CASH - Home

Passiva aufgrund von Großinsolvenzen gestiegen


Kategorie: Handel, Industrie
11.06.2018 von Martin Ross

Im ersten Halbjahr 2018 wurden in Österreich 2.595 Unternehmen insolvent. Das entspricht einem geringfügigen Zuwachs von ca. 0,8 % gegenüber dem ersten Halbjahr 2017.

© KSV1870
© KSV1870
© KSV1870
© KSV1870

Der KSV 1870 berichtet in einer neuen Aussendung von den Unternehmens-Insolvenzen des ersten Halbjahrs 2018. Bei den eröffneten Insolvenzverfahren gab es mit 0,3 % so gut wie keine Änderung, während die mangels Vermögens nicht eröffneten Verfahren um 1,6 % auf 1.060 angestiegen sind. Aber: Von den eröffneten Insolvenzfällen waren nun 10.700 Dienstnehmer betroffen, das entspricht einem Plus von fast 49 %. Auch die Passiva sind um ca. 38 % auf EUR 921 Mio. gestiegen.

Auf den ersten Blick zeichnen die Zahlen ein eher helles Bild, weil es eine nur minimale Veränderung der Fälle auf niedrigstem Niveau gibt. Die Probleme spielen sich aber anderswo ab: Es ist die massive Steigerung bei den von Insolvenzen betroffenen Dienstnehmern und die unberichtigten Forderungen, die das Insolvenzgeschehen kennzeichnen. Dieses Plus resultiert aus einigen Großfällen, die im ersten Quartal eröffnet wurden.

Bundesländerzahlen

Bei den Bundesländern fällt auf, dass Oberösterreich und Tirol, beide industrielastig, rückläufige Insolvenzzahlen aufweisen. Dagegen zeigen zwei andere, ebenfalls industriell bedeutsame Bundesländer (Wien und die Steiermark) Zuwachsraten. Es gibt also keinen klaren Trend. Besonderes Augenmerk verdient Tirol mit einem Rückgang von über 20 % gegenüber dem Vergleichszeitraum 2017: Es ist ein Bundesland, das industriell und touristisch gut aufgestellt ist und aufgrund seiner geografischen Lage als Logistikdrehscheibe von der gegenwärtigen Konjunktur profitiert.

Branchen im Vergleich

Die Branchenanalyse weicht im Jahr 2018 vom gewohnten Bild insofern ab, als „Verkehr und Nachrichten“ diesmal unter den ersten drei Branchen rangiert. Das ist auf die Insolvenz der Fluglinie Niki zurückzuführen. Gastgewerbe und Bauwirtschaft: Beide sind Branchen mit sehr vielen Unternehmen, die Gastwirtschaft ist in Wahrheit unterdurchschnittlich insolvenzgeneigt. Bei der Baubranche sieht dies allerdings anders aus. Hier gibt es nicht nur viele Unternehmen, sondern auch in vielen Jahren eine relative Spitzenreiterposition (Insolvenzen gemessen an allen aktiven Unternehmen) und zuweilen auch hohe Schuldenstände, je nach Größe des insolventen Bauunternehmens. Deswegen sind diese drei Branchen so „anfällig“ für vordere Plätze in dieser Statistik.

Aufgrund der aktuellen Entwicklung erwartet Dr. Hans-Georg Kantner, Leiter KSV1870 Insolvenz, für das Jahr 2018, dass die Zahl der insolventen Unternehmen gegenüber 2017 nicht signifikant steigen wird. Die Passiva und die betroffenen Dienstnehmer hingegen schon – sie werden deutlich über dem Vorjahr liegen, wenn auch etwas gedämpft gegenüber den aktuellen Zuwachsraten.

Kommentar hinzufügen
Felder, die mit einem Stern (*) markiert sind, müssen ausgefüllt werden!

Weitere Artikel