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forum. ernährung heute

Werberegulierung wenig effektiv


Kategorie: Handel, Industrie
23.01.2019 von Max Pohl

Medienkonsum beeinflusst das Essverhalten von Kindern. Das forum. ernährung heute lud zum Dialog, um zu klären, ob Marketingeinschränkungen etwas bringen.

Medieninhalten kommt generell eine große Rolle dabei zu, wie Lebensmittel kategorisiert werden. © Barbara Lachner
Medieninhalten kommt generell eine große Rolle dabei zu, wie Lebensmittel kategorisiert werden. © Barbara Lachner

Mit restriktiven Vorgaben oder Werbeverboten auf „ungesunde“ Produkte zu reagieren, ist wenig effektiv, merkte Arnd Florack, Leiter des Bereiches Angewandte Sozialpsychologie und Konsumentenverhaltensforschung am Institut für Angewandte Psychologie der Universität Wien, an. „Nur weil Werbung den Konsum erhöht, heißt das nicht, dass Werbeverbote wirken“. Untersuchungen zeigen, dass Werbeverbote auf einem Kanal lediglich dazu führen, dass Werbung über andere Kanäle transportiert wird. Speziell Soziale Medien lassen sich kaum kontrollieren. Kinder gestalten sich durch non-lineare, globale Angebote wie Streamingdienste oder YouTube ihr Programm mittlerweile selbst, Eltern haben nur mehr wenig Einfluss und Kontrollmöglichkeiten. Deshalb sollte vielmehr, wie schon bisher, verstärkt auf Selbstverpflichtungen der Medien- und Lebensmittelanbieter gesetzt werden. Diesbezüglich hat sich in den letzten Jahren mit dem EU-Pledge und dem „Verhaltenskodex der österreichischen Rundfunkveranstalter hinsichtlich unangebrachter audiovisueller kommerzieller Kommunikation in Zusammenhang mit Kindersendungen und Lebensmittel“ einiges getan.

Brigitte Naderer vom Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaften der Universität Wien stellte fest, dass in den letzten 25 Jahren Produktplatzierungen nicht zugenommen haben. Etwa 40 Prozent der Platzierungen machen Fast Food, Süßigkeiten, salzige Snacks, Softdrinks und Alkohol aus. Doch nicht nur die Häufigkeit der Darstellung ist ein Thema, sondern auch wie bestimmte Lebensmittel gezeigt werden.

Medieninhalten kommt generell eine große Rolle dabei zu, wie Lebensmittel kategorisiert werden. Berichte dazu sind oft widersprüchlich oder verwirrend. Ein Beispiel, das Adrian Meule vom Fachbereich Psychologie der Universität Salzburg näher erläuterte, sind Süßstoffe. Entgegen der häufig beobachtbaren medialen Darstellung, dass Süßstoffe den Appetit anregen und sie letztlich Übergewicht fördern würden, zeigt eine kürzlich publizierte Meta-Analyse das Gegenteil: Beim Einsatz kalorienfreier Süßstoffe findet keine Überkompensation statt, die tägliche Energiezufuhr wird dadurch in Summe gesenkt und mündet in einer signifikanten Gewichtsabnahme.

Demgegenüber steht oft die Fehleinschätzung des Zuckergehaltes von Lebensmitteln und Getränken durch die Eltern. Mit gravierenden Folgen, wie Meule erklärt: „Studien zeigen, dass das Gewicht des Kindes umso höher ist, je mehr die Eltern den Zuckergehalt falsch einschätzen.“ Zwei Drittel der Eltern überschätzen beispielsweise den Zuckergehalt von Schokolade und unterschätzen jenen von Pizza. Daher sind Maßnahmen, die Mythen und Irrtümer aufklären, auf Nährwertangaben hinweisen sowie das ernährungsbezogene Wissen und die Kompetenz von Eltern fördern, ein wesentlicher Puzzlestein im Gesamtbild der Präventionsmaßnahmen.

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