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Nachhaltigkeit/Plastik

UPDATE: Große Händler sind sich beim Plastik-Gipfel einig


Kategorie: Handel
08.01.2019 von Karl Stiefel

Runder Tisch im Bundeskanzleramt: Kanzler Kurz und die Minister Köstinger und Hofer nehmen zusammen mit Vertretern des Einzelhandels und NGOs Kurs auf das Plastiksackerl-Verbot bis 2020.

Am 8. Jänner 2019 fand ein Gespräch zwischen Vertretern der Bundesregierung und den Vertretern des Handels zum Thema Plastik-Verbot statt. Im Bild Bundeskanzler Sebastian Kurz (m.r.) mit Bundesministerin Elisabeth Köstinger (r.) und Bundesminister Norbert Hofer (m.l.).<br>© BKA/Dragan Tatic
Am 8. Jänner 2019 fand ein Gespräch zwischen Vertretern der Bundesregierung und den Vertretern des Handels zum Thema Plastik-Verbot statt. Im Bild Bundeskanzler Sebastian Kurz (m.r.) mit Bundesministerin Elisabeth Köstinger (r.) und Bundesminister Norbert Hofer (m.l.).
© BKA/Dragan Tatic

Viel wird sich bei der Verwendung von Plastik im EH in den kommenden Jahren ändern: Die EU bringt die Richtlinie zum Verbot von Einweg-Plastik und der Beimengung von Mikroplastik-Partikeln in Kosmetikprodukten voran. Ab 2020 sieht die Bundesregierung ein Verbot von nicht-abbaubaren Plastiksackerln vor - das Maßnahmenpaket dazu steht. Rund um das Thema Kunststoff wurden nun Vertreter des EH (darunter Rewe International, Spar, Hofer, Lidl, Tchibo/Eduscho und C&A), des Handelsverbandes, von NGOs, aus der Wissenschaft und von Sozialpartnern in das Bundeskanzleramt eingeladen. Dort wurde zusammen mit Bundeskanzler Sebastian Kurz, Bundesministerin Elisabeth Köstinger (BMNT) und Bundesminister Norbert Hofer (BMVIT) über Maßnahmen zur Reduktion des Kunststoff-Mülls diskutiert.

"Das Verbot von Plastiksackerln ab 2020 unterstützen wir in der Sache und sehen es auch als Chance für einen größeren Wurf. Sorgen wir gemeinsam für mehr Wettbewerbsfairness, indem wir auch Internet-Händler und Marktplätze regulatorisch miteinbeziehen und ein faires Level Playing Field für alle Marktteilnehmer sicherstellen.", fasst Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will zusammen.

Durch den Handelsverband wurde ein konkreter Regulierungsvorschlag bei der Bundesregierung eingebracht, auf dessen Basis beim nächsten Arbeitstreffen eine verträgliche Umsetzung entstehen wird. Unberührt von der Regulierung sollen Bereiche sein, in den keine sinnvolle Alternative zur Verfügung steht, etwa Verpackungen von Frischfleisch oder etwa sicherheitsrelevante Behältnisse.

Rewe International
Für Rewe International-Vorstand Marcel Haraszti wird damit ein Trend weitergeführt, dem der Konzern seit geraumer Zeit nachkommt: "Wir begrüßen jede Initiative zur Plastikreduktion, die zu ökologisch sinnvollen und zu ökonomisch tragfähigen Lösungen führt. Im Sinne nachhaltigen und verantwortungsvollen unternehmerischen Handelns hat sich die Rewe International AG bereits 2016 an der freiwilligen Selbstverpflichtung des österreichischen Handels zur Reduktion von Plastik- und Einweg-Tragetaschen beteiligt und 2017 die letzten Plastiksackerln abverkauft. Wir sind damit bereits frühzeitig in Vorleistung gegangen, haben als Erster der Branche den Verkauf von Einweg-Plastiksackerl komplett eingestellt und setzen auf Mehrweg-Tragetaschen. So konnten wir konzernweit eine jährliche Einsparung von rund 28 Millionen Stück erreichen. Mit unserer 2018 gestarteten Initiative 'Raus aus Plastik' wollen wir das gesamte Bio Obst und Gemüse bis Ende 2019 lose oder umweltfreundlicher verpacken und bis 2030 alle Verpackungen unserer Eigenmarken-Produkte auf umweltfreundlichere Alternativen umstellen."

Spar
Ein klares Statement gibt es auch von Nicole Berkmann, Leiterin Konzernale PR und Information bei Spar Österreich: "Wir begrüßen die Initiative zur Reduktion von Plastik. Spar bietet bereits jetzt verschiedene Alternativen zu Kunststoff-Tragtaschen an und hält auch beim Obst und Gemüse Papiersackerl und Mehrweg-Netze bereit. Daneben gibt es eine eigene Arbeitsgruppe, die sich seit Längerem mit der sinnvollen Reduktion von Plastikverpackungen beschäftigt."

Hofer
Volle Unterstützung der Initiative der Bundesregierung sichert Hofer-Generaldirektor Horst Leitner zu: "Hofer hat bereits mehrere Maßnahmen definiert, so ist unter anderem im Jahr 2019 unser Ziel die Auslistung von Einwegplastikprodukten wie Becher, Geschirr, Besteck oder Wattestäbchen mit Plastikschaft. Darüber hinaus soll bis zum Jahr 2025 der Materialeinsatz unserer Eigenmarken-Verpackungen um 30 Prozent reduziert werden. Bis 2022 sollen zudem 100 Prozent der Eigenmarken-Verpackungen recyclingfähig sein."

Lidl
Eine klare Strategie verfolgt auch Lidl, wie Christian Schug, Vorsitzender der Geschäftsleitung, erklärt: "Vermeiden – Reduzieren – Wiederverwerten. Dazu werden wir konzernweit den Plastikverbrauch bis 2025 um 20 Prozent reduzieren. Gleichzeitig wollen wir bis dahin alle Kunststoffverpackungen 100-prozentig recyclingfähig machen. Dafür haben wir schon Maßnahmen eingeleitet und umgesetzt. Dazu gehört auch der freiwillige Verzicht auf den Verkauf von Einweg-Plastiksackerl. Wir werden hier dran bleiben und Schritt für Schritt besser werden."

Tchibo/Eduscho
"Wir haben uns 2016 als erster Händler Österreichs vom Einwegsackerl verabschiedet.", hält Harald J. Mayer, Geschäftsführer von Tchibo/Eduscho, fest. Weiter heißt es: "Gemeinsam mit unseren Kunden entschieden wir uns stattdessen für Mehrwegtaschen, vorhandene Ressourcen zu verwenden, die Umwelt zu schonen und damit für eine zukunftsträchtige Ausrichtung. Diese Initiative nehmen wir uns selbst als Beispiel, um weitere sinnvolle Wege in eine bedachte Zukunft zu finden. Für manche Herausforderungen oder auch um abrupte Ausweichmanöver von einer Ressource zur anderen zu vermeiden, ist eine branchenübergreifende Zusammenarbeit und Zeit unabdingbar."

C&A
Auch im Non-Food-EH hat die Initiative namhafte Unterstützer. Norbert W. Scheele bestätigt in seiner Funktion als Country Director bei C&A und Handelsverband-Vizepräsident: "Vor zwei Jahren haben wir uns als erstes Textilunternehmen in Österreich zur Selbstverpflichtung der Reduktion von Plastiktaschen bekannt und konnten der Verbrauch deutlich senken. Neben Biobaumwoll-Tragetaschen bieten wir heute auch andere wiederverwendbare Taschen an. Viele unserer Produkte werden überdies nicht mehr verpackt im Verkauf angeboten."

Seit 2014 konnten durch die freiwillige Selbstregulierung 112 Millionen Plastiksackerl in Österreich eingespart werden. Alleine in Österreich fallen immer noch 7.000 Tonnen Kunststofftragetaschen an.

Update 9.1.2019
Kompost- und Biogas Verband Österreichs (KBVÖ) fordert Ausweitung auf Obst- und Gemüse-Sackerl

Im Zuge des Treffens meldete sich auch der teilnehmende Kompost- und Biogas Verband Österreichs (KBVÖ) zu Wort. Von seiner Seite wird gefordert, dass "leichte Knotenbeutel" - also Obst- und Gemüse-Sackerl - bundesweit nur mehr aus leicht abbaubaren Kunststoffen angeboten und als solche gekennzeichnet werden sollen. KBVÖ-Obmann Hubert Seiringer zeigte sich über den Verlauf des "Plastik-Gipfels" im Bundeskanzleramt und der anschließenden Pressekonferenz mit Vertretern der Bundesregierung erfreut. Unterstützung erhält der KBVÖ und deren Initiative "Alles in Bio" vom Land Kärnten, Land Niederösterreich, Umwelt Land Oberösterreich, Land Steiermark Lebensressort, Land Tirol, der Landwirtschaftskammer Österreich und dem Ökosozialen Forum Österreich.

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