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Rewe Group/ Puls 4

Markus Kuntke & Michael Stix im exklusiven CASH-Interview: Fahrkarte für Querdenker


Kategorie: Handel
30.11.2018 von Nataša Nikolić

Diese erhalten in der Puls 4-Start-up-Show „2 Minuten 2 Millionen“ Jung­unternehmen mit innovativen Produkten oder Lösungen. Einige davon sicherten sich letztes Jahr Bipa-Listungen. Ab der 6. Staffel machen auch Merkur und Billa mit. Was das für die Start-ups bedeutet, verraten Markus Kuntke, Leiter Trend- und Innovationsmanagement bei Rewe International, und ProSiebenSat.1Puls4-Geschäftsführer Michael Stix im CASH-Interview.


CASH: Herr Kuntke, Herr Stix, Sie arbeiten bereits seit der letzten Staffel von „2 Minuten 2 Millionen“ zusammen – bislang nur mit Bipa und weiten nun Ihre Partnerschaft aus. Was war dafür ausschlaggebend?
Michael Stix: Die bisherige Partnerschaft zwischen unserer Puls 4-Start-up-Show „2 Minuten 2 Millionen“ und der Rewe Group war ein großer Erfolg, den wir unbedingt weiter ausbauen wollten. Ab der nächsten Staffel sind auch Merkur und Billa mit dabei. Es freut mich sehr, dass Markus Kuntke proaktiv auf uns zugekommen ist und diese erfolgreiche Fortsetzung unserer Partnerschaft möglich gemacht hat. Die Rewe-Integration ist ein riesiger Vorteil, sowohl für den Zuseher – weil direkt ersichtlich ist, wo es die Produkte stationär zu kaufen gibt – als auch für Start-ups, die innerhalb von kurzer Zeit Cash, TV-Werbung und stationäre Listungen erhalten können.
Markus Kuntke: Seit dem letzten Jahr greifen wir in der Abteilung Innovationsmanagement bei der Rewe Group in Österreich Jungunternehmen unter die Arme. Wir öffnen ihnen die Türen und bieten ihnen die Möglichkeit zu testen, ob ihre Produkte von Kunden gekauft werden. Dadurch, dass wir uns wie erwähnt am Marketing beteiligen, kommen diese Unternehmen auch mit weniger hohen Investments aus. Ich darf ab der nächsten Staffel Start-up-Tickets für Merkur, Billa und Bipa vergeben. Erfolgsversprechenden Start-ups bieten wir zudem ein Coaching an, bei dem wir sie fit für den Handel machen. Und – sofern umsetzbar – gibt es Plätze in den Regalen und unseren Flugblättern sowie Unterstützung im Marketing.

Erlassen Sie ihnen die kompletten Listungsgebühren?
Kuntke: Genau, die Listungsgebühr entfällt, weil es uns wichtig ist, mit den Start-ups gemeinsam etwas zu erreichen und mit ihnen zu wachsen. Der Grundgedanke dahinter: Wenn die Start-ups in die Show kommen und sich die Investition von einem der Investoren für ihre Produkte holen, ist die nächste große Herausforderung, dass sie dann wiederum Geld brauchen, damit sie Listungen erreichen.

Machen alle Merkur und Billa-Filialen mit, sofern die Unternehmen die erforderlichen Mengen liefern können?
Kuntke: Die Produkte werden in einem Start-up-Regal in einigen ausgewählten Billa-Filialen und allen Merkur-Märkten platziert sein. Wir werden auch den Onlineshop nutzen. Die Start-ups sind, wenn sie sich bei „2 Minuten 2 Millionen“ bewerben, oftmals in einer Frühphase. Das heißt, sie sind häufig nicht in der Lage, unser komplettes Filialnetz zu bedienen. Wir möchten daher realistische Begebenheiten schaffen und sie nicht gleich zu Beginn überfordern. Wenn es gut läuft, kann man es immer noch ausdehnen.

Ich nehme an, Sie machen dann auch exklusive Vereinbarungen mit den Start-ups? Oder können auch andere Händler mitmachen?
Stix: Mit so einem großen Partner ist die Exklusivität ein wichtiges Thema. Wir schränken die Start-ups aber in ihrer Entscheidungsfindung nicht ein. Das ist oft das Vorurteil aus anderen TV-Shows. Wenn Rewe und das Start-up eine Partnerschaft eingehen, heißt es nicht, dass das Unternehmen nichts darüber hinaus machen kann. In Exklusivitäten zu denken, ist sowieso falsch in der heutigen Zeit. Das wichtige ist, einen Magic Mix zu finden und die richtigen Leute miteinander zu verbinden. Partnerschaften sind der entscheidende Hebel zum Erfolg.
Kuntke: Es geht uns nicht darum, dass nur wir einen Benefit haben. Wir möchten, dass die jungen Unternehmen auch weiterwachsen und Profit generieren. Ansonsten wäre unsere Attraktivität bei den Start-ups zerstört.

Wie viel Zeit brauchen Sie, um ein Produkt zu listen, das das Start-up-Ticket bekommen hat und wie viel Zeit bekommt es dann im Regal, um sich zu beweisen?
Kuntke:
Wir sind relativ flexibel in der Lage, den Regalplatz zur Verfügung zu stellen und brauchen etwa drei bis fünf Tage um eine neue Listung umzusetzen. Es gibt sicher Produkte, die etwas mehr Zeit brauchen, um sich zu beweisen. Ein realistischer Zeitraum sind drei bis sechs Monate, denn dann sind auch saisonale Schwankungen miteinberechnet.

Und gibt es Ambitionen, einige dieser Produkte als Eigenmarke zu produzieren?
Kuntke
: Das ist manchmal durchaus ein sinnvoller Weg, der sich für manche Produkte mehr eignet als für andere. Unser Ziel ist es aber nicht, mit der Show möglichst viele Eigenmarken zu bekommen und diese zu pushen. Es hängt von der Zielsetzung des Start-ups ab. Wenn es den Gründern wichtig ist, dass ihr Name auf dem Produkt im Regal steht, dann gehen wir diesen Weg mit, wenn wir daran glauben. Viele Start-ups unterschätzen aber die Kosten fürs Marketing und den Produktnamensaufbau, die bei Eigenmarken wegfallen würden. In der vergangenen Staffel wollten einige rund 50.000 Euro fürs Marketing. Das ist falsche Bescheidenheit, damit kommt man keinen Millimeter weiter. Wir arbeiten gemeinsam mit den Unternehmen und zwingen ihnen nichts auf, das sie nicht möchten. Das ist uns enorm wichtig. Wir arbeiten mittlerweile mit 60 Jungunternehmen zusammen und wenn es nicht so wäre, wie ich behaupte, hätte sich das in der gut vernetzten Start-up-Szene schon herumgesprochen.

Welche Voraussetzungen müssen denn zu Showbeginn erfüllt sein? Muss das Produkt bei Ausstrahlung fertig produziert und lieferbar sein?
Kuntke:
Wenn sich bei einem Produkt fürs Erste nur 20 Läden ausgehen, dann ist das für uns auch in Ordnung. Wir müssen die Produkte nicht zur Show rausbringen, wenn es nicht geht. Wir können es genauso ein halbes Jahr später listen, dann entfällt aber dieser Hype, der durch die Sendung ausgelöst wird. Der größere Nachteil liegt hier ja beim Start-up.
Stix: Das Ganze nennt sich das Phänomen des Second Screen: Die Leute sind bereits während der Puls 4-Show am Handy und googeln die Produkte. Und obwohl wir die Start-up vorwarnen, erleben wir laufend, dass die Homepages oder Onlineshops zusammenbrechen, weil so viele Menschen zeitgleich darauf zugreifen. Das gesamte Team hinter „2 Minuten 2 Millionen“ versucht, es möglich zu machen, dass die Produkte zeitgleich zur Ausstrahlung sofort gekauft werden können.

Herr Kuntke, fällt Ihnen spontan ein Paradebeispiel für ein erfolgreiches Start-up aus „2 Minuten 2 Millionen“ bei Bipa, ein?
Kuntke
: Mein Herzens-Start-up ist Meine Wollke. Das ist eine in Österreich nachhaltig produzierte Damenbinde, die dieses Jahr unser Bipa-Start-up- Ticket bekommen hat. Das Produkt war nach dem Auftritt in der Show innerhalb von sieben Minuten im Bipa-Onlineshop ausverkauft. Die Nachfrage hat selbst uns überrascht. Ich arbeite derzeit daran, ihnen den Weg in den Handel in Deutschland und Kroatien zu ermöglichen.

Das heißt, die ganze Rewe Group steht hinter der Idee?
Kuntke
: Genau, das ist unser Angebot an die Jungunternehmen: Performt bei uns gut und wir bieten euch die Fahrkarte für andere Märkte.
Stix: Das ist der Vorteil von Österreich. Wir sind genau 1:10 zu Deutschland und sind daher ein guter Testmarkt. Was bei uns funktioniert, kann man raufskalieren auf andere Länder. Für die Start-ups ist der Einstieg der Rewe ein großer Wettbewerbsvorteil, den sie zusätzlich zu den Investitionen der Investoren und unserer Media-Power dazugewinnen. Jedes Jahr haben wir Hunderte Bewerbungen für unsere Start-up-Show, die übrigens die erste im deutschsprachigen Raum war. Für die kommende Staffel konnten wir die Anzahl der Bewerbungen sogar um 40 Prozent steigern.

Wer trifft die Vorauswahl aus diesen Bewerbungen?
Stix: Unsere Unterhaltungsabteilung – 4Entertainment – hat über die letzten sieben Jahre ein sehr komplexes und hochwertiges Bewertungs- und Castingsystem aufgebaut, das sicherstellt, dass sich die attraktivsten Start-ups für unsere Seher und unsere Partner in der TV-Show wiederfinden. Wir treffen über unsere Entertainment Redaktion – punktuell verstärkt mit Branchenexperten – eine Vorauswahl, von der wir glauben, dass sie für die Investoren und Partner interessant sein könnte. Das ist ein Prozess der das ganze Jahr über läuft. Es kommt auch vor, dass wir uns ein Start-up abseits der Show ansehen und mit anderen Unternehmen und Investoren verbinden. Manche Lösungen und Ideen sind sehr gut, aber zu spezifisch für die Show, die sich an die breite Masse richtet. Wir sind als Medienunternehmen naturgemäß sehr gut vernetzt und können entsprechend weiterhelfen.
Kuntke: Hier gibt es auch ein schönes Beispiel: Im letzten Jahr trat die Firma Go-Urban in der Show auf, die sich mit der Vermietung von Elektro-Scootern beschäftigt. Ich habe nach der Show mit ihnen gesprochen, obwohl sie nicht zum Geschäftsmodell von Bipa passen. Wir haben dieses Jahr einen Test gemacht und lassen unsere Außendienstler von Billa statt mit dem Firmenwagen, mit Elektro-Scootern in der Innenstadt fahren, um Parkzeit zu sparen.

Aus welchen Bereichen kommen die meisten Bewerbungen?
Stix
: Das werden wir oft gefragt, es lässt sich aber kein Trend abzeichnen. Die Bewerber kommen aus den unterschiedlichsten Branchen und ihre Produkte und Lösungen sind dementsprechend vielfältig, da es auch keine Einschränkungen für die Bewerber gibt. Die Philosophie der Show ist es, möglichst viele Produkte und Ideen hervorzubringen und sich nicht festzulegen und einzukesseln.

Herr Kuntke, Herr Stix, herzlichen Dank für das Gespräch.

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