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Nachdenken über Österreichs Zukunft


Kategorie: Handel, Industrie
03.04.2017 von Martin Ross

DDr. Michael Tojner, CEO der Montana Tech Components AG, war bei der zweiten Wiener Mittwochsgesellschaft der Metro Group zu Gast und erläuterte seine vier Thesen, denen zufolge Österreich sich als Wirtschaftsstandort attraktiver machen könnte.


In Wien lebt die alte Salonkultur wieder auf: Am 29. März 2017 bat die Metro Group zum bereits zweiten Mal zu einem Business-Talk – zur „Zweiten Wiener Mittwochsgesellschaft“ (die erste fand am 27. Oktober 2016 statt) ins Palais Coburg. Gast war DDr. Michael Tojner, CEO der Montana Tech Components AG, der einen engagierten und angriffslustigen Vortrag hielt, der anschließend unter der Moderation von Kurier-Herausgeber Dr. Helmut Brandstätter intensiv diskutiert wurde.

Vier Thesen Tojners

These 1 – Seit über 10 Jahren gebe es in Österreich als entwickeltem Hochlohnland keine Strukturreformen mehr, obwohl sie notwendig sind. Eine Entlastung der Arbeitseinkommen sei wesentlich, um den Wirtschaftsstandort Österreich zukunftsfit zu machen.

These 2 – Die Leistungswilligen würden emigrieren, Grund sei ein überbordender Sozialstaat; die Staatsquote sollte von 50 % auf ca. 42 bis 45 % reduziert werden.

These 3 – Eine tiefgreifende und ernstgemeinte Pensionsreform sei notwendig, um eine nachhaltige Finanzierung unseres Staatshaushaltes zu gewährleisten und dringend notwendige Investitionen sowie eine Steuer- und Abgabensenkung zu ermöglichen.

These 4 – Der Gewährleistungsstaat werde sich vor dem Wohlfahrts-Leistungsstaat– wenn auch in verschiedenen sozial ausgeprägten Formen – langfristig durchsetzen. Grund sei das allmähliche Verschwinden der Staatsgrenzen, das Zunehmen der Mobilität bei den Produktionsfaktoren, der sich intensivierende Wettbewerb unter den Staaten.

Und die Umsetzung?

Tojner kritisierte überdies scharf, dass die in der Vergangenheit wirksame Sozialpartnerschaft in ihrer heutigen Form längst nicht mehr zeitgemäß sei. Deswegen wäre er auch für die Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft, und dafür, dass die Verantwortung wieder von Staatsmännern und Staatsfrauen wahrgenommen werde. „Ich würde sofort ein Umsetzungskonzept für eine dieser Thesen liefern!“ Auf die Frage von Moderator Brandstätter, warum er denn nicht in die Politik gehe, meinte Tojner, das stehe nicht in seiner Lebensplanung. Jedoch wäre er jederzeit bereit, analog zu Hartz IV eine Art „Tojner 4.0“ für eine dieser Thesen zu liefern, sollte ihn die Regierung dafür beauftragen. Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine denkbar lebhafte Diskussion, bei der einmal mehr spürbar wurde, dass hierzulande in Bezug auf tiefgreifende Strukturreformen dringender Handlungsbedarf besteht.

Arno Wohlfahrter ist zufrieden

Metro-Österreich-Generaldirektor Arno Wohlfahrter resümierte zufrieden: „Unser Ziel, mit dieser Veranstaltungsreihe eine Plattform für den wirtschaftlich-politisch-gesellschaftlichen Diskurs zu bieten, ist uns auch mit der zweiten Wiener Mittwochsgesellschaft gelungen. Wir freuen uns schon auf die nächste Veranstaltung.“ Sie wird übrigens im August im Rahmen des „Forum Alpbach“ stattfinden. Die Mittwochsgesellschaft der Metro Group findet nicht nur in Wien statt, sondern auch in Berlin, Brüssel und Düsseldorf.

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