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Felix Marx im CASH-Interview: Anonyme Analyse


Kategorie: Handel, Industrie, ecommerce
04.04.2019 von Karl Stiefel

Truata wertet Kundendaten aus, ohne die Privatsphäre zu verletzen. CEO Felix Marx gibt einen Einblick in DSGVO-konforme Datensätze, die Anonymität gewährleisteten und was „ethical Data“ ist.

Felix Marx, CEO von Truata, im Gespräch mit CASH.<br>© Truata
Felix Marx, CEO von Truata, im Gespräch mit CASH.
© Truata
Die Funktionsweise von Truata verbildlicht.<br>© Truata
Die Funktionsweise von Truata verbildlicht.
© Truata

CASH: Herr Marx, wie hat sich die Datenanalyse durch die DSGVO verändert?
Felix Marx: Es gab wesentliche Veränderungen. Viele Unternehmen haben erst in den vergangenen Monaten Geld investiert, um herauszufinden, welche Daten sie eigentlich noch verwenden können und dürfen. Sie haben ihre Content-Maschinen geändert und ihre Nutzungsbedingungen abermals angepasst. Das größte Problem ist, dass das Tagesgeschäft betreffend Analyse und Marketing nicht mehr so machbar sind wie bisher, da Datenaufbewarung nun einen spezifischen Zweck brauchen und ein Ablaufdatum haben. Hier kommt Truata ins Spiel – durch die Anonymisierung im Rahmen unserer Analyse, der sogenannten „Privacy by Design“, sind Daten nicht mehr zu ihrer Quelle zurückführbar. Somit wird die Privatsphäre garantiert und große Datenmengen können lange aufgehoben und flexibel angewendet werden.

Ein Teil des Firmenkonzepts ist auch deren Gesellschaftsform. Wie sieht die aus und wie greift sie mit dem Geschäftsmodell ineinander?
Truata ist in seiner Struktur ein „Trust“ Das heißt, Verwaltung, Assets und Profitabilität werden voneinander getrennt, um Unabhängigkeit zu garantieren. Das ist unter Datenanalyse-Unternehmen in dieser Art einzigartig. Wir sind Data Controller, das heißt, wir treffen Entscheidungen über die Verwendung der Daten und tragen das Risiko für die Gesetzeskonformität.

„Ethical Data“ ist auch ein zentraler Baustein des Firmenprinzips – was bedeutet das für die Kunden?
Wir haben einen „Code of Ethics“, den wir mit unseren Kunden teilen. Etwa dürfen die von uns gelieferten Daten nur für wirtschaftliche und nicht für politische Zwecke verwendet werden. Auch achten wir sehr darauf, dass die anonymisierten Daten nicht durch Zuführung weiterer Datensätze wieder entanonymisiert werden können. Kunden erhalten bei uns ausschließlich Zugriff auf die von ihnen zur Verfügung gestellten Kundendaten, wir betreiben kein Datenpooling und verkaufen auch keine Daten von Dritten. Um das zu gewährleisten überwacht unsere Organisational Control jeden Prozess.

Und wie garantieren Sie dabei die Anonymität der Daten?
Unsere „Geheimzutat“ sind die sogenannten „Differencial Privacy Tests“. Die sind State-of-the-Art-Technologie, die von IBM entwickelt wurde. Durch das Abgleichen von Daten testen wir so, ob sie sich wieder zur Quelle zurückverfolgen lassen. Das machen wir nicht nur bei unserer internen Kontrolle, sondern auch, wenn Kunden auf die Daten zugreifen.

Sie sprechen bereits den Zugriff auf die ausgewerteten Kundendaten an. Wie werden diese Ihren Klienten zur Verfügung gestellt?
Entweder erhalten unsere Kunden fertige Reports oder Model Codes, die mit vorhandenen Analyse-Tools verwendet werden können. Auch der Zugriff über unsere Internet-Schnittstelle ist möglich. Egal, wie die Auslieferung der Ergebnisse erfolgt, die Kunden haben stets nur Zugriff auf die kumulierten Daten, aber nicht auf die zugrundeliegenden Datensets. Die bleiben bei uns.

Aoife Sexton besetzt bei Ihnen den Posten der „Chief Privacy Officer“, welche Rolle nimmt sie im Unternehmen ein?
Eine Schlüsselrolle. Sie, als Juristin, überblickt unsere Prozesse und liefert die wichtige Definition, wann etwas DSGVO-konform ist und ab wann die verlangte Anonymisierung gegeben ist. Wir beide sind sehr froh, dass wir die Bereiche der Datenanalyse und des Datenschutzes zusammenführen können.

Was meinen Sie, wie sich die Privatsphären-Politik in Zukunft ändern wird?
Datenschutz wird als grundlegendes Bürgerrecht bleiben – nicht nur in Europa. Wir sehen ähnliche Entwicklungen auf der ganzen Welt, die EU ist jedoch Vorreiter. Wird Datenschutz überall gleich aussehen? Nein, schließlich gibt es kulturelle und gesetzliche Unterschiede. Auf jeden Fall zu erwarten ist eine Weiterentwicklung des Datenschutzes mit der Technologie, denn bei Feldern wie Machine Learning oder künstlicher Intelligenz werden große Datenmengen immer wichtiger und hier dürfen Persönlichkeitsrechte nicht auf der Strecke bleiben.

Herr Marx, wir danken für den Einblick in die anonyme Datenanalyse.

Truata Factbox

Gründung: 15. März 2018, Mitgegründet von Mastercard und IBM

Standort: Zentrale in Dublin, zukünftig internationale Vor-Ort-Betreuung von Kunden geplant.

Mitarbeiter: 40, hauptsächlich Datenanalysten und Software-Ingineure, bis Ende des Jahres soll auf 75 bis 80 Mitarbeiter aufgestockt werden.

Kunden: Mastercard war der erste Kunde, aktuell laufen konkrete Gespräche mit einem Dutzend Neukunden, über 70 Firmen – allesamt Großkunden – haben bereits Interesse angemeldet.

Rechenpower: Die von Truata verarbeiteten Datensätze überschreiten die Petabyte-Grenze (1.000 Terrabyte).

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