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Handelsverband/KMU Forschung Austria

Distanzhandel: E-Commerce boomt, klassischer Versandhandel rückläufig


Kategorie: Handel, ecommerce, Studien
20.06.2017 von Manuel Stenger

Laut einer aktuellen Studie steigen die Ausgaben im Distanzhandel weiter. Während vor allem der Onlinehandel dem Einzelhandel einen starken Ruck gibt, werden Bestellungen per Telefon oder Post weniger.


Bereits zum achten Mal hat der österreichische Handelsverband eine Studie zum Konsumentenverhalten im Distanzhandel in Auftrag gegeben, auch dieses Jahr wurde die Untersuchung von der KMU Forschung Austria durchgeführt. Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands, präsentierte gemeinsam mit Ernst Gittenberger, Projektleiter von KMU Forschung Austria, die wichtigsten Ergebnisse der Studie.

Distanzhandel nimmt um 4 Prozent zu
7,6 Milliarden Euro Umsatz entfielen im Untersuchungszeitraum (Mai 2016 bis April 2017) auf den Distanzhandel in Österreich – das entspricht einer Steigerung der Ausgaben um vier Prozent. Mittlerweile kaufen 67 Prozent der Österreicher ab 15 Jahren im Distanzhandel ein. Mit 89 Prozent verbucht der Onlinehandel den mit Abstand größeren Anteil am Distanzhandel. Der Umsatz über das Smartphone konnte weiter wachsen, nämlich um 25 Prozent. Somit entfallen von 6,8 Milliarden Euro Online-Umsatz im Distanzhandel 530 Millionen Euro auf mobilen Commerce. Männer geben beim Online-Kauf durchschnittlich mehr aus als Frauen. Will dazu: „E-Commerce is getting male and mobile.“

Die meisten Käufer im Distanzhandel finden sich in der Warengruppe Bekleidung/Textilien, gefolgt von Büchern/Zeitschriften und Elektronikgeräten. Stark zulegen konnten vor allem drei Warengruppen bei der Anzahl der Käufer: Der Bereich Kosmetik mit 40 Prozent, Schuhe mit 17 Prozent und Möbel/Deko mit elf Prozent. Bei den Gesamtausgaben zeigt sich ein ähnliches Bild: Auf Platz 1 rangiert Bekleidung/Textilien, gefolgt von Elektronikgeräten und Büchern/Zeitschriften. Die Top-3-Gewinner 2017 sind hier Schuhe (+11 Prozent), Kosmetik (+10 Prozent) und Sportartikel (+8 Prozent).

Im Distanzhandel gewinnt Online-Shopping immer stärker an Bedeutung, ganz im Gegensatz zum klassischen Versandhandel über Telefon, per Post oder Fax. Während sich von 2012 bis 2017 der Anteil der Online-Shopper von 46 auf 56 Prozent erhöhen konnte, sank im selben Zeitraum der Anteil der Kunden im klassischen Versandhandel von 29 auf 18 Prozent. „Wir haben einen Austausch der Bestellformen“, so Gittenberger. Click & Collect nimmt ebenfalls zu, „daher ist es auch für die Onlinehändler wichtig, stationär vertreten zu sein“, so Gittenberger weiter. Während im E-Commerce mit ansteigendem Alter das Interesse zurückgeht, bleibt der Anteil der Käufer im klassischen Versandhandel über alle Altersgruppen konstant.

Auch kleine Händler müssen sich der Entwicklung beugen
Bei den Top 10 der größten Onlinehändler in Österreich gibt es laut Will eine starke Konzentration. Dennoch: „Wir sehen das veränderte Konsumentenverhalten. Die Händler, auch kleine und mittlere, müssen hier investieren, um mithalten zu können. Es sind komplexe Anforderungen, mit denen wir uns täglich auseinandersetzen müssen“, so Will. Für die Kunden muss es vor allem einfach gehen, wie Will betont: „Die großen Onlinehändler sind nicht sexy, sondern convenient.“ Aber nicht nur die IT, auch der Service im Hintergrund muss den Kunden zufriedenstellen. Verbunden mit dem steigenden Onlinehandel sind auch zunehmende Retouren: 50 Prozent der Distanzhandelskäufer haben ihre Ware im Befragungszeitraum mindestens einmal zurückgesandt.

Kaufkraft, die ins Ausland fließt, kostet Arbeitsplätze
Ein großer Anteil der Käufe im Distanzhandel geht an ausländische Händler. 54 Prozent der Befragten sagen, bei heimischen Händlern zu kaufen, 53 bei ausländischen. Dabei ist 41 Prozent der Studienteilnehmer gar nicht klar, ob sie bei in- oder ausländischen Händlern shoppen. Für 57 Prozent ist zwar der Preis entscheidend, 87 Prozent sagen aber auch, dass sie lieber bei österreichischen Händlern kaufen würden, wenn der Preis gleich ist.

Laut den Berechnungen des Handelsverbands gehen durch Käufe bei ausländischen Händlern rund vier Milliarden Euro Kaufkraft in Österreich verloren. Laut Geschäftsführer Will entspricht das mehr als 100.000 Jobs in Österreich, die somit jedes Jahr verloren gehen. Eine Verbesserung der Lohnnebenkosten sowie eine Aufhebung von Steuerbegünstigungen für ausländische Versandhändler sieht Will unter anderem als Lösung.

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