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UTP-Richtlinie

„Das hat jetzt Stammtischniveau“


Kategorie: Handel, LH
11.10.2018 von Dagmar Lang

Der europäische Handel ist in heller Aufregung: Gerhard Drexel und Christian Prauchner, Markus Mosa und Lionel Souque schlagen Alarm gegen die UTP-Richtlinie, die schon am 22. Oktober im EU-Parlament beschlossen werden soll.

Spar-Präsident und Vorstandsvorsitzender Dr. Gerhard Drexel: „Die Richtlinie hat Stammtischniveau." © Markus Wache
Spar-Präsident und Vorstandsvorsitzender Dr. Gerhard Drexel: „Die Richtlinie hat Stammtischniveau." © Markus Wache
Spar-Vizepräsident Christian Prauchner appelliert mit einem Schreiben an die österreichischen Mitglieder des Europäischen Parlaments. © Markus Wache
Spar-Vizepräsident Christian Prauchner appelliert mit einem Schreiben an die österreichischen Mitglieder des Europäischen Parlaments. © Markus Wache
Lionel Souque, Vorstandsvorsitzender Rewe Group, übt scharfe Kritik an der neuen Richtlinie. © Rewe Group
Lionel Souque, Vorstandsvorsitzender Rewe Group, übt scharfe Kritik an der neuen Richtlinie. © Rewe Group
Markus Mosa, Vorstandsvorsitzender Edeka, fürchtet, dass die Richtlinie das Geschäftsmodell von Unternehmen wie Edeka verbieten könnte. © Christian Schmid/Edeka Verlag
Markus Mosa, Vorstandsvorsitzender Edeka, fürchtet, dass die Richtlinie das Geschäftsmodell von Unternehmen wie Edeka verbieten könnte. © Christian Schmid/Edeka Verlag

Je mehr Details zur geplanten EU-Richtlinie über „unlautere Handelspraktiken in den Geschäftsbeziehungen zwischen Unternehmen in der Lebensmittelversorgungskette" (UTP-Richtlinie) bekannt werden, desto größer werden die Proteste. Der Vorstandsvorsitzende der Spar, Dr. Gerhard Drexel, verblüffte die anwesenden Journalisten im Klub der Wirtschaftspublizisten mit dem jüngsten Abänderungsantrag, der Handelsunternehmen verbieten soll, künftig bei ihren Eigenmarken höhere Standards bei Tierwohl und Umweltschutz zu fordern, als das gesetzliche EU-Ausmaß vorsieht. „Das ist ein Verbot zur Weiterentwicklung unserer Gesellschaft“, wetterte Drexel, der über den Vorstoß „fassungslos“ ist. Gerade die Spar sei ein Vorreiter für gesunde Ernährung und entwickle ihre Eigenmarken, die derzeit einen Anteil von 45 Prozent am Sortiment ausmachen, entsprechend der Konsumentenbedürfnisse, die in Richtung hochwertiger Lebensmittel tendieren.

Ob die Richtlinie auch für Erzeuger gelten soll oder tatsächlich nur für den Handel, ist ebenso unklar, wie vieles anderes, was in dem Papier steht. In ungewohnter Eintracht sprechen sich die Chefs der Edeka, Markus Mosa, und der Rewe, Lionel Souque, gegen einen anderen Passus der Richtlinie aus. Da geht es um ein „Verbot des Zusammenschlusses zu Einkaufsgemeinschaften von Einzel- und Großhandel, der – so die beiden Handelsbosse im LZ Special – bedeuten würde, dass man das Geschäftsmodell von Unternehmen wie Edeka oder Rewe verbietet.

In die gleiche Kerbe schlägt Spar-Vizepräsident Christian Prauchner mit einem leidenschaftlichen Schreiben an die österreichischen Mitglieder des Europäischen Parlaments, Bundeskanzler Sebastian Kurz, sowie die Bundesminister Elisabeth Köstinger, Margarete Schramböck und Wirtschaftskammerpräsident Harald Mahrer. Er bezeichnet es als besorgniserregend, wonach „Zusammenschlüsse zu Einkaufsgemeinschaften von Einzel- und Großhandel kategorisch verboten werden sollen“. „Ohne gemeinsamen Einkauf sind einzelne selbständige Kaufleute gegenüber Diskontern und filialisierten Supermarktketten“ nicht marktfähig.

Drexel, Mosa, Souque und Prauchner sind sich einig, dass der Eingriff in die bewährte Einkaufs- und Handelsmodelle am 22. Oktober im Plenum des EU-Parlaments abgewehrt werden muss. „Die Richtlinie hat Stammtischniveau“ kritisiert Drexel. Gemeint habe man offensichtlich das Verbot von weitreichenden Kooperationen marktbeherrschender internationaler Handelsunternehmen, herausgekommen ist ein Vollangriff auf die selbstständigen Kaufleute.

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