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CASH Handelsforum

Der Donnerstag


Kategorie: Handel, Industrie
26.04.2018 von Nataša Nikolić von Michaela Schellner von Willy Zwerger

Reinhard K. Sprenger
Reinhard K. Sprenger
Jan Kunath
Jan Kunath
Christoph Scharff
Christoph Scharff
Klaus Eckel
Klaus Eckel
Christine Marek
Christine Marek
Stefan Bruckbauer
Stefan Bruckbauer
Stephan Grünewald
Stephan Grünewald

Heute Donnerstag, 26. April 2018, ging das Handelsforum in die zweite Runde. Am Programm standen fünf spannende Vorträge und ein Kabarett. Doch nun der Reihe nach. Nach Begrüßungsworten von MZV Geschäftsführerin und CASH Herausgeberin Mag. Dagmar Lang, UniCredit Bank Austria Bereichsleiterin Firmenkunden Mag. Susanne Wendler und CASH Chefredakteurin Silvia Meißl führte in bewährter Manier Dr. Nikolaus Hartig durch das Programm.

Reinhard K. Sprenger
Den Auftakt machte Managementberater Dr. Reinhard K. Sprenger mit seinem etwas provokanten Vortragstitel "Erfolg macht lernbehindert". Trotz komprimiertem Zeitrahmen erfuhren wir, dass wir Menschen - und somit auch Firmenbosse und Manager - so gestrickt sind, dass wir das, wass wir haben, stets überschätzen und scheuen uns vor dem, was wir bekommen könnten. Sprenger zitiert in diesem Zusammenhang Siegmund Freud: "Leiden ist leichter als Handeln."

Ebenfalls prangerte er typische Managementfehler an, wie zum Beispiel dass viele - solange der Erfolg da ist - keinen Grund zu Veränderungen respektive zu Lernen sehen. Auch dass Rechthaben gehört zu einer Überlebensstrategie, jedoch durchaus aus unterschiedlicher Sichtweise. Denn jeder ist davon überzeugt, dass seine Überlebens- und Erfolgsstrategie die einzig richtige sei. Das Grundproblem: Der Mensch, vor allem der in Führungsposition, greift zumeist immer nur auf sein inneres Museum zu und hält sich dabei für kreativ.

Wichtig sei auch, dass uns bewusst wird, dass wir alle ganz tief in einer Erfolgsfalle stecken, dass jeder aus seiner Sicht immer Recht hat und Erfolg zu einem Höchstmaß aus einer Symbiose von Zufall und Glück besteht. Gute Manager müssen tracjten, alles permanent zu verändern, sie müssen eigentlich einen strikten Störungsauftrag erfüllen. Diversity sei wichtig, Ideen von aussen zulassen, Andersdenkende gehören ins Boot geholt und Fachwissen sollte man ruhig einmal auch hintanstellen.

Einer der Schlüsselsager Sprengers: "Kluge Leute haben in dummen Organisationen keine Chance." Denn vertikal strukturierte Hierarchien sollten dringen durch horizontale abgelöst werden. Auch durchaus übliche Features wie Reporting, Verkaufsziele oder Mitarbeitergespräche brächten nichts, seien einfach nur kundenfeindlich.  Das Zauberwort heisst Vertauen vor Kontrollen, nicht anstatt Kontrolle, denn ein gewissen Misstrauen ist notwendig.

Ein wichtiger Faktor ist auch die positive Kraft des negativen Denkens, bei dem alles zuallererst ausgeräumt wird, was jedwede Kooperation und Zusammenarbeit verhindert. Und: Wertschätzung ist und bleibt die höchste Form der Motivation. Denn nur so kann es zu verändernden Experimenten kommen und nicht weil man einem Plan folgen muss.

Jan Kunath
In eine ähnliche Kerbe, nur weitaus mehr praxisbezogener, schlug Stv. Vorstandsvorsitzender der Rewe Group, Jan Kunath.Sein Vortragsthema "Experimentieren erlaubt?" führte uns in große Reich der Rewe Group mit Kurzausflügen in die Rewe International. Für ihn ist Experimentieren überlebensnotwendig, denn Stillstand sei für jedes Unternehmen der programmierte Untergang und sei es momentan noch so erfolgreich.

Kunaths Credo: "Man muss ganz einfach so agieren, als wäre man sein eigener Nachfolger." Selbstverständlich seienn Veränderungen in großen Konzernen enorm schwierig und birgt auch jede Menge Risiken, unter anderem seien es die äußeren Einflussfaktoren wie jene der Mitbewerber, die Veränderungen gleichzeitig schwierig wie notwendig machen. "Wobei", so Kunath, "die größte Herausforderung darin besthet, die neue, digitale Konkurrenz, die kein Geld verdienen muss, abzufedern."

Zahlreiche Veränderungen und Experimente fanden seitens der Rewe Group bereits staast und werden laufend aktualisiert, neue Handelsformate werden kommen und die Digitalisierung wird alsbald in sämtlichen Supermärkten zu sehen und zu spüren sein. Experimenten seitens der CEE Länder seien willkommen und haben die Rewe Group in einigen Fällen schon positiv beeinflusst.

Christoph Scharff
Ganz im Banne der neuen EU-Verordnung in Sachen Recycling-Quoten stand Prof. Dr. Christoph Scharffs Vortrag "Circular Action now!". Der Lnagjährige ARA-Vorstand wies unter anderem darauf hin, dass sämtliche EU-Länder bis 2015 65 Prozent sämtlicher Verpackungen aus Recyclingstoffen bestehen müssen, 50 Prozent bei Kunststoffverpackungen. Zwar liege man heute bei Kunststoff bereits bei 34 Prozent, doch für den Rest sei  noch viel zu tun "Das Problem", so Scharff, "liege darin, dass die Hersteller von Verpackungen genau so wie die Verwender derselben alles umstellen müssen um überhaupt eine Chance zu haben diese Quote zu erreichen."

Denn sämtliche Verpackungen müssen hinküftig  it Funktionen ausgestattet sein, die das Recycling nicht verhindern. Daher werde eine gemeinsame Entwicklung der Verpackungen unumgänglich sein.

Christine Marek
In ihrem Vortrag mit dem Titel „Eine Firma ist kein Sozialverein – aber: die Vereinbarkeit von Job und Familie rechnet sich“ referierte Unternehmensberaterin Christine Marek (CM Consult) über die damit im Zusammenhang stehende Herausforderungen für Unternehmen und lieferte Best Practice-Beispiele. Marek betonte, dass sich ein Investment in die Vereinbarkeit von Beruf und Familie vor allem hinsichtlich der Mitarbeiterbindung und Motivationssteigerung auszahlt und oft schon kleine Schritte eine große Wirkung haben. Aufgrund der Tatsache, dass heute 67 Prozent der 25 bis 49-jährigen Frauen mit Kindern unter 15 Jahren erwerbstätig sind, 73 Prozent davon in Teilzeit arbeiten und es immer mehr Alleinerziehende gibt, besteht für Unternehmen akuter Handlungsbedarf. Marek zitierte zwei Studien, die belegen, dass Unterstützung der Mitarbeiter in diesem Bereich kein Selbstzweck ist, sondern auch ökonomische Vorteile mit sich bringt. Messbar sei das zum Beispiel an weniger Krankenstandstagen, einer geringeren Fluktuation und der Rückkehrquote nach der Karenz. Als konkrete zu berücksichtigende Themen führte Marek zum Beispiel die Babypause oder pflegende Angehörige als Mitarbeiter an. Anhand von Firmen wie Frequentis, SAP, Novomatic, ÖAMTC, Spar oder Merkur lieferte sie Best Practice-Beispiele und stellte unterstützende Projekte vor. Merkur etwa bietet seit einigen Jahren eine Pflegebox mit Informationen zu arbeitsrechtlichen Fragen hinsichtlich Pflegekarenz sowie Pflegeteilzeit an und stellt betroffenen Mitarbeitern zwei zusätzliche Sonderurlaubstage zur Verfügung. Und auch die Spar bietet ihren Angestellten Informationen in gebündelter Form an und setzt auf Familienfreundlichkeit sowie u.a. auf ein aktives Karenzmanagement.

Klaus Eckel
Kabarettist Klaus Eckel zog in gewoht charmanter Weise die österreichischen Politiker, das AMS, Handel und Industrie her und stellte fest, dass die Konsumenten vom Handel immer mehr zu kostenlosen Arbeitern erzogen werden. Als Paradebeispiel dafür zog Eckel das schwedische Möbelhaus Ikea heran. Um dort zu einer Küche zu kommen, müsse ein Verbraucher von der selbstständigen Planung, Abholung und Lieferung, dem Aufbau derselben und letztlich der Entsorgung des Verpackungsmaterials, alles selber erledigen. Eckel fürchtet, dass das noch nicht alles war: "In 10 Jahren führt mich der Ikea-Verkäufer in den Wald, zeigt mir eine Eiche und sagt, dass ist Billy! "Unter all der Uneinigkeit zwischen den Händlern, begrüßte der Komiker, dass sie sich bei einer Sache weltweit (fast) alle einig sind: die Bananentaste ist auf der 1.

Stefan Bruckbauer
Mit Stefan Bruckbauer war heuer wieder ein alter Bekannter auf dem Podium. Diesmal fragte der Chefvolkswirt der Unicredit Bank, wie lange die Wirtschaft noch dynamisch bleiben kann und wie es mit ihr weitergeht? Bruckbauer wagte auch den Rückblick auf seine bisherigen Prognosen und prüfte ihre Treffsicherheit wie gewohnt mit viel Humor. Kurz gesagt: Er hatte Recht und es bleibt weiterhin dynamisch. Die Konsumfreude der Österreicher ist zwar noch hoch, wenn auch nicht so hoch, wie noch Ende 2017. Das vergangene Jahr startete eher schwach und endete stark. 2018 ist es umgekehrt: der Start war stark, nun klingt die positive Konjukturentwicklung etwas ab. 

Die USA verzeichnet den größten Konjunkturaufschwung seit 10 Jahren - allerdings hat dieser schon bald ein Ende, so Bruckbauer. Eines der Problemfelder der Weltmacht ist der twitternde Präsident, der nicht versteht wie die Leistungsbilanz funktioniert. Das Defizit in der Leistungsbilanz der USA setze sich daraus zusammen, dass die Investitionsquote deutlich höher als die Sparquote ist. Die Erhöhung der Zölle würde demnach nicht den von Trump erwarteten Effekt bringen. Amerika würde einen Handelskrieg gewinnen, da sie eine Exportquote von lediglich 11 % haben, allerdings würde sich dieser negativ auf die Bevölkerung auswirken, auf die dann Verteuerungen zukämen.

Stephan Grünewald
Stephan Grünewald vom rheingold institut skizzierte in seiner Rede "Der Kunde im digitalen APP-Solutismus, wie sich der Kunde aufgrund seines magischen Zepters, dem Smartphone, verändert und was das für den Handel bedeutet. Bisher galt in der analogen Welt, dass der Handel den Kunden zum König machen müsse. In der digitalen Welt fühlt sich dieser bereits als König - und gleichzeitig auch als mittelloses Kind. Aufgrund der Flut an Apps wie u.a. Alexa ändert sich das Menschenbild. Je mehr die Menschen in die digitale Welt eintauchen, desto mehr Kompensation brauchen sie in der analogen Welt. Händler sind hier gefragt, eine Erlebniswelt für ihre Kunden zu schaffen und das Einkaufen emotionaler zu gestalten. Hierzu können Kundenbindungsprogramme beitragen. Allerdings dürfen sie, so Grünewald, "nicht von der Stange sein" sondern maßgeschneidert auf die Kunden des einzelnen Händlers sein.

 

Fotos: Johannes Brunnbauer & Markus Wache

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