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FH Campus Wien

Manfred Tacker im Interview: Blumentöpfe sind nicht die Lösung


Kategorie: Handel, Industrie
04.06.2019 von Willy Zwerger

Der Fachbereich Verpackungs- und Ressourcenmanagement am FH Campus Wien ist nicht nur wissenschaftlicher Vorreiter in Sachen Verpackungsstrategien, sondern auch Praxispartner vieler Produzenten und Vorreiter in Sachen Circular Analytics. CASH bat Studiengangsleiter Univ.-Doz. Mag. Dr. Manfred Tacker zum Interview.

Foto: Johannes Brunnbauer
Foto: Johannes Brunnbauer

CASH: Herr Tacker, das Betätigungsfeld Ihres Instituts ist ein auffällig vielfältiges. Können Sie in kurzen Worten umreißen, womit Sie sich beschäftigen?
Manfred Tacker:
Nun, zum einen decken wir hier am Campus Wien die Bereiche Lehre und Forschung ab, pflegen eine Reihe von Industriekooperationen und sind auch im Bereich Business Consulting tätig. Zum anderen ist hier bei uns im Haus auch die World Packaging Organisation angesiedelt, die immerhin 60 Institute weltweit unterhält und u.a. die begehrten World Stars verleiht.

Wenn man hier mit dem Studium fertig ist, darf man sich wie nennen? Und wieviele Absolventen pro Jahr gibt es?
Unsere Absolventen heißen im ersten Schritt Bachelor Verpackungstechnologie und rund 30 davon werden jährlich fertig. Den Master of Packaging Technology & Sustainability – ganz bewusst in Englisch gehalten – schaffen in etwa 25 pro Jahr.

Wie schaut deren Jobaussicht aus?
Es gibt viel zu wenig Absolventen für die immer größer werdende Nachfrage seitens der Verpackungsindustrie, der Lebensmittelproduzenten oder des Lebensmittelhandels. Dringend gebraucht werden unsere Absolventen in praktisch allen Bereichen, wo Verpackung eine Rolle spielt. Also in der Verpackungsentwicklung genauso wie in der Produktion, im Einkauf, im Verkauf oder in der Qualitätssicherung. Mittlerweile reißen sich auch sehr viele Behörden um unsere Absolventen, wobei auch immer mehr als Consulter einen gut dotierten Job finden.

Gibt es da so etwas wie eine Warteliste?
Die Unternehmen klicken sich schon im Frühstadium unseres Lehrgangs ein und werben zu dieser Zeit bereits die Studenten ab. Und diese können sich ihren zukünftigen Arbeitgeber in aller Ruhe aussuchen.

Warum boomt gerade dieser Berufszweig so?
Weil es eine kongeniale Symbiose aus Forschung und Lehre ist, und weil sich auf dem Gebiet der Verpackung derzeit unheimlich viel tut. Nicht zuletzt auch aufgrund der ganzen Plastikdiskussionen sowie der EU-Verordnungen in Sachen zu erreichender Recyclingziele. Auch der ziemlich komplexe Themenbereich Lebensmittelverderb und dessen Verhinderung ist eine unendlich spannende Entwicklung.

Was ist also Ihre Meinung zum rigorosen Kreislaufwirtschaftspaket der EU?
Es wird all unsere Systeme obsolet machen und einen totalen Umbau verursachen. Bis 2025 einen 50%igen Recyclinganteil bei Kunststoffen zu erreichen, wird eine echte Herausforderung, wobei wir es in Österreich noch relativ einfach haben mit unseren momentan 33 Prozent. Spannend wird es für jene Staaten in der EU, die davon noch meilenweit entfernt sind.

Aber Österreichs Handelsketten sind da ohnehin bereits Vorreiter, oder?
Der LEH ist vorgeprescht, einige Akteure möchte dieses Ziel bereits 2020 erreichen, was wiederum die Lebensmittelproduzenten ziemlich unter Druck setzt. Das ist auch der Grund, warum wir eine Circular Packaging Design Guideline verfasst haben, die die Zusammenarbeit zwischen Lebensmittelproduzenten, Verpackungserzeugern, dem LEH und allen namhaften Entsorgern erleichtern soll. Wir sind auch gerade dabei, diese Guideline zu internationalisieren, weil eben viele Länder den momentanen Standards hinterherhinken.

Was geschieht konkret auch in Ihren Forschungslabors?
Wir entwickeln Kriterien zur Bewertung der Nachhaltigkeit von Verpackungen – dabei müssen wir die Umweltauswirkungen der Verpackung mit dem Produktschutz und der Rezyklierbarkeit verknüpfen. Ziel ist es, Verpackungen zu entwickeln, die möglichst allen Kriterien entsprechen und zwar in möglichst vielen Ländern. Nachhaltigkeitsministerin Elisabeth Köstinger möchte zu all den EU-Vorgaben noch zusätzlich eine 20%ige Reduktion der Kunststoffverpackungen durchsetzen. Daher sind wir auch auf der dringenden Suche nach Alternativpackstoffen, was jedoch nur Sinn macht, wenn diese auch wirklich ökologisch bessere Werte zeigen.

Was wiederum von der Funktion abhängt ...
Richtig, das ist der springende Punkt. Weil Verpackung hat ja mehrere Funktionen zu erfüllen, vor allem in Sachen Schutz und Hygiene. Und beides darf in keinem Fall schlechter werden.

Präferieren sie bzw. präferiert Ihr Institut nach gewissenhaften Ökologiechecks einen oder mehre Packstoffe?
Nein, weil man da praktisch jedes Produkt für sich analysieren muss. Praktisch jeder Packstoff hat Vor- und Nachteile. Es kommt aber immer darauf an, wofür er verwendet wird.

Abschließend noch ein Wort zum Kunststoff-Recycling. Wir werden im Jahr 2025 rund 10 Millionen Tonnen Kunststoff-Recyclat zu verarbeiten haben. Was soll bzw. wird damit geschehen?
Eines ist klar, Blumentröge sind nicht die Lösung. Denn der angestrebte 360-Grad-Kreislauf ist nur dann gegeben, wenn nach dem Rezyklieren wieder genau dasselbe Produkt entsteht wie vorher. Das ist derzeit leider nur bei PET möglich.

Herr Tacker, vielen Dank für das Gespräch.

Manfred Tacker im Wordrap
Kaffee oder Tee? Tee
Wein oder Bier? Wein
Schnitzel oder Steak? Weder noch, weil Vegetarier.
Hund oder Katze? Katze
Fernsehen oder Buch? Buch
Theater oder Konzert? Theater
Meer oder Berge? Berge
Lebensmotto: Alles mit Ruhe.

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