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Simon-Kucher&Partners

Die Macht der Produktbewertung


Kategorie: Handel, ecommerce
29.03.2019 von Martin Ross

Online verfügbare Produktbewertungen werden immer bedeutsamer und können das Einkaufsverhalten und die Markentreue nachhaltig verändern.

Simon-Kucher&Partners hat Ergebnisse einer weltweiten Studie zum Thema „Rating Economy“ veröffentlicht © Thorben Wengert/pixelio.de
Simon-Kucher&Partners hat Ergebnisse einer weltweiten Studie zum Thema „Rating Economy“ veröffentlicht © Thorben Wengert/pixelio.de

Wer hat noch nicht bei Amazon oder bei einem Reiseanbieter auf der Website nach einer Rezension bzw. einer Bewertung eines Urlaubsziels gesucht? Derlei Ratings bekommen immer mehr Gewicht und beeinflussen Kaufentscheidungen – auch dann wenn man letztlich selbst entscheidet, was man sich zulegt. „Rating Economy“ heißt dieses Phänomen, und eine von den Marketing- und Strategie-Consultants von Simon-Kucher&Partners veröffentlichte Studie zeigt, wie viel Macht eigentlich in den Händen der Konsumenten liegt. Diese Trend-Radar-Studie heißt „The Rating Economy 2019“, und man hat dafür im Februar 2019 online 6.400 Endkonsumenten in 23 Ländern weltweit zu ihrem Ratingverhalten befragt.

Die Macht der Konsumenten

Fast die Hälfte der Befragten gibt an, regelmäßig vor einem Kauf Bewertungen zu lesen. Ein Drittel bewertet in der Regel nach einem Kauf das Produkt. 76 Prozent haben bereits mindestens einmal eine Produktbewertung abgegeben. In fast zwei Dritteln der Fälle gab Unzufriedenheit den Ausschlag, die Bewertung abzugeben, Zufriedenheit war zu drei Vierteln der Impetus, sich an die Tastatur zu setzen. Der dritte Grund für das Abgeben einer Bewertung ist ein einfacher Ratingprozess. Man kann Ratingzahlen also erhöhen, wenn man das Prozedere einfach gestaltet, also etwa kein Login voraussetzt und keine umständlichen Detailfragen stellt. Das kann so weit gehen, dass man seinen Onlineshop grundlegend umgestaltet, um das Beurteilen möglichst simpel zu machen.

Die „Rating Economy“ bietet den Verbrauchern also mehr Transparenz bezüglich der angebotenen Produkte. Die ehemalige „Ohnmacht“ der Kunden gegenüber den Unternehmen wird damit eingedämmt, die Konsumenten erobern sich mehr und mehr Macht, denn sie können anhand von Bewertungen direkter beeinflussen, welche Produkte und Unternehmen erfolgreich sind, und sie haben die Möglichkeit, ihre Erfahrungen schnell mit anderen Verbrauchern zu teilen. Das führt zwangsläufig zu einer Änderung im Marketingverhalten der Unternehmen, denn der schnelle, einfache und direkte Vergleich eines Produkts bei verschiedenen Anbietern macht die Kunden sprunghafter. „Die Loyalität zu Marken und Unternehmen wird durch Ratings aufgeweicht“, sagt Simon-Kucher&Partners. Ein Drittel der Befragten gibt an, schon einmal aufgrund eines besser bewerteten Produkts die Marke gewechselt zu haben, und vielerorts haben Kundenbewertungen die Marke als Kaufkriterium überholt.

Unterschiedliche Gewichtung der Ratings

Einschränkend muss gesagt werden, dass derlei Ratings nicht in allen Branchen diese immense Bedeutung haben. Die wichtigste Rolle spielen sie bei der Unterhaltungselektronik (60 Prozent der Konsumenten weltweit sehen sich hier vor einer Entscheidung die Bewertungen an; in Deutschland: 58 Prozent) und im Bereich von Hotel und Tourismus (weltweit: 60 Prozent; Deutschland: 57 Prozent). „In anderen Branchen, vor allem Versicherung, Handwerk oder Automotive, haben Produkt-Ratings dagegen aktuell noch relativ wenig Bedeutung. Hier steckt der Rating-Trend noch in den Kinderschuhen. Aber auch hier werden wir in Zukunft Veränderungen sehen“, prophezeit Dr. Georg Tacke, CEO von Simon-Kucher.

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