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Onlinehandel: Immer mehr Europäer bestellen direkt in China


Kategorie: Handel, ecommerce
06.06.2019 von Stefan Pirker

54,6 Millionen europäische Konsumenten kauften laut dem skandinavischen Logistikunternehmen PostNord im Jahr 2018 direkt in China Ware ein - insbesondere kleine elektronische Geräte, Handyzubehör, Schuhe und Kleidung. Ein Jahr zuvor waren es "erst" 38,7 Millionen Europäer, die chinesische Onlineshops nutzten.

© Hannes Edinger/Pixabay.com
© Hannes Edinger/Pixabay.com

Laut Wirtschaftskammer Österreich profitieren Onlinehändler aus Nicht-EU-Staaten davon, dass Kleinsendungen bis 22 Euro aufgrund von verwaltungsökonomischen Gründen keiner Umsatzsteuerpflicht unterliegen. In Österreich werden Schätzungen zufolge jährlich sieben bis acht Millionen Kleinsendungen aus Nicht-EU-Staaten importiert. Rund 93 Prozent davon kommen aus China, fünf Prozent aus den USA. Durch die Kleinsendungsregelung entgehen dem österreichischen Staat somit 440 Millionen Euro Mehrwertsteuereinnahmen im B2C Onlinehandel. "Die Bundessparte Handel fordert die sofortige Abschaffung der 22-Euro-Freigrenze für Kleinsendungen und nicht erst 2021", betont Peter Buchmüller, Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKO).

Ab dem Jahr 2021 fällt EU-weit die Umsatzsteuerfreigrenze von 22 Euro für Kleinsendungen aus Nicht-EU-Staaten. Eine vorzeitige Abschaffung obliegt den einzelnen EU-Mitgliedstaaten und wurde etwa bereits in Schweden umgesetzt. Dort gilt seit März 2018 ein neues System, das die Zahlung der Mehrwertsteuer für jedes einzeln eingeführte Paket unabhängig von seinem Wert vorsieht.

Wettbewerbsverzerrende Zollfreigrenze
Weiters fordert die WKO die Streichung der Zollfreigrenze von 150 Euro für Kleinsendungen aus Nicht-EU-Staaten. "Ein österreichischer Einzelhändler, der Laufschuhe aus China importiert, muss 16,9 Prozent Zoll für jedes Paar bezahlen. Ein chinesischer Verkäufer kann ein und dasselbe Paar Schuhe direkt an EU-Verbraucher verkaufen, ohne dafür Zoll zu zahlen", nennt Buchmüller etwa als Beispiel für die herrschende Wettbewerbsverzerrung.

Auf der Agenda der WKO für mehr Wettbewerbsgleichheit finden sich zudem u.a. folgende Punkte:

- Plattformhaftung: "Im Sinne der Steuerfairness sollen Online-Marktplätze die Mehrwertsteuer für ihre Marktplatzhändler aus Drittstaaten einheben und abführen müssen", so Mag. Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Bundessparte Handel in der WKO.

- Paketpostpreise: Diese dürfen aufgrund überholter Verträge nicht mehr künstlich niedrig gehalten werden. So kostet etwa der Versand eines 500-Gramm-Paketes von China nach Österreich 10,03 Euro. Das selbe Paket, von Österreich nach China geschickt, schlägt mit 31,48 Euro zu Buche.

- Kampf gegen Qualitäts- und Sicherheitsrisiken: Weil ausländische Händler sich oft nicht an die EU Qualitäts- und Sicherheitsstandards halten, sind bestehende Marktüberwachungssysteme aus Sicht des österreichischen Handels nicht ausreichend. Als positives Beispiel nennt die WKO die von Alibaba, Amazon, eBay und Rakuten im Juni 2018 unterzeichnete Produktsicherheitsverpflichtung, um gefährliche Produkte von Dritten auf ihren Marktplätzen schneller zu entfernen.

- Sammel- und Verwertungsbeitrag: Ausländische Händler beteiligen sich zu wenig an dem österreichischen Sammel- und Verwertungssystem. Um diesem Missstand zu begegnen, könnten laut WKO die Zollbehörden zusammen mit dem fälligen Zoll einen pauschalierten Sammel- und Verwertungsbeitrag einheben.

 

 

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