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Christoph Holzer im CASH-Interview: „Das ist mein Geschäft“


Kategorie: Handel, LH
02.11.2018 von Silvia Meißl

Vor sechs Jahren ist Christoph Holzer als Geschäftsführer der Spar-Zentrale Wörgl in derselben Funktion nach Graz übersiedelt. Der 60. Geburtstag der Spar Steiermark/Südburgenland und der 55. von Tann sind auch für den erfahrenen Manager etwas ganz Besonderes.


CASH: Ein Slogan der Spar Steiermark heißt: Wir sind Steirer. Manche sagen, die Spar Steiermark ist eine Institution. Was ist die Spar Steiermark aus Ihrer Sicht?
Mag. Christoph Holzer
: Sie ist genau das, sie ist eine Institution. So wird sie auch von hundert Prozent aller Beteiligten wahrgenommen: Das sind die Konsumenten, die Lieferanten, das sind alle, die bei uns einkaufen oder mit uns in einer Geschäftsbeziehung stehen. Und darauf bin ich auch sehr stolz.

Wo liegen die Wurzeln dieser Institution?
Die liegen natürlich bei der Familie Poppmeier, die seit jeher in der Steiermark so stark verankert ist.

Kommt das Südburgenland, für das Sie als Geschäftsführer ja auch zuständig sind, da nicht etwas zu kurz?
Wir vergessen das Südburgenland nie, das könnten wir gar nicht. Es ist aber nicht der stärkste Wirtschaftsraum. Den haben wir sicherlich in der Region Graz.

Was macht die Spar Steiermark bis heute so stark?
Wir haben tolle Geschäfte, von Großunternehmen wie etwa Interspar bis hin zum kleineren Nahversorger. Die Tann kommt aus der Steiermark und ist hier ebenfalls sehr stark verankert. Was uns außerdem ausmacht, ist, dass es eine sehr stark gewachsene Partnerschaft mit regionalen Produzenten gibt. Wir haben in der Steiermark alles da an hochwertiger Qualität, vom Obst und Gemüse, dem Fleisch bis hin zum Wein.

Regionalität als Stärkung des Unternehmens sozusagen.
Ja. Schon vor vielen Jahren wurde das Thema Regionalität aufgegriffen, etwa vom langjährigen Spar-Steiermark-Direktor Erwin Schmuck. Und es wurde konsequent von der Familie Poppmeier vorangetrieben.

Wenn Sie die gesamte Region, für die Sie verantwortlich sind sehen, kommen Sie sich da manchmal mit Ihren Geschäftsführerkollegen in die Quere, beispielsweise mit Alois Huber aus der Zweigniederlassung St. Pölten?
Nein, gar nicht. Es gibt sogar sehr sinnvolle Überschneidungen, wie zum Beispiel einen Kaufmann in Mariazell. Er wird aus logistischen Gründen von St. Pölten aus beliefert. Wenn es um Themen wie Regionalität geht, dann wird er von uns betreut.

Was prägt denn das Wettbewerbsumfeld der Spar Steiermark – und worauf müssen Sie demnach besonders achten? Etwa auf die Diskonter?
Wie in ganz Österreich ist auch in der Steiermark der Diskont tätig und hat ja bekanntlich hier auch zwei Länderzentralen. Das ist also nicht außergewöhnlich, und es sind auch alle anderen Mitbewerber vertreten. Bei uns hat die Kaufmannschaft eine lange Tradition, und es sind starke Kaufleute.

Spüren Sie dieses Wettbewerbsumfeld und wie wirkt sich das auf die Endverbraucherpreise aus?
Wir spüren das dann, wenn die Mitbewerber in der Preiswahrnehmung der Konsumenten sehr stark sind.

Also insbesondere die Diskonter.
Nicht nur, denn wir haben in der Steiermark auch einen sehr hohen Aktionsanteil, beispielsweise auch bei Bier, um nur ein Produkt zu nennen.

Was halten Sie dagegen?
S-Budget, und das wird von den Kunden sehr gut angenommen. Und es geht uns auch darum, nicht nur preispolitische Akzente zu setzen.

Wird in Österreich generell zu viel in den Preis investiert?
Der Preis steht im Mittelpunkt, das könnte man etwas zurücknehmen.

Glauben Sie, dass das passiert?
Der Preis wird in den nächsten Jahren noch mehr Rolle spielen, angetrieben durch den Diskont.

Was kann man da machen?
Für uns wird es noch wichtiger werden, die Aktionen perfekt umzusetzen. Das betrifft auch die Kaufleute. Und wie schon geschildert, die Stärke unserer regionalen Verankerung noch intensiver nützen.

Und wie feiern Sie im Jubiläumsjahr? Wahrscheinlich auch mit Preisaktionen.
Ja, aber nicht nur, es gibt zum Beispiel auch verschiedene Gewinnspiele, an denen die Kunden sehr gerne teilnehmen.

Welche Themen außer Preis, Regionalität usw. beschäftigen Sie aktuell noch?
Die Entwicklung der Bevölkerung. Es gibt schon jetzt – und das wird durch neue Stadtentwicklungsgebiete forciert – eine deutliche Konzentration auf den Großraum Graz bis nach Leibnitz. Die restlichen Regionen dünnen immer mehr aus. Dort sind unsere Kaufleute aber so gut aufgestellt, dass ich mir keine Sorgen mache.

Und was planen Sie für den Großraum?
Dort stoßen wir auf ein Filialthema. Das bedeutet, dass wir mit einem Expansionsplan beschäftigt sind, um eben insbesondere in den Stadtentwicklungsgebieten gut aufgestellt zu sein.

Vielleicht wird das dann ja auch ein Meilenstein, wie es in der Spar Steiermark schon einige gegeben hat, wie etwa die Gründung der Tann. Sie sind seit sechs Jahren Geschäftsführer – was waren denn in dieser Zeit die großen Meilensteine?
Unbestritten natürlich das Jubiläum 60 Jahre Spar Steiermark, so wie auch die Großinvestition in den Tann-Betrieb in der Höhe von 30 Millionen Euro. Und wir haben einige Akzente gesetzt: Wir durften das Thema „Wir sind Steirer“ entwickeln, wir haben die Personalentwicklung auf ein sehr hohes Level geführt, wir haben heuer erstmals ein Sommercamp für die Kinder von unseren Mitarbeitern veranstaltet und so weiter. Unsere Möglichkeiten sind regionaler Natur, und die nützen wir aus.

Welche Schritte wollen Sie setzen, damit ­die Spar Steiermark der Händler, die Institution für die Konsumenten in der Steiermark bleibt?
Es gibt ein Ziel, auf das wir intensiv hinarbeiten. Im jeweiligen Einzugsgebiet sollen die Kunden sagen: Das ist mein Geschäft. Damit das so ist, dafür brauchen wir die besten Mitarbeiter, die besten Kaufleute, den starken Input Regionalität, beispielsweise durch die Mikrozusammenarbeit mit Kleinbauern. Das alles führt zur Verbundenheit der Kunden mit uns, zu viel Emotion, und die wird in Zukunft sehr wichtig sein.

Ich habe geglaubt, der Preis wird eine wichtigere Rolle spielen.
Dabei bleibe ich auch. Aber in letzter Konsequenz liegt die Trennschärfe zum Mitbewerber direkt am POS. Dort wird die dauerhafte Bindung erzeugt, und die basiert auf Emotionen. In diesem Punkt sind wir jetzt schon sehr gut – und wollen noch besser werden.

Herr Holzer, vielen Dank für dieses Gespräch.

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