beispiel verwenden wir mittlerweile PET-Flaschen, die zu über 50 Prozent aus recyceltem Material bestehen. Ein Thema, das uns möglicherweise in absehbarer Zukunft ins Haus steht, ist das der biogenen Kunststoffe, das sind Kunststoffe auf der Basis von Biomasse.
Lässt sich abschätzen, wann in etwa es so weit sein könnte?
Das kann meines Erachtens relativ schnell gehen, sofern erst einmal die Frage der Gewinnung der dazu erforderlichen Biomasse in ausreichender Qualität und Menge gesichert ist.
Gesichert scheint jedenfalls aus heutiger Sicht der Erdal-Standort Hallein. Sie beschäftigen derzeit rund 160 Mitarbeiter, das sind um zehn mehr als noch vor einem Jahr.
Der Standort ist mehr als gesichert. Es gibt im Moment erfreulicherweise keinen Bereich, der hinterherhinkt, wir wachsen derzeit quer durch alle Kategorien.
Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe dafür?
Schuhpflege hat sich, bedingt durch den langen Winter, heuer sehr zufriedenstellend entwickelt. Noch stärker als alle anderen Bereiche ist zur Zeit allerdings der Grünfrosch unterwegs. Die Frosch Oase Lufterfrischer beispielsweise wachsen auch heuer wieder zweistellig.
Dann ist die erste Dehnung der Marke Frosch sozusagen geglückt?
Die Frage, die vor dem Launch intern ausführlich diskutiert wurde war, ob der Frosch, der bis dahin ja nur im WPR-Bereich beheimatet war, denn auch die Kompetenz hat, sich erfolgreich im Lufterfrischersegment festzusetzen. Ganz offensichtlich haben wir mit dem Konzept aber den Nagel auf den Kopf getroffen, sowohl was das hochwertige Produktdesign als auch die Inhaltsstoffe anlangt. Mit dem jüngst erfolgten Launch der neuen Flüssigseifen-Range sind wir jetzt bei der nächsten Markendehnung.
Welche Strategie steht hinter dem Pflegeseifen-Konzept?
Die Strategie ist analog der bei den Lufterfrischern und lässt sich vielleicht am besten mit dem Grundsatz Wert vor Menge umreißen. Die Originalflasche ist neutral gehalten, also ohne Etikett, aber für sich sehr dekorativ und hebt sich mit einem Kurantpreis von knapp drei Euro vom Mitbewerb durch ein deutliches Preispremium ab. Der Nachfüllbeutel verfügt bei einer Füllmenge von 500 Milliliter und kurant 2,49 Euro über ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis. Zudem spart man damit beim Nachkauf rund 70 Prozent an Verpackungsmaterial ein. Wenn es uns daher gelingt, die Leute dafür zu begeistern, tun wir allein damit sehr viel für die Umwelt.
Liegen Ihnen schon erste Abverkaufszahlen vor?
Das Produkt ist national bei einer Drogeriemarktkette gelistet und hat sich dort aus dem Stand als Nummer-2-Industriemarke im Flüssigseifensegment eingereiht. Der wertmäßige Anteil beträgt vier Wochen nach dem Rollout bereits 65 Prozent des Marktführers. Wir treffen damit, wie es aussieht, also einmal mehr den Geschmack der Zielgruppe recht genau und sichern dem Handel darüber hinaus gleichzeitig Wertschöpfung.
A propos Handel. Der Herbst ist üblicherweise die Zeit intensiver Gespräche zwischen Händlern und Industrie. Wie ist aus Ihrer Sicht aktuell die Stimmung im Handel?
Wir spüren die Stimmung in der Regel lediglich im Verhältnis zu unseren Warengruppen, und diesbezüglich ist die Stimmung eigentlich sehr gut.
Rewe-Chef Alain Caparros hat das Ritual der Jahresgespräche unlängst als Relikt aus dem Mittelalter bezeichnet, allerdings auch eingeräumt, dass der Handel Teil des Problems ist. Wie sehen Sie die Sache?
Die ursprüngliche Idee solcher Gespräche war ja, gemeinsam darüber nachzudenken, wie man die Märkte zum Wachsen bringen und die Wertschöpfung verbessern kann. Fragen also, die durchaus für beide Seiten relevant sind. Dieser ursprüngliche Charakter ist mittlerweile etwas zu sehr ins Hintertreffen geraten. Vielmehr wird heute oftmals einzig um Konditionen gerungen. Damit stößt man aber irgendwann unweigerlich an arithmetische Grenzen, denn die Konditionen lassen sich ja nicht endlos ausweiten. Der Ansatz entspricht auch nicht dem wirtschaftlichen Nachhaltigkeitsprinzip. Handel und Industrie sollten daher wieder verstärkt darüber nachdenken, wie sich die Wertschöpfung verbessern lässt, dann bekommen auch die Gespräche automatisch wieder ein anderes Gewicht. Ob es dazu jeweils fixe Gesprächsrunden braucht, sei dahingestellt.
Herr Studener, vielen Dank für das Gespräch.

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