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Corinne Emonet/Nestlé Österreich

Corinne Emonet im CASH-Interview: Schnell wachsen angesagt


Kategorie: Industrie
09.05.2019 von Silvia Meißl

Die gebürtige Französin Corinne Emonet ist seit Jahresbeginn Marktchefin von Nestlé Österreich. Sie freut sich über ein hoch- motiviertes Team, mit dem sie viel Potenzial für Nestlé-Marken und -Produkte heben will. Denn dass es das gibt, davon ist sie nach einem Lokalaugenschein überzeugt.


CASH: Frau Emonet, nach dem relativ kurzen Gastspiel von Fabrice Favero als Nestlé-Geschäftsführer sind Sie seit 1. Jänner 2019 seine Nachfolgerin. Wie neu oder wie vertraut ist Ihnen der österreichische Markt?      
Corinne Emonet: Der österreichische Markt ist für mich im Prinzip neu, aber es gibt viele Ähnlichkeiten mit dem Schweizer Markt, den ich natürlich sehr gut kenne. Die Märkte sind klein, komplex und es gibt eine sehr hohe Handelskonzentration. Und die Werte der Gesellschaft sind ähnlich: Themen wie Nachhaltigkeit, Diversität, das Wohl der Gemeinschaft haben auch hier einen hohen Stellenwert. Das empfinde ich für den langfristigen Erfolg von Nestlé in Österreich als immens wichtig.      

Wenn wir von Langfristigkeit reden: Wie lange wollen Sie denn überhaupt Marktchefin von Österreich sein?      
Ich möchte gerne lange bleiben, ideal zwischen drei bis fünf Jahre. Österreich ist ein sehr schönes Land, das ich bisher nur von meinen Urlauben kenne. Es ist ein sehr interessanter Markt, und jetzt habe ich endlich die Gelegenheit, auch die reichhaltige Kultur und Tradition des Landes kennen und verstehen zu lernen.      

Wieso ist denn dieser Markt so interessant?    
 
In der kurzen Zeit, in der ich hier bin, habe ich mir viele Läden angeschaut. Das Bild zeigt für mich einen sehr aktiven Markt mit viel Dynamik. Daher sehe ich viel Potenzial, wo Nestlé als Partner agieren kann.      

Also fehlen Ihnen einige Facings und Platzierungen am POS?      
(lacht): Ja, ein bisschen. Nein, im Ernst. Ich sehe Potenzial für Innovationen, für Sortimentsideen von uns. Ich war ja in der Schweiz in Lausanne mit strategischem Marketing- und Verkaufsaufgaben betraut. Ich habe sehr viel davon gesehen, was in Ländern marketing- und sortimentsmäßig passiert und wie Nestlé die Märkte bearbeitet. Das alles führt mich zu der Schlussfolgerung, dass wir hier noch viel Potenzial haben.      

Sie wollen beziehungsweise müssen wachsen?      
Ich will das Geschäft zum Wachsen bringen und ich möchte, dass mir das gemeinsam mit meinem Team schnell gelingt.      

Werden Sie dabei vom Headquarter in Vevey manchmal eingebremst, wenn Sie Entscheidungen absegnen lassen müssen?
     
Das müssen wir nicht. Wir haben das Glück, dass unsere Experten jeder Kategorie an der Entwicklung starker Marken und neuer Produkte arbeiten. Andererseits haben wir die Freiheit, Potenziale für den österreichischen Markt zu thematisieren. Wir haben ausreichend Spielraum, unsere Entscheidungen zu treffen. Es gibt eine Konzernstrategie, aber jene für Österreich, für die sind wir beziehungsweise bin jetzt ich verantwortlich.      

Welche Innovationen wollen Sie bringen, um zu wachsen?      
Ich möchte uns nicht in die Karten schauen lassen, aber es müssen solche sein, die von den Konsumenten gewünscht werden. Deshalb möchte ich noch viel genauer hinhören, was die Konsumenten von uns haben wollen.      

Sie haben ja schon bisher Marktforschung gemacht.      
Ja, aber ich möchte das proaktiver angehen.      

Und mehr Geld dafür in die Hand nehmen?      

Ja, genau. Wir haben die großen Trendthemen wie gesunde Ernährung, Convenience, Umwelt, Nachhaltigkeit, aber auch Genuss und Geschmack. Denen können wir mit unseren Produkten, mit unseren Produktkonzepten sehr gut folgen. Nestlé hat weltweit das größte Forschungsnetzwerk mit über viertausend Mitarbeitern. Wir müssen das stärker kommunizieren, um auch den Händlern deutlicher zu machen, dass wir bei diesen Themen die richtigen Partner sind.     

Die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Händlern klassischer Supermärkte wird immer wieder davon überschattet, dass viele Markenartikel im Discount auftauchen. Auch Nestlé-Produkte kann ich beispielsweise bei Hofer kaufen.
Wir müssen dort mit unseren Produkten sein, wo die Konsumenten sind.      

Sie kennen die Diskussion Eigenmarken versus Markenartikel?      
Natürlich kenne ich sie. Ich habe viel mit Migros, mit Coop zusammengearbeitet, die einen hohen Eigenmarkenanteil haben und wir haben trotzdem gemeinsam sehr gute Geschäftserfolge erzielt.      

In einigen Studien wird festgehalten, dass Markenartikel mehr loyale Käufer verlieren als sie gewinnen und die Eigenmarken auf der Gewinnerstraße sind.
Wir produzieren keine Eigenmarken, und vor wenigen Wochen wurde bei einer Präsentation von GfK gezeigt, dass Eigenmarken in manchen Segmenten verloren haben. Für Konsumenten relevante Marken brauchen diese Diskussion nicht zu fürchten. Wir haben Marken in unserem Portfolio, die Marktanteile gewinnen, und sie gewinnen, weil sie wichtig für Konsumenten und somit auch für die Händler sind. Das möchte ich gerne auch noch stärker betonen: Es geht darum, dass wir relevante Marken und Produkte für die Konsumenten entwickeln und auf den Markt bringen. Das muss uns gelingen.      

Gehören die von Ihnen angeschnittenen Themen gesunde Ernährung, Nachhaltigkeit et cetera auch zur Relevanz?      
Mit Sicherheit, ich habe ja das weltweit größte, privatwirtschaftliche Forschungsnetzwerk von uns bereits erwähnt. Ich sehe aber schon eines: Den Händlern, für die diese Themen auch einen hohen Stellenwert haben, gelingt es besser, sie zu kommunizieren. Ich glaube, Nestlé ist in sehr vielen Bereichen sehr weit, aber wir sprechen zu wenig darüber.      

Was ist aus Ihrer Sicht in der Zusammenarbeit mit dem Handel wichtig, auch bei der hohen Marktkonzentration in Österreich?
     
Die hohe Marktkonzentration kenne ich aus der Schweiz und ist aus meiner Sicht kein Problem. Wichtig ist vielmehr, dass die Händler und wir als Industriepartner uns gut kennen, über die strategische Stoßrichtung Bescheid wissen und eine gemeinsame Diskussionsbasis haben – nur so können wir gemeinsam eine gute Strategie entwickeln, eine Win-win-Situation herbeiführen, die sich am Konsumenten orientiert.      

Sie waren in der Schweiz als Country Business Manager von Nestlé Purina Schweiz sehr erfolgreich. Um wie viel größer ist ihre neue Rolle als Marktchefin von Nestlé Österreich eigentlich?
     
Es ist eine ganz andere Rolle. Früher war ich für eine Kategorie zuständig, jetzt für viele. Ich muss Rahmenbedingungen schaffen, damit wir in allen Kategorien Wachstum generieren können. Es geht auch darum, dass wir der Gesellschaft mit unseren Produkten einen Mehrwert verschaffen.      

Auf welche Erfahrungen können Sie vertrauen?          
Vertrauen kann ich auf meine langjährige berufliche Erfahrung in unterschiedlichsten Funktionen, meinen klaren Businessfokus, meinen Pragmatismus, und – wie ich eingangs schon erwähnt habe – auf die Kenntnisse von unterschiedlichen Märkten.      

Und auf Ihre Mitarbeiter?      
Ich bin auf ein sehr motiviertes und engagiertes Team gestoßen. Die Kollegen möchten unbedingt erfolgreich sein – und das finde ich großartig. Ich bin dabei sehr nahe bei meinen Leuten, spreche viel mit allen Kolleginnen und Kollegen. Wir wollen Ziele erreichen. Ich sehe es als meine Aufgabe, für den Erfolg die Voraussetzungen zu schaffen.      

Frau Emonet, vielen Dank für dieses Gespräch!

 

Corinne Emonet
Geboren ist Corinne Emonet in Cannes/Frankreich, aufgewachsen in der Schweiz nahe des Genfer Sees. Seit 1. Jänner 2019 ist sie Marktchefin von Nestlé ­Österreich, seit April lebt die 44-Jährige mit ihrem italienischen Ehemann in Wien.

Karriereweg: Step by step
Nach der Lehre hat Corinne Emonet berufsbegleitend die Matura und ein Studium in Marketing und Betriebswirtschaft absolviert. Sie arbeitet seit mehr als 20 Jahren bei Nestlé und hat Erfahrung in Finanz, Marketing, Verkauf auf lokaler als auch auf europäischer Ebene. Ihre Karriere führte sie ins Confectionery Business und zu Nestlé Purina Schweiz. Danach wechselte sie zu Nestlé Purina Europa und war dort für die Entwicklung einer europäischen Marke und Kategorie sowie die strategische Ausrichtung verantwortlich. 2016 wurde sie Chefin von Nestlé Purina Schweiz und entwickelte das Geschäft erfolgreich, profitabel und signifikant wachsend weiter.

Nestlé Österreich

- Umsatz: 360 Mio. €
- Anzahl Mitarbeiter (Köpfe): ca. 750
- Top-Marken: Nescafé, Nespresso, Maggi, Pizza Wagner, Kit Kat, Felix
- Top-3-Kategorien: Kaffee, Tiernahrung, Food
- weitere Kategorien: Babynahrung, Cerealien, Nestlé Health Science, Süßwaren
- Zu Nestlé Österreich gehört auch Nespresso Österreich GmbH.

 

 

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