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EY-Studie Future Of Work Now in Österreich


Kategorie: Industrie, Handel, ecommerce, Studien
24.07.2018 von Martin Ross

Die Ernst-&-Young-Studie „Future Of Work Now“ zeigt, dass digitale Kompetenzen über die Zukunft des österreichischen Arbeitsmarkts entscheiden werden.

Gunther Reimoser, Country Managing Partner EY Österreich © EY
Gunther Reimoser, Country Managing Partner EY Österreich © EY

Die Digitalisierung schreitet voran, auch cash.at berichtet immer wieder darüber. Auch wenn der DES-Index (Digital Economy and Society Index) der Europäischen Kommission Österreich durchaus gute Platzierungen bescheinigt, gibt es bei der Nutzung digitaler Angebote sowie beim Zugang zu IT-Technologien Aufholbedarf, schreibt Ernst & Young (EY) in einer Aussendung. Der Zugang zu Breitband-Internet ist nach wie vor unter dem EU- und OECD-Schnitt. Die Investitionen in Technologien liegen in Österreich laut einer WIFO-Studie aus dem Jahr 2016 bei rund 100 Euro pro Kopf, in der Schweiz wird rund das Fünffache investiert.

Österreich steht nicht schlecht da

Diese Entwicklungen ziehen auch nachhaltige Umwälzungen auf dem österreichischen Arbeitsmarkt mit sich. Studien prognostizierten, so EY, dass rund zehn Prozent der Jobs automatisiert werden können und damit verloren gehen. Vor allem einfache Tätigkeiten können in Zukunft vermehrt durch Automatisierung erledigt werden, während die Zahl der hochqualifizierten Jobs steigt und diese nach neuen Ausbildungswegen verlangen. Bereits jetzt zeigt sich hier ein Wandel: Österreich bringt EU-weit jährlich die viertmeisten Absolventen in den sogenannten MINT-Fächern – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – hervor. Das steht in krassem Gegensatz zur hierzulande immer wieder vorgebrachten Klage, dass diese Fächer in der Ausbildung unterrepräsentiert seien. Wenn man Kompetenzen wie Lesen, Rechnen und „Probleme mit Hilfe von Computern lösen“ abprüft, erreichen in der Altersgruppe 25 bis 34 überdurchschnittlich viele Österreicher ein gutes Ergebnis (49,1 %, OECD-Schnitt 44,8 %; OECD-Studie PIAAC 2015). Diese Altersgruppe wird die Zukunft gestalten.

Diese Befunde zeigen: Der Arbeitsmarkt in Österreich ist im Wandel. Doch wie wirkt sich dieser Wandel konkret aus? Welche Branchen profitieren und wo ist mit Stellenabbau zu rechnen? Und wie ändert sich der Wirtschaftsstandort dadurch? Diesen Fragen geht eine Analyse von EY nach. Für die Prognose der Arbeitsplatzentwicklung hat man vier verschiedene Szenarien für die Entwicklung mehrerer Branchen bis 2030 entwickelt. Berücksichtigt wurden Faktoren wie der Anteil am Bruttoinlandsprodukt, das Pro-Kopf-Einkommen, Export sowie die Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen.

Vier Szenarien

Das sogenannte „Basisszenario“ geht von einer Fortführung des Status Quo ohne große Sprünge aus. In diesem Szenario würde technologischer Fortschritt im gleichen Tempo wie in den vergangenen 20 Jahren umgesetzt werden, das Wirtschaftswachstum bis 2030 würde durchschnittlich zwei Prozent betragen. Da die für dieses Wachstum verantwortlichen Unternehmen (IT, Finanz) hauptsächlich in Ballungsräumen angesiedelt sind, wird es einen Zuzug in die Städte geben.

Das Szenario „Regional Technology Hubs“ wird so beschrieben, dass Unternehmen sich in Clustern organisieren. Sie nutzen gemeinsam Synergien und bündeln ihre Talente-Pools. Der gleichzeitige Ausbau von digitalen Kompetenzen bei Arbeitnehmern soll dafür sorgen, dass es ausreichend ausgebildete Fachkräfte für viele hochqualifizierte Stellen geben wird.

Ein anderes Bild zeichnet das Szenario „Hyper Productivity“. Dieses geht von einer sehr ähnlichen Entwicklung wie „Regional Technology Hubs“ aus – mit einem großen Unterschied: Bei diesem Szenario steigen die digitalen Kompetenzen in Österreich schwächer. Das würde zu einer Verschärfung der Konkurrenz um qualifizierte Mitarbeiter führen, was in einem Anstieg der Löhne bei gleichzeitig geringem Beschäftigungswachstum resultiert.

Die stärksten Verschiebungen – vor allem in Richtung Beschäftigungswachstum – auf dem Arbeitsmarkt werden im Szenario „Dispersed Talent“ angenommen. Darin siedeln sich Unternehmen nicht wie in den beiden vorangegangenen Szenarien in Clustern an. Die digitalen Kompetenzen und damit die Anzahl der gut ausgebildeten Mitarbeiter steigen erheblich. Aufgrund des großen Pools an Fachkräften sind weniger Produktivitätssteigerungen durch Automatisierung notwendig. Voraussetzung dafür ist aber eine starke Weiterentwicklung des österreichischen Bildungssystems.

Summa summarum

Die Zukunft der Arbeit wird also Gewinner und Verlierer hervorbringen. Wichtig wird es sein, die Beschäftigten auf diese Entwicklung vorzubereiten und ihnen heute schon die Fertigkeiten mitzugeben, die sie in Zukunft brauchen werden, so Gunther Reimoser, Country Managing Partner EY Österreich: „Eines gilt für jeden Sektor in einer digitalisierten Arbeitswelt: Beschäftigte müssen sich auf lebenslanges Lernen einstellen und sich an wechselnde Aufgaben anpassen können. In Zukunft wird es wieder mehr auf menschliche Fähigkeiten ankommen: Empathie, die Fähigkeit zu inspirieren oder auch kulturelles Bewusstsein. In der künftigen Arbeitswelt gilt es, diese menschlichen Fähigkeiten mit denen von Maschinen zu kombinieren, um die besten Ergebnisse zu erzielen.“ Diese Worte Reimosers gelten im Grunde für jede Branche, nicht nur für IT und Finanz, die in der Untersuchung maßgebend waren. Ohne eine an Allgemeinbildung orientierte „Aus“-Bildung werden etwa die herausfordernden MINT-Skills nicht zu meistern sein. Vor allen dann nicht, wenn es anschließend darum geht, sie im Berufsleben anzuwenden.

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