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Senna/Palmöl-Dialog-Forum

Palmöl: Nachhaltig – aber wie?


Kategorie: Industrie
08.06.2018 von Manuel Stenger

Wenn es um Palmöl geht, entstehen oftmals sehr emotional geführte Diskussionen. Senna, Spezialist für Margarinen und Fette, lud deshalb zum Palmöl-Dialog-Forum, um über die Nachhaltigkeit, eine mögliche Substitution und die Eigenschaften von Palmöl aus Herstellersicht zu diskutieren.

Walter Trybek, Geschäftsführer von Senna, bei seiner Eröffnungsrede. © Lukas Jahn Photographie
Walter Trybek, Geschäftsführer von Senna, bei seiner Eröffnungsrede. © Lukas Jahn Photographie
In Gruppen konnten unterschiedliche Bereiche zum Thema Palmöl mit Experten besprochen werden. © Lukas Jahn Photographie
In Gruppen konnten unterschiedliche Bereiche zum Thema Palmöl mit Experten besprochen werden. © Lukas Jahn Photographie

In der öffentlich geführten Diskussion ist der Inhaltsstoff Palmöl ein heikles Thema. Aufgrund schlechter Berichterstattung haben viele Hersteller Palmöl aus ihren Produkten entfernt und auch so mancher Händler wirbt mit palmölfreien Sortimenten. „Die Konsumenten sind verunsichert, da ein wichtiges Thema rein emotional geführt wird. Viele Produkte wurden über Nacht aus dem Regal genommen“, so Walter Trybek, Geschäftsführer von Senna. Der Spezialist für Margarinen und Fette – selber ein Verwender von Palmöl in vielen Produkten – lud Ende Mai zum Palmöl-Dialog-Forum, um über das Thema aus Herstellersicht zu diskutieren.

Zertifizierungen sollen für Verbesserungen sorgen
Den ersten Vortrag am Podium hielt Daniel May, Geschäftsführer vom Forum Nachhaltiges Palmöl (FONAP), ein Zusammenschluss von 52 Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen, Verbänden und dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Das Forum ist seit 2015 ein eingetragener Verein und hat es sich zum Ziel gesetzt, Standards weiter auszubauen. Man versucht, die Transparenz bei der Herstellung zu erhöhen und etwa die Rückverfolgbarkeit der Rohstoffe zu verbessern. Laut May liegt der Vorteil von Palmöl darin, dass der Flächenertrag rund drei Mal höher ist als bei anderen Pflanzenölen, es also weniger Fläche für den gleichen Ertrag braucht. Die weltweiten Hauptproduzenten von Palmöl sind Indonesien, Malaysia und Thailand. In Indonesien steht man etwa bezüglich Palmöl vor der Herausforderung, Entwaldung, Monokulturen und den Verlust von Biodiversität zu verringern. Zertifizierungen können daher laut Daniel May gewisse Standards garantieren. Vor allem nationale Regierungen müssen aber dafür Sorge tragen, dass Gesetze eingehalten werden.

Mit dem RSPO (Roundtable on Sustainable Palm Oil)-Label liefert die Zertifizierungsstelle BM Trada eine solche Zertifizierung für Palmöl. Business Development Manager Heinrich Ahl erklärte vor Ort, welche Anforderungen Produkte erfüllen müssen, um mit dem Label für nachhaltiges Palmöl ausgezeichnet zu werden. Derzeit sind 22 bis 23 Prozent des weltweiten Palmöls RSPO-zertifiziert. In Europa liegt diese Zahl sogar noch höher, in Ländern wie Deutschland sind es fast 50 Prozent. Auch Ahl sieht eine Substituierung von Palmöl eher kritisch, da er, wie Daniel May von FONAP, mit einer weit höheren Anbauflächen bei alternativen Ölen argumentiert.

Öle und Fette unterschiedlich einsetzbar
Nicole Seifert und Nepomuk Wahl von Olenex, Anbieter von Speiseölen und -fetten, folgten als weitere Vortragende. Seifert erläuterte, was der Ersatz von Palmöl aus ernährungstechnischer Sicht bedeuten würde. Öle und Fette unterscheiden sich in ihrer Grundfestigkeit und ihrem Verhältnis von gesättigten und ungesättigten Fettsäuren. Werden also Produkte statt Palmöl mit alternativen Ölen produziert, hätte dies neben dem geschmacklichen Unterschied auch Auswirkungen auf die Stabilität und die Haltbarkeit von Produkten.

Nepomuk Wahl warf zudem ein, dass eine schnelle Umstellung von Palmöl auf alternative Ölen wie Kokos- oder Sheabutter nur schwer zum Umsetzen wäre, denn: Ein Sheabaum braucht mindestens 15 Jahre, um für die Produktion geerntet werden zu können. Weiters verwies Wahl darauf, dass die Nachfrage von Produkten mit nachhaltigem Palmöl vor allem aus Europa kommt. Bei einem Boykott europäischer Konsumenten hätten die Herkunftsländer also keinen Grund mehr, nachhaltiges Palmöl zu produzieren – eine Verschlechterung der Bedingungen wäre die Folge, so die Argumentation von Wahl.

WWF um höhere Mindeststandards bemüht
Im Anschluss an die Vorträge konnten sich alle Besucher an fünf unterschiedlichen Stationen mit Experten austauschen: Neben den Vortragenden Daniel May, Nepomuk Wahl und Nicole Seifert waren auch Helene Glatter-Götz vom WWF und Caleb Gallemore vom Lafayette College vor Ort. Im Gegensatz zu anderen NGOs wie Greenpeace spricht sich der WWF nicht grundsätzlich gegen Palmöl aus, sondern fordert strengere Kriterien und eine verstärkte Nachhaltigkeit beim Anbau von Palmöl. So bemüht sich der WWF um höhere Mindeststandards in den Herkunftsländern. Laut Glatter-Götz müsse eher „eine Reduzierung von Pflanzenölen im Gesamten vorangetrieben werden – wir konsumieren zu viele Fette und Öle“. Kritisch betrachtet der WWF vor allem Palmöl in Biokraftstoffen: „Biosprit ist aus Umweltsicht eigentlich keine nachhaltige Lösung“, so Glatter-Götz.

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