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Spar Österreich

Drexel für lebensdienliche Ökonomie


Kategorie: Handel
08.10.2019 von Dagmar Lang

Weil Politiker zu reiner Symbolpolitik neigen, handelt die Spar zumindest bei den Eigenmarken radikal prälegislativ.

Dr. Gerhard Drexel, Spar (Foto: Markus Wache)
Dr. Gerhard Drexel, Spar (Foto: Markus Wache)

Er habe keine „Breaking News“, denn der Termin sei vor Monaten fixiert worden, doch was Dr. Gerhard Drexel, Vorstandsvorsitzender der Spar Österreich AG, im „Klub für Wirtschaftspublizisten“ dann in den Raum stellte, wird dennoch für Gesprächs- und Zündstoff sorgen.  Da Politiker zu populistischer „Symbolpolitik“ neigen, wird die Spar verstärkt prälegislativ handeln, wenn es zu besorgniserregenden Entwicklungen kommt, denn die Spar fühlt sich als Anwalt der Konsumentinnen und Konsumenten und als Initiator für gesundheitspolitische Maßnahmen. Beispiel: Zucker – die Spar hat bei ihren Eigenmarken bereits 700 Tonnen Zucker eingespart, im nächsten Jahr sollen es dann 1000 Tonnen sein. Und zwar „ohne Zusatz von künstlichen Süßstoffen, die noch schädlicher als der Zucker sind“, wie Drexel anmerkt. Im Gegensatz dazu habe Großbritannien eine Zuckersteuer eingeführt, mit dem „Resultat, dass die Industrie den Zuckeranteil gesenkt und durch künstliche Süßstoffe ersetzt hat, womit sich die Konsumenten wieder nicht an den weniger süßen Geschmack gewöhnen“, kritisiert Drexel diese Form von Symbolpolitik.

In diese Kategorie falle auch der Vorstoß der ehemaligen Ministerin Elisabeth Köstinger, die im Wahlkampf gefordert hat, dass es für die Verwertung von im Handel übrig gebliebenen Lebensmitteln eine gesetzliche Verpflichtung geben müsse. Tatsache ist aber, dass in Österreich alle Handelsketten (nicht nur die Spar) ihre verwertbaren Lebensmittel einer sozialen Einrichtung zur Verfügung stellen. „Wenn das Gesetz kommt, gibt es für die gleiche gute Sache nur plötzlich irrsinnige Bürokratie“, kritisiert Drexel die Kurzsichtigkeit der Politiker.

Prälegislativ hat die Spar auch beim Palmöl reagiert: „99 Prozent unserer Eigenmarken – immerhin 5000 im Food-Sortiment – sind palmölfrei“, sagt Drexel, der als Auftraggeber die Rezeptur bestimmt. 40 Prozent betrage der Anteil der Eigenmarken derzeit. Ob dieser weiter erhöht werde, hänge auch von der Innovationsfreudigkeit der Markenartikelindustrie ab, die „so manchen Trend verschlafen habe.“ Denn in den vergangenen Jahren war die Spar der Trendsetter. „Ob Premium, Bio oder Spar wie früher, das ging alles von uns aus“, meint Drexel, der sich allerdings nicht als „politischer Zurufer von außen sieht.“

Aber die Spar werde verstärkt darauf achten, dass eine „lebensdienliche Ökonomie geschaffen werde“, denn das neue Erfolgsprinzip in der Wirtschaft sei „als Unternehmen Empathie für die Anforderungen der Gesellschaft zu entwickeln.“ Dazu gehöre vor allem, mehr für die Umwelt und gegen die Überhitzung der Erde zu tun, meint Drexel, der sich sehr darüber freut, dass die Jugend sich jetzt für diese Themen einsetze.

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