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Automatisierung als Gefahr?


Kategorie: ecommerce, Handel, Industrie, Studien
11.05.2018 von Martin Ross

Eine neue PwC Studie kommt zum Ergebnis, dass bis 2030 34 Prozent der österreichischen Arbeitsplätze von Automatisierungsprozessen bedroht sein werden.

Claudia Grabner, Partner und Leiterin des Bereichs People and Organisation bei PwC Österreich © PwC Österreich
Claudia Grabner, Partner und Leiterin des Bereichs People and Organisation bei PwC Österreich © PwC Österreich

Bis 2030 werden 34 Prozent der österreichischen Arbeitsplätze von Automatisierungsprozessen bedroht sein, so das Ergebnis einer aktuellen PwC-Studie. Werde der Anteil der Arbeitsplätze mit einem potenziell hohen Automatisierungsrisiko bis 2020 noch auf drei Prozent geschätzt, steige dieser Wert bis Ende 2020 rasant auf 22 Prozent und bereits auf 34 Prozent bis Mitte 2030.

„Will robots really steal our jobs? An international analysis of the potential long term impact of automation“, so lautet der Titel der Studie, die die Auswirkungen von drei überlappenden Automatisierungswellen bis zum Jahr 2030: „Algorithmuswelle“, „Augmentationswelle“ und „Autonomiewelle“. Um die potenziellen Auswirkungen auf unterschiedliche Branchen und nach Ausbildungsgrad zu bewerten, hat man über 200.000 Arbeitnehmer in 29 Ländern befragt.

Der geschätzte Anteil bestehender Arbeitsplätze, die bis Mitte der 2030er-Jahre ein hohes Automatisierungspotenzial aufweisen, ist je nach Land sehr unterschiedlich. Die Schätzungen zeigen 20 bis 25 Prozent in einigen ostasiatischen und nördlichen Volkswirtschaften mit relativ hohem durchschnittlichem Bildungsniveau. Jedoch steigt sie in osteuropäischen Volkswirtschaften auf über 40 Prozent, wo industrielle Fertigung, die für gewöhnlich leichter zu automatisieren ist, immer noch einen relativ hohen Anteil an der Gesamtbeschäftigung hält.

„Unsere Analysen basieren in erster Linie auf der technischen Machbarkeit von Automatisierung. Jedoch nur, weil etwas theoretisch automatisiert werden kann, bedeutet es nicht zwangsweise, dass es in der Praxis angesichts wirtschaftlicher, rechtlicher, regulatorischer oder organisatorischer Einschränkungen auch tatsächlich umsetzbar sein wird“, erklärt Claudia Grabner, Partner und Leiterin des Bereichs People and Organisation bei PwC Österreich.

Die drei Wellen

PwC identifiziert drei Automatisierungswellen und ihre Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.
Die Algorithmuswelle hat uns bereits erreicht und bringt die Automatisierung strukturierter Datenanalysen sowie einfacher digitaler Aufgaben mit sich, wie z.B. Kreditprüfung. Diese Innovationswelle könnte bis in die frühen 2020er Jahre ausgereift sein, so PwC.

Die Augmentationswelle baut sich ebenfalls bereits auf, werde aber voraussichtlich erst später in den 2020ern ihre volle Wirkung entfalten, heißt es. Im Mittelpunkt der Augmentationswelle steht die Automatisierung von sich wiederholenden Tätigkeiten und Informationsaustausch sowie die Weiterentwicklung von flugtauglichen Drohnen, Robotern im Lagerwesen und semi-autonomen Kraftfahrzeugen.

„Semi-autonom“ ist das Stichwort für die dritte Welle, die Autonomiewelle, die Mitte der 2030er Jahre ausgereift sein könnte. Es werden dann mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz – mit geringem oder ohne menschliches Zutun – Daten aus unterschiedlichen Quellen analysiert, Entscheidungen getroffen und physische Handlungen gesetzt. In dieser Phase könnten zum Beispiel vollautonome Fahrzeuge kommerziell im Einsatz sein.

Ohne Bildung geht nichts

Bildung im Allgemeinen und Weiterbildung im Besonderen erweisen sich in Zeiten der Digitalisierung als unabdingbare Notwendigkeiten. Es zeigen sich jetzt schon Unterschiede beim Bildungsgrad, wobei die durchschnittliche Gefährdung für sehr gut ausgebildete Arbeitskräfte mit Hochschulabschluss oder darüber hinaus wesentlich geringer sei, als für Arbeitskräfte mit geringem oder mittlerem Bildungsniveau.

Claudia Grabner resümiert: „Frühere Studien haben bereits gezeigt, dass Jobs, die aufgrund von Automatisierung verloren gehen, auf lange Sicht durch neue Jobprofile weitgehend kompensiert werden könnten. Aus diesem Grund glauben wir nicht, dass die Automatisierung bis in die 2030er Jahre zu technologischer Massenarbeitslosigkeit führen wird, wie sie das auch in den Jahrzehnten seit Beginn der digitalen Revolution nicht getan hat.“

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