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Young Business Factory 2018

Jubiläum, was nun?


Kategorie: Handel, Industrie
26.06.2018 von Manuel Stenger

Diese Frage stellte die 19. Young Business Factory im Seminar- & Eventhotel Krainerhütte am 20. und 21. Juni. Neben Vorträgen von erfahrenen Branchenkennern mussten die Nachwuchsführungskräfte Konzepte für eine gelungene Jubiläums-Kampagne entwerfen.


Die Young Business Factory brachte auch 2018 wieder junge Führungskräfte aus Handel und Industrie für zwei Tage zusammen, dieses Mal im Seminar- & Eventhotel Krainerhütte. Der 20. und 21. Juni stand daher ganz im Zeichen von Vorträgen erfahrener Manager und dem gleichzeitigen Kennenlernen von Nachwuchstalenten – Einblicke der Veranstaltung können Sie in unserer Fotonachlese gewinnen. „Durch die Veranstaltung erhält man die Gelegenheit, sich untereinander zu vernetzen und Kontakte für die Zukunft zu knüpfen“, wie es Manstein Verlag Geschäftsführerin und CASH Herausgeberin Dagmar Lang bei ihrer Eröffnungsrede ausdrückte.

Händler wie Billa, Hofer oder Lidl feiern derzeit runde Geburtstage, dementsprechend lautete auch der Titel der 19. Young Business Factory: „Jubiläum, was nun? Wie man eine Kampagne richtig aufzieht – und wie nicht!“. Wie inszeniert man also eine gute Jubiläumskampagne? Dietrich Henrich, Geschäftsführer Verband der Regionalmedien Österreich, forderte in seinem Eröffnungsdialog eine gewisse Balance zwischen dem Blick in die Vergangenheit und jenem in die Zukunft. Das Jubiläum sollte einen Nutzen für alle Beteiligten bringen.

Lässige Message gefragt
Die NÖM feierte erst vor Kurzem ihr 120-jähriges-Jubiläum mit der „NÖM-Milchstraße 2018“ in Baden. Zum Abschluss des ersten Tages sprach daher CASH Chefredakteurin Silvia Meißl mit Vorstand Marketing & Verkauf Alfred Berger über die perfekte Jubiläumsfeier. „Wir wollten mit dem Event die Gesichter hinter dem Unternehmen zeigen“, so Berger. Bei den verschiedenen Veranstaltungspunkten gab es zudem zahlreiche Kontaktpunkte. „Dabei ist eines ganz klar“, erklärte Berger, „weniger ist ganz klar mehr. Die Message steht im Mittelpunkt: Nämlich zu feiern und etwas dem Kunden zurückzugeben – und zwar auf eine coole und lässige Art.“ Als aktuelle Herausforderungen sieht Berger die steigende Überregulierung, etwa wenn es um die Deklaration auf den Produkten geht: „Wie soll ich hier alle Informationen zu den Inhaltsstoffen auf einen Joghurtbecher bekommen“, fragte er in die Runde. Zudem spürt man alternative Milchprodukte – vor allem platzmäßig im Regal, da, so Berger, „die Produkte im Vergleich zu ihrem Umsatz überrepräsentiert sind“. Der Anstieg von Angeboten regionaler Lebensmittel hat laut dem NÖM-Vorstand dafür zu großen, logistischen Leistungen geführt. So etwa bei Avocados, die frisch oder vorgereift jeweils einen anderen Transport benötigen.

Zum Ausklang des zweiten Tages gab es ein spannendes Quiz mit sechs Gruppen, bestehend aus den Teilnehmern der Veranstaltung. Anschließend konnte man sich bei einem Glas Wein über die Branche austauschen oder die WM-Partie Iran gegen Spanien auf der Großbildleinwand mitverfolgen.

Mars: Mitarbeiter im Mittelpunkt
In den zweiten Tag startete die Young Business Factory mit dem Vortrag „Wo der Groschen fällt, wenn die Branche feiert“ von Andreas Nentwich. Der Customer Director darf mit Mars auf mehr als 50 Jahre der Marke zurückblicken – 2016 feierte man den 50. Geburtstag. Ein Jubiläum, „bei dem alle Mitarbeiter im Mittelpunkt standen“, so Nentwich. Bei Mars ist bereits die vierte Generation der Familie am Ruder. Nentwich: „Wir setzen auf eine Mischung aus Feiern, einer Reflexion der Unternehmensgeschichte und wagen gleichzeitig einen Blick in die Zukunft.“ Mitarbeiter wurden anlässlich des Jubiläums gefragt, was sie im Unternehmen geprägt hat, denn, so Nentwich: „Der Wissenstransfer über einzelne Generationen hinweg ist uns wichtig.“ Zudem hat man mit der Initiative „People for the Planet“ die Ideen junger Leute aufgegriffen. Insgesamt wurden 25.000 Euro für die Förderung gemeinnütziger Projekte zur Verfügung gestellt. Die Sieger wurden bei der 50 Jahr Feier mit dem Titel „Making a difference“ geehrt.

Gegenseitige Sympathie statt Narzissmus
Am Vormittag kam weiters Ines, Schurin, Leitung Unternehmenskommunikation und Unternehmenssprecherin von Rewe International, zu Wort. „Wie Kommunikation am Marktplatz der Interessen gelingt“, so ihr Vortragstitel. Schurin stieg mit einem Beispiel aus dem Privatleben ein: „Wenn man einen Menschen kennenlernt und dieser ausschließlich über sich selbst redet, mag man diesem nicht lange zuhören. Entdeckt man aber gemeinsame Interessen, ensteht gegenseitige Sympathie.“ Diesem Beispiel muss man auch im Zuge der Unternehmenskommunikation folgen. Nach Schurin möchte erstens niemand wissen, was man über sich selbst denkt. Und zweitens haben wir in der Folge keine Kontrolle darüber, was unser Gegenüber aus diesen Informationen letztendlich macht: „Wir können das nicht kontrollieren. Aber wir können unsere Botschaften clever gestalten und Geschichten erzählen, mit denen der Kunde etwas anfangen kann.“ Vertrauen und Glaubwürdigkeit gelten laut Schurin als „Währung für Unternehmen“.

Mit „Du bist Zucker“ fährt Billa – erstmals gemeinsam mit Merkur Markt und Adeg – eine Kampagne für den verantwortungsvollen Umgang mit Zucker durch. „Wir wollen den Kunden mitnehmen und nicht den Zeigefinger erheben“, so Schurin. „Mit Spaß und Freude.“ Um dies zu vermitteln, haben zum Beispiel Mitarbeiter von Merkur Markt am Hohen Markt einen Flashmob mit T-Shirts zur Kampagne veranstaltet. Rewe greift das Thema Zucker nicht als erstes Unternehmen auf. Schurin dazu: „Das ist aber auch egal, denn es gibt zu dem Thema unterschiedliche Zugänge. Die Entscheidung liegt beim Kunden.“

Die Kunden zahlen das Gehalt
Henkel hat im vergangenen Jahr 110 Jahre Persil gefeiert. Für Georg Grassl, General Manager Laundry & Home Care Österreich bei Henkel CEE, heißt ein Jubiläum, „Vision, Werte und Ziel des Unternehmens zu definieren. Man braucht hier eine gute Kampagne für den langfristigen Erfolg.“ Zum Geburtstag gab es eine 100+10 Prozent Packung. Laut Grassl ist diese Aktion leider ein bisschen untergegangen: „Gefragt sind heute disruptive Ideen, die aus einer alten eine neue Marke machen. Vielleicht hätten wir zum Jubiläum das Geld in eine bessere Rezeptur des Produkts stecken sollen.“ Für Grassl ist Henkel ein Familienunternehmen, das daran interessiert ist, sich langfristig weiterzuentwickeln. Und: „Am Ende des Tages zahlen die Kunden unser Gehalt. Daher müssen wir diese stets in den Vordergrund stellen, um ein gutes finanzielles Ergebnis zu erreichen.“

Der letzte Vortrag am zweiten Tag der Young Business Factory kam von Gerhard Fritsch, Leiter Konzernales Marketing, Spar Österreich. Warum feiern wir überhaupt Jubiläen? Laut Fritsch gibt es dafür drei psychologische Gründe: Erstens feiern Menschen gerne; feiern bedeutet in diesem Sinn einen Ausbrauch aus dem Alltag. Zweitens mögen wir es, zu spielen und zu gewinnen. Zuletzt lockt ein Jubiläum oftmals mit guten Angeboten – hier wird der Jagdtrieb des Menschen befriedigt, in diesem Fall nach dem besten Preis. So kann man Stammkunden binden, denn Geschenke erhalten die Freundschaft. Bei Spar durfte man zehn Jahre S-Budget feiern. Kunden erhalten im Zuge der Kampagne für jedes gekaufte S-Budget-Produkt ein sogenanntes Super-Los, mit dem Reisen und neue Volkswagen als Hauptgewinne winken.

Kreative Ideen gefragt
Abgerundet wurde die 19. Young Business Factory mit einem abschließenden Workshop. Sechs Gruppen mussten mit kreativen Jubiläums-Kampagnen um die Gunst der Live-Jury kämpfen, in der neben den Vortragenden Andreas Nentwich, Ines Schurin, Georg Grassl und Gerhard Fritsch noch Sigrid Göttlich, Commercial Director Austria, The Nielsen Company, saß und die letztendlich den Sieger kürte: Gruppe 3 konnte sich mit 49 von 50 möglichen Punkten knapp durchsetzen und überzeugte mit ihrer Jubiläumskampagne zum Susi Bio Almjoghurt, das klassisch im Glas präsentiert wurde. Ziel war es, den Konsument durch den Tag zu begleiten und die Verpackung nach dem Genuss weiter zu verwenden – etwa um Kresse im Glas anzubauen oder darin ein Teelicht zu platzieren. Fotos zu seinen Erlebnissen kann der Kunde auf Social Media Kanälen teilen.

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