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Nestlé Chairman Peter Brabeck-Letmathe als Key-Speaker im Novomatic forum

Rubrik: Industrie, Strategie, Aktuell

15.03.10 von Willy Zwerger

Nestlé Chairman Peter Brabeck-Letmathe referierte und diskutierte im Novomatic Forum zum Thema "Shareholder Value versus Stakeholder Value - ein Widerspruch?"

Brisante Themen ziehen nach wie vor, wie das zum Bersten volle Novomatic Forum am Abend des 11. März 2010 eindrucksvoll bewies. Key-Speaker Peter Brabeck-Letmathe, seines Zeichens Chairman der Nestlé AG in Vevey versuchte sich dem polarisierenden Thema aus der Sicht seines Unternehmens zu nähern und stellte gleich zu Beginn seines Referats fest, dass er sich zwar als Vertreter der Realwirtschaft keineswegs verantwortlich fühle für die von der Finanzwirtschaft provozierte Wirtschaftskrise, Nestlé jedoch sehr wohl ein hohes Maß an Verantwortung gegenüber der Gesellschaft, der Umwelt und den Rohstoffen hege.

So sei es für ihn selbstverständlich, nicht nur sämtliche konzerneigenen CSR-Konzepte regelmäßig zu hinterfragen, sondern auch die gemeinsamen Wertschöpfungen sowhl in Richtung Aktionäre als auch in Richtung Gesellschaft unter der Prämisse der ökologischen Nachhaltigkeit zu forcieren.

So positionierte er zum Beispiel den Rohstoff Wasser als zu verankerndes Menschenrecht, die Förderung und Unterstützung der ländlichen Entwicklung als Überlebensgarantie für Millionen von Menschen sowie die Nestlé-Beiträge in Sachen weltweiter Ernährung als globales Gesundheitsprogramm.

Um jedoch klarzustellen, dass Nestlé all dies nicht aus karitativen Zwecken unternimmt, erzählte Brabeck-Letmathe sichtlich nicht ohne Stolz, dass nicht zuletzt aufgrund all dieser Maßnahmen sein Unternehmen nach wie vor jährlich um 5-6 Prozent wachse und im gleichen Verhältnis auch der Gewinn vor Zinsen und Steuern gesteigert werden könne.

Weitaus differenter begegneten Brabecks Mitdiskutanten unter der Leitung von Die Presse Wirtschaftsressortleiter Dr. Franz Schellhorn dem Thema des Abends. So auch Caritas-Präsident Franz Küberl, dem die Geschäftspartnerfrage und somit jene nach garantierter Fairness in der gesamten Wertschöpfungskette eines Unternehmens wie Nestlé eine suspekte ist. Und die Gepflogenheiten etlicher Weltkonzerne, den Entwicklungsländern insofern zu "helfen", in dem sie beste Getreideflächen kaufen um dort Biotreibstoff anzubauen.

Für den Ökonomen und Wifo-Mitarbeiter Dr. Stephan Schulmeister hingegen waren "Brabecks Ansprüche eher gespenstisch, weil fünf solche Unternehmen und wir haben eine Weltregierung." Was unwillkürlich die Frage nach der politischen Verantworung nach sich zog. Zwar war man sich schnell einig, dass in Finanzmarktkrisen der Staat die Schiedsrichterrolle zu spielen hätte, die Idee einer Einkommensdeckelung kam vor allem bei den hochdotierten Managern am Podium wie eben Brabeck-Letmathe oder OMV- General Dr. Wolfgang Ruttensdorfer nciht besonders gut an.

Da punkteten auch die Argumente von Carits-Präseident Küberl nicht, der auf die stets größer werdende soziale Schere hinwies. Infineon CEO Mag. Monika Kircher-Kohl baut auf beste Mitarbeiter und Partner und somit auf bestes Image. Ausschlaggebend für die Nicht-Widersprüchlichkeit zwischen Shareholder und Stakeholder Value sei eine durchgehende Win-Win-Situation.

"Wir sind keine guten", weiß OMV-General Ruttenstorfer, "weil wir Rohstoffe aus fremden Ländern abziehen und ausser Landes bringen. Da ist es nur billig und recht, den jeweiligen Regierungen und der Bevölkerung etwas zurückzugeben, zumeist in Form von Gesellschaftsentwicklung, Ausbildung, Jobs und Steigerung von Erträgen und Wohlstand".