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Handelsverband

Wertschöpfung des LEH in Österreich


Kategorie: Handel
25.06.2019 von Martin Ross

Erstmals gibt es eine Studie über die volkswirtschaftliche Bedeutung und die Wertschöpfungseffekte des Lebensmittelhandels in Österreich. Der Handelsverband hat sie präsentiert.

Der Lebensmittelhandel in Österreich ist eine Wirtschaftsmacht © Thommy Weiss/pixelio.de
Der Lebensmittelhandel in Österreich ist eine Wirtschaftsmacht © Thommy Weiss/pixelio.de

Rund 3.500 Betriebe mit mehr als 160.000 Arbeitsplätzen, ein Jahresumsatz von 21 Milliarden Euro und ein BIP-Beitrag von 14,6 Milliarden Euro – der Lebensmittelhandel in Österreich ist eine Wirtschaftsmacht. Diese Zahlen – so der Handelsverband in einer Aussendung – täuschten aber, denn die wirklichen Effekte auf die Volkswirtschaft seien noch weitaus größer. Der Handelsverband hat sie nun erstmals bei der Innsbrucker Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) berechnen lassen.

Diese Wirtschaftsmacht zeigt sich auch auch in den Einnahmen seitens der öffentlichen Hand: Abgaben, Steuern und Sozialversicherungsbeiträge, die aus dem LEH kommen, belaufen sich auf insgesamt 5,4 Milliarden Euro. Jene Branchen, die neben der öffentlichen Hand am stärksten von den indirekten Wertschöpfungseffekten des LEH profitieren, sind vor allem die Sachgütererzeugung (1,3 Mrd. Euro) und die Landwirtschaft (413 Mio. Euro).

Frank Hensel, Vizepräsident des Handelsverbandes, kommentiert die Zahlen so: „Mit dem LEH-Report können wir erstmals umfassend aufzeigen, wie wichtig der Lebensmitteleinzelhandel als Wirtschaftsfaktor für Österreich ist und wie stark er über seine eigenen sektoralen Grenzen hinauswirkt. Damit dies so bleibt und der heimische LEH auch in Zukunft seine essentielle Rolle als Beschäftigungsmotor, Nahversorger und Wirtschaftsfaktor erfüllen kann, müssen auch auf regulatorischer Ebene einige Weichen neu gestellt werden.“

Regulatorische Empfehlungen des Handelsverbands

Auf der Grundlage dieser Studie empfiehlt der Handelsverband, sechs Konsequenzen zu ziehen, um den Lebensmittelhandel in seiner wichtigen Rolle im Wirtschaftsleben des Landes zu stärken. Einige dieser Empfehlungen sind altbekannte politische Forderungen.

1) Senkung der Lohn- und Abgabenquote
Man empfiehlt eine Senkung der Lohnnebenkosten und der Lohnsteuer insbesondere für die untersten Tarifstufen. Dies bezeichnet der HV als zentrale Forderung.
2) Reform des Zuschlagwesens im Kollektivvertrag
Das derzeitige Zuschlagssystem verhindert jeden flexiblen Einsatz von Mitarbeitern und ist kaum zu verstehen, weil es zu kompliziert ist. Forderung: Vereinfachung und Entrümpelung.
3) Zustellungen auch an Samstagen bis 19 Uhr ermöglichen
Viele LEH-Betriebe sind auch online „unterwegs“ und haben aus öffnungszeiten-, arbeitszeit- und arbeitsruherechtlichen Bestimmungen andere zeitliche Grenzen an Samstagen als Transportgewerbetreibende. Dies soll synchronisiert und ausgeweitet werden.
4) Abschaffung der Mietvertragsgebühr
Die Mietvertragsgebühr („Einhebung einer Gebühr für Rechtsgeschäfte“, stammt aus der Zeit Maria Theresias) ist zu hoch, anachronistisch und wird in Europa kaum wo verlangt. Der Handelsverband fordert daher ihre Abschaffung.
5) Rahmenöffnungszeiten ausweiten
Eine Ausweitung der maximalen wöchentlichen Ladenöffnungszeiten von 72 auf 76 Stunden hätte eine massive Beschäftigungswirkung für den heimischen Arbeitsmarkt. Gerade im Lebensmittelhandel würden die Nahversorger davon profitieren.
6) Tourismuszonen auch auf Wien ausweiten
Die Einführung von Tourismuszonen in Wien würde rund 140 Mio. Euro Mehrumsatz und bis zu 1.000 zusätzliche Arbeitsplätze bringen. Insbesondere KMU-Händlern, die noch selbst im Geschäft stehen, ermöglichte man dadurch mehr Flexibilität.

Der Handelsverband hat die Ergebnisse in einem Poster zusammengefasst, das man hier runterladen kann.

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