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GS1 Austria

Interview Gregor Herzog: Wir sind die Datendrehscheibe


Kategorie: Handel, Industrie
08.05.2019 von Willy Zwerger

Das tagtägliche Arbeitspensum von GS1 Austria fußt auf drei markanten ­Säulen. CASH sprach mit Geschäftsführer Mag. Gregor Herzog über ­Bewegungs-, Stamm- und Rückverfolgbarkeitsdaten.

Foto: Johannes Brunnbauer
Foto: Johannes Brunnbauer
Foto: Johannes Brunnbauer
Foto: Johannes Brunnbauer

CASH: Herr Herzog, der elektronische Datentransfer zwischen Handel und Industrie ist nicht nur enorm umfangreich, sondern auch ein überaus wichtiger Faktor im täglichen Miteinander. Welche sind die diesbezüglichen Kerntätigkeiten von GS1 Austria?
Gregor Herzog: Grundsätzlich ist es so, dass wir mit Fug und Recht sagen können, die größte Datendrehscheibe der Konsumgüterindustrie zu sein. Wobei unsere Arbeitsmodelle auf drei Säulen fußen: Säule 1 sind die Bewegungsdaten. So werden zum Beispiel über unsere Tochterfirma Editel rund 300 Millionen Daten im Jahr transferiert, davon entfallen alleine auf Rewe und Spar je  30 Millionen. Darüber hinaus sind wir der größte Lieferant von vollelektronischen Rechnungen an den Bund.

Bleiben wir kurz beim Datentransfer zwischen Industrie und Handel. Wie viele Kunden seitens der Industrie beziehungsweise des Handels nutzen ihre Plattform?
Momentan sind es europaweit rund 15.000 Kunden aus der Industrie und einige hundert seitens des Handels. Und natürlich viele  Logistiker. Wobei ganz klar ersichtlich ist, dass der Infobedarf vor allem dort am größten ist, wo jede einzelne Filiale angefahren werden muss. Bei reinen Lieferungen in ein Zentrallager ist der Datentransfer naturgemäß geringer.

Einige Handelsketten sind ja bei bestimmten Produktgruppen dazu übergegangen die Bestellhoheit aus der Hand zu geben und die Industrie direkt damit zu beauftragen. Wie funktioniert das?
Beim Vendor Managed Inventory - VMI - bestellt die Industrie bedarfsgenau  eigenständig – was natürlich eine extrem hohe Kommunikationsfrequenz bedingt. Das bedeutet, dass der Handel seine spezifischen Daten permanent an die Industrie liefern muss, sodass diese eine optimale Regalbestückung gewährleisten kann.

Wie sieht’s diesbezüglich bei Aktionen aus? Das gehört ja auch miteinander koordiniert …
Auch dafür gibt es ein profundes Marketing-Tool: CPFR - Collaborative Planning, Forecasting und Replenishment, quasi eine Weiterentwicklung von ECR. Hier werden sämtliche Informationen entlang der Wertschöpfungskette von allen Beteiligten zusammengeführt und den  Partnern zur Verfügung gestellt. Was vor allem bei Flugblattaktionen Sinn macht, da hier sowohl die Gefahr der Überlieferung, aber auch jene von Out-of-stock-Situationen permanent evident sind.

Die zweite Säule?
Hierbei geht es um Stammdaten und aktuell um deren Digitalisierung. 90 Prozent sind bereits digitalisiert, wobei dieser Vorgang der so ziemlich einfachste ist: Die Industrie liefert ihre Daten an GS1 Sync und der Handel bedient sich daraus und natürlich auch die Gastronomie. Der Vorteil für den Endkonsumenten wird im Übrigen auch durch unterschiedliche Apps zusätzlich vervielfacht. So können sich blinde Konsumenten die Inhaltsstoffe eines Produkts vorlesen lassen, kann man via App Rezepte rund um das gewünschte Produkt anfordern, gibt es spezielle Hinweise für Diabetiker.

Das heißt, den altbekannten Artikelpass gibt es nicht mehr?
Der ist ein Auslaufmodell. Federführend sind  dabei die Rewe und Markant. Ähnliches gilt für Bilder, wo wir mit GS1 Sync eine zentrale Drehscheibe für Produktabbildungen haben. In der Praxis hapert‘s oft an der Auflösung,  der Ansicht,  der generellen Bildqualität . Wir arbeiten mit standardisierten Qualitätsvorgaben, bei denen alles in einer ECR Arbeitsgruppe exakt definiert wurde. Einige Industriebetriebe stellen bereits ihre Bilddaten über GS1 Sync zur Verfügung, die der Handel auch abholt. Unser Tool GS1 Sync hilft da auch, dass die Fotos immer am aktuellsten Stand sind. Denn die Sortimentsmanager des Handels müssen jederzeit darauf zugreifen können.

Wäre dann noch die 3. Säule …?
Genau, die Rückverfolgbarkeitsdaten. Was momentan  mithilfe von 13 Fleischproduzenten gestartet wurde. GS1 Trace heisst das Service, damit kann man nicht nur jedes Fleischteil bis zum Bauern zurückverfolgen, sondern auch wer hat was, wann, wo und wie mit einem Produkt gemacht? Also volle Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette „from farm to fork“.

Gilt das auch für verarbeitetes Fleisch, also für Wurst usw.?
Im Prinzip ja, allerdings zeigt die Marktforschung, dass dem Konsumenten die Herkunft des Koteletts wichtiger ist als das was auf der TK-Salamipizza drauf ist. Im Fokus stehen daher eher Einzelteile der Tiere, wie Schnitzel oder Steak.

Wird es in absehbarer Zeit weitere Warengruppen betreffen?
Rückverfolgbar ist bereits österreichischer Wein  aufgrund des Weingesetzes, Alkoholika sind ein EU-weites Thema, verschreibungspflichtige Medikamente werden bereits rückverfolgt und Tabak folgt demnächst.

Herr Herzog, vielen Dank für das Gespräch.

Gregor Herzog im Wordrap
Kaffee oder Tee? Tee
Wein oder Bier? Wein
Schnitzel oder Steak? Fisch
Hund oder Katze? Hund
Fernsehen oder Buch? Beides
Theater oder Konzert? Konzert
Meer oder Berge? Berge mit Meer
Lebensmotto: Wenn alle Stricke reißen, häng ich mich auf.

 

 

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