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Unser Ö-Bonus Club

Ulrike Kittinger & Mario Rauch im Interview: „Wir sind kein Pricing-Tool“


Kategorie: Handel
11.06.2019 von Nataša Nikolić

Das halten die beiden Geschäftsführer des neuen jö Bonus Clubs, Ulrike ­Kittinger und Mario Günther Rauch, jedenfalls fest. Ihr Ziel ist es, eine Love Brand zu werden, welche die Kundenbindung in Österreich auf eine neue, ­digitale Ebene hieven soll.

Die beiden Geschäftsführer des jö Bonus Clubs: Ulrike Kittinger und Mario Günther Rauch © Markus Wache
Die beiden Geschäftsführer des jö Bonus Clubs: Ulrike Kittinger und Mario Günther Rauch © Markus Wache
Ulrike Kittinger: „Wir möchten Kundenbindung auf eine neue Ebene bringen und begrüßen alle, die bei uns anklopfen.“ © Markus Wache
Ulrike Kittinger: „Wir möchten Kundenbindung auf eine neue Ebene bringen und begrüßen alle, die bei uns anklopfen.“ © Markus Wache
Mario Günther Rauch: „Wir möchten mit dem Multipartnerprogramm in erster Linie den Handel stützen.“ © Markus Wache
Mario Günther Rauch: „Wir möchten mit dem Multipartnerprogramm in erster Linie den Handel stützen.“ © Markus Wache

CASH: Frau Kittinger, Sie haben bereits fünf Tage nach dem Start des jö Bonus Clubs eine Million Kunden gezählt. Wie viele sind denn in Österreich überhaupt möglich?
Ulrike Kittinger: Billa hatte mit 3,8 Millionen aktiven Kunden den größten Kundenclub. Ich denke, dass das angepeilte Ziel von 3,7 Millionen Kunden bis Jahresende durchaus realistisch ist.

Herr Rauch, wie sind denn Sie mit dem Kunden-Feedback zufrieden?
Mario Günther Rauch: Die Anmeldezahlen in den ersten Tagen haben unserer Erwartungen bei Weitem übertroffen und sind sensationell. Das Feedback unserer Kunden ist ebenfalls durchwegs positiv. Bereits jetzt wird die jö-Karte über 500.000-mal pro Tag beim Einkauf genutzt. Damit können wir sehr zufrieden sein.

Welche Handelsfirmen brachten bisher die meisten Kunden zu jö?
Kittinger: Billa hat als erste Handelsfirma seine Kunden informiert und zum Club eingeladen und damit in der Anfangsphase für die meisten Neuanmeldungen gesorgt.

Sie bieten digitale und analoge Anmeldemöglichkeiten, gibt es hier überraschende Kundenpräferenzen?
Rauch:
Wir sind mit unserem Kundenbindungsprogramm definitiv im digitalen Zeitalter angekommen. Bislang hat sich mehr als die Hälfte der Club-Mitglieder über digitale Kanäle, also App, Website und die digitalen Tower am POS, angemeldet. Wir haben die Anzahl der digitalen Nutzer im Vergleich zu früher bereits in der Anfangsphase massiv überschritten.

Und wie schlagen sich die Partnerunternehmen Libro, Pagro, Interio, OMV und Bawag P.S.K. bei der Akquise neuer Mitglieder?
Kittinger:
Natürlich tragen auch unsere Partnerunternehmen stark dazu bei, neue Kunden zu gewinnen. Das freut uns umso mehr, da das ja vielfach Kunden sind, die man mit den alten Kundenclub-Systemen der Rewe International nicht hatte.

Eine Frage, die sich viele stellen, die Sie aber vermutlich nicht gern hören: Wie viel erspart sich die Rewe International mit diesem einheitlichen Kundenbindungsinstrument gegenüber dem bisherigen – zum Beispiel beim Thema Aktionen?
Rauch:
Wir sind der Multipartnerbetreiber und können nicht für die Rewe International Handelsfirmen sprechen. Aber so viel können wir sagen: Das Primärziel ist es nicht, Einsparungen zu erzielen, sondern den Kunden ein neuartiges Kundenbindungsprogramm zu bieten.

Andererseits: Kann man mit jö auch Geld verdienen?
Rauch:
Wir erwarten uns keine Gewinnerzielungsabsicht mit dem Multipartnerprogramm. Wir wollen damit in erster Linie den Handel stützen und das Kerngeschäft unserer Partnerunternehmen ankurbeln.

Ich nehme an, dass die Partnerunternehmen einen Mitgliedsbeitrag zahlen müssen?
Rauch:
Ja, aber wir denken, dass der Beitrag angemessen ist in Anbetracht der Vorteile, die sie dadurch haben, nämlich treue und loyale Kunden. Wir möchten langfristige Geschäftsbeziehungen mit unseren Partnern eingehen und halten nichts davon, sie mit hohen Management-Fees kurzfristig zu binden.

Wollen Sie möglichst viele Unternehmen mit an Bord holen oder kommt es mehr auf den Branchenmix an?
Kittinger:
Wir wollen der wertvollste Begleiter durch den Tag der Verbraucher werden. Dafür müssen wir jede relevante Branche, in der sie sich tagtäglich befinden, abdecken.
Rauch: Vorerst richten wir unseren Fokus auf die Abdeckung aller Branchen. Wir sind grundsätzlich offen für alle neuen Mitglieder und werden schon im Herbst weitere begrüßen. Unser Ziel ist es jedoch nicht, in einer speziellen Branche zehn verschiedene Partner zu haben.

Können Sie sich vorstellen, eines Tages Müller oder Spar als Partner zu haben, falls es diesen Wunsch geben würden?
Kittinger:
Wir möchten Kundenbindung auf eine neue Ebene bringen und begrüßen alle, die bei uns anklopfen. Wir haben aber mit den Rewe Handelsfirmen alle relevanten Märkte vom Verbrauchermarkt bis zum Diskonter abgedeckt und sind hier sehr gut aufgestellt. Da stellt sich wahrscheinlich für externe Firmen eher die Frage, wie attraktiv da ihr Beitritt wäre.

Welche neuen Partner kommen im Herbst dazu?
Kittinger:
Das können und möchten wir noch nicht verraten. Das soll auch eine Überraschung sein.

Das Rewe Group Tochterunternehmen Zooroyal ist derzeit Partner von Payback. Ist ein Umstieg auf jö geplant?
Rauch:
Man darf hier Deutschland nicht mit Österreich verwechseln. Der Onlineshop Zooroyal ist in Deutschland Partner von Payback und hierzulande steht ein Umstieg auf jö nicht unmittelbar bevor. Einen Teil des Sortiments von Zooroyal gibt es ja schon bei Bipa.

Welche Daten tauschen die Partnerunternehmen untereinander aus?
Kittinger:
Es gibt keinen Datenaustausch zwischen den Partnern. Ein Partner sieht nur die Stammdaten wie Wohnadresse und Alter des Kunden, wenn dieser mit der jö-Karte bei ihm einkauft. Auf diese Weise kann er ihm individuelle Mailings schicken. Er sieht aber nicht, was der Kunde bei den anderen Partnern einkauft. Diese Informationen hat nur der Ö-Bonus Club.
Rauch: Es ist uns ein großes Anliegen, sorgfältig mit den gesammelten Daten umzugehen. Rechtlich wäre ja vieles möglich. Wir haben uns dafür entschieden, dass der Konsument aktiv mit dem Einsatz der jö-Karte wählt, wo er Kunde sein möchte. Es wäre auch nicht im Interesse der Partner, dass beispielsweise die OMV die Einkaufsdaten von Billa bekommt – wozu auch?

Zum Beispiel, um das Sortiment bei Viva entsprechend anzupassen. Wie binden Sie eigentlich die Markenartikelindus­trie mit ein?
Kittinger:
Wir haben im Customer Relationship Management-Team eine eigene Abteilung Industry Communication, die die erste Anlaufstelle für Industriepartner ist. Wir sind schon in intensiven Gesprächen und bereiten bereits die ersten Kooperationen vor.

Gegen Bezahlung?
Kittinger:
Ja, natürlich.

Bekommt die Industrie dafür Einblicke in relevante Einkaufsdaten der Kunden?
Kittinger:
Nein, sie erhalten keine Kundendaten von uns, sondern nur Informationen, die ihr eigenes Sortiment betreffen.

Die Markenartikler und selbst die Händler klagen immer wieder über die hohen Aktionsanteile im LEH. Wird der jö Bonus Club daran etwas ändern oder gar verbessern?
Kittinger:
Wir sind ein Kundenbindungsprogramm und kein Pricing-Tool. Folglich können wir Aktionen nicht eindämmen. Das obliegt jedem Handelspartner. Wir kümmern uns darum, dass unsere Kundenclub-Mitglieder individuelle Angebote und Gutscheine bekommen, die sie tatsächlich auch brauchen können.
Rauch: Wir sehen uns als Betreiber, der Partnerunternehmen hilft, Loyalität auf eine andere Ebene zu heben. Das hat nichts mit Preisen und Aktionspolitik zu tun, da es eine komplett andere strategische Ausrichtung ist. Alle Partner, die bei uns sind, haben die Strategie gewählt, loyale Kunden zu akquirieren.

jö bietet ja auch eine eigene Bonuswelt mit Zusatzvorteilen. Machen Sie damit nicht dasselbe wie Ihr Mitbewerber Payback?
Kittinger:
Wir unterscheiden uns massiv von Payback. Es gibt bei uns u.a. keine physischen Güter. In unserer Bonuswelt geht es darum, sich zu belohnen und dafür kann man Ös gegen Gutscheine für Freizeitaktivitäten und Urlaube eintauschen. Das ist ein großer Mehrwert.

Wenn Sie an die kommenden Jahre denken, wo soll die Reise für Ihr Multipartnerprogramm idealerweise hingehen?
Kittinger:
Unser langfristiges Ziel ist es, DER Kundenclub in Österreich zu werden und der Erste zu sein, der einem Konsumenten beim Thema Kundenbindung einfällt. Darüber hinaus möchten wir eine Love Brand werden und kein rationales Kundenbindungsprogramm.  

Frau Kittinger, Herr Rauch, vielen Dank für das Gespräch!

Erfolgreicher Start
Bis zum 17. Mai 2019 zählte der jö Bonus Club ...
* über 2 Millionen angemeldete jö-Kunden,
* mehr als 600.000 digitale Kundenkarten und über 2 Millionen physische Karten, über 600.000 App-Downloads,
* täglich mehr als 500.000 jö-Kartennutzungen beim Einkauf.

Der jö Bonus Club
Am 2. Mai 2019 ging der jö Bonus Club on Air. Das neue Multipartner-Programm von Unser Ö-Bonus Club GmbH, einer 100%igen Tochter der Rewe International Dienstleistungsgesellschaft, ersetzt alle bisherigen Kundenbindungsprogramme der Rewe International Handelsfirmen Billa, Bipa, Merkur, Penny und Adeg sowie jene der Partnerunternehmen Interio, Libro, Pagro, OMV und Bawag P.S.K. jö-Bonus-Club-Kunden sammeln bei jedem Einkauf Punkte sogenannte Ös – die sie dann bei den Partnern gegen Vorteile und Rabatte einlösen können. Wie viele Euro ein Ö wert ist, kann jedes Partnerunternehmen selbst entscheiden. Bei Billa, Bipa, Merkur und Adeg bekommt man für jeden ausgegebenen Euro ein Ö. Bei Diskonter Penny entsprechen zwei Euro einem Ö. Partner OMV vergibt beispielsweise ein Ö pro zwei Liter Treibstoff.

 

 

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