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Young Business Factory 2017

Wie aus Trends nachhaltige Konzepte werden


Kategorie: Handel, Industrie
22.06.2017 von Manuel Stenger von Willy Zwerger

Heute „in“ – morgen schon von gestern! – so das Credo der Young Business Factory 2017. Wie man aus Trends in nachhaltige Konzepte integriert, darüber sprachen in Schloß Hernstein eine Reihe von Experten.


„Für junge Entscheidungsträger ist die Veranstaltung eine Möglichkeit, neue Netzwerke zu bilden“, so Manstein Geschäftsführerin und CASH Herausgeberin Dagmar Lang bei der Eröffnung der diesjährigen Young Business Factory. Denn: Viele Freundschaften und Kontakte, die in jungen Jahren geknüpft werden, halten ein ganzes Leben lang, betonte Lang.

Trends in solide Geschäftsmodelle einbauen
Über die Top-Trends für die Pole-Position am Markt sprach Mag. Dieter Henrich, Geschäftsführer Verband der Regionalmedien Österreichs, mit CASH Chefredakteurin Silvia Meißl im Anschluss.

Dem Begriff Trend steht Henrich eher kritisch gegenüber: „Vieles wird uns als Trend verkauft. Wenn man dann aber genauer analysiert, bleibt nicht viel Neues übrig.“ Altbewährtes ist oft sehr solide – so wie die Geschäftsgrundlage der Regionalzeitungen. „Die Menschen interessieren sich auch in Zeiten der Globalisierung, was um sie herum passiert“, so Henrich weiter. Neue digitale Kanäle bringen auch neue Möglichkeiten. Vor allem für Wochenzeitungen kann die Aktualität erhöht, zusätzliche Hintergründe beleuchtet werden. Henrich dazu: „Darüber hinaus kann ein echter Dialog mit dem Leser aufgebaut werden.“

Warum sollte man als Marke bei Regionalzeitungen inserieren? Erstens interessieren sich deren Leser stark für die regionalen Inhalte. Zweitens erzielen diese Medien hohe Reichweiten und zuletzt bieten diese in der Werbung regionale Differenzierungsmöglichkeiten, so Henrich.

Das Produkt ist die Antwort
Danach bat Silvia Meißl den UDO 2017 Preisträger Franz Kreuzeder auf die Bühne. Als Trend im klassischen Lebensmittelhandel sieht Kreuzeder das Thema Convenience: „Die Konsumenten gehen einkaufen und nehmen sich Convenience mit.“ Im Zwischenspiel zwischen Verkäufer und Einkäufer erkennt Kreuzeder den Trend, dass immer weniger Zeit bei Gesprächen bleibt, um die eigenen Produkte zu verkaufen. „Du musst bereits alles ordentlich für die Präsentation aufbereitet haben“, betont Kreuzeder – oftmals bleibt nur eine Viertel Stunde. Die kann aber manchmal auch reichen, so der Experte von Meggle: „Die Antwort muss das Produkt sein.“ Das Geben und Nehmen zwischen Einkauf und Verkauf vergleicht Kreuzeder mit einer Tür: „Es darf ruhig krachen und knacken, die Türe sollte aber nie verschlossen bleiben.“ Eine gegenseitige Wertschätzung muss man sich erarbeiten.

Produkte müssen wieder mehr Wert erhalten
„Verkäufer zu sein“, ist sich Kreuzeder sicher, „muss man sich Schritt für Schritt erarbeiten.“ Die Praxiserfahrung zählt mehr als Medien oder Seminare. An junge Talente kann Kreuzeder nur den Tipp weitergeben, mehr auf Qualität denn Quantität bei den Verkaufsgesprächen zu setzen. Auch Hartnäckigkeit und Lernwille ist gefragt. „In meinen ersten Jahren als Verkäufer bin ich oftmals mit blutiger Nase nach Hause gekommen“, gibt Kreuzeder zu. Darum ist es ihm zufolge auch wichtig, „dort zu arbeiten, wo man sich wirklich wohl fühlt. Ansonsten kann man nicht lernen und sich entwickeln.“

Zum Abschluss fragte Chefredakteurin Meißl bei Kreuzeder nach, wie man die immer härter werdenden Wettbewerbsbedingungen entschärfen kann. Für Kreuzeder liegt der Ursprung darin, dass „man den Konsumenten zum Aktionskäufer erzogen hat.“ Die Umsätze müssen am Ende des Tages stimmen, deshalb ist man gezwungen, bei diesen Aktionen mitzumachen. Kreuzeder: „Dem Konsumenten muss die Wertigkeit der Produkte wieder nähergebracht werden.“ Dazu ist eine starke Partnerschaft mit dem Handel gefragt, der diese Werte ebenfalls an den Kunden weitergibt.

Neben einem Quiz mit sechs Gruppen, jeweils bestehend aus den Teilnehmern der Young Business Factory, klang der Abend mit einem gemütlichen Get-Together aus.

Ein Traditionsunternehmen als Trendsetter
Gleich zu Beginn des zweiten Tages der diesjährigen young Business Factory bewies Wiesbauer Geschäftsführer Thomas Schmiedbauer mit seinem Vortrag, dass es sehr wohl kein Widerspruch sein muss, wenn man die Begriffe Traditionsunternehmen und Trendsetter zusammenwürfelt. Nach einem kurzen Einblick in die Unternehmensgeschichte ließ Schmiedbauer tief in die überlieferten Philosophien, die seit Jahrzehnten Österreichs NUmmer 1 am Fleisch- und wurstwarensektor prägen, blicken. Denn im endeffekt ginge es einzig und allein darum "gut schmeckende Lebensmittel zu produzieren.

Wichtig dabei: "Das traditionelle Handwerk dahinter nicht zu vergessen und sich permanent weiterzuentwickeln", so Schmiedbauer. Dabei sei Kontinuität genau so ein Plusfaktor wie die kaufmännische Entscheidung, nicht immer nur billig produzieren zu wollen. Schmiedbauer: "Es sei immens wichtig für die gesamte Branche, dass man den Lebensmitteln wiedeer ihre ertigkeit zurückgibt." Zumal es die Klientel, die bereit ist für gute Ware mehr Geld auszugeben, sehr wohl vorhanden sei.

Seit Anbeginn war und ist noch immer der Mitarbeiter das Um undAuf bei Wiesbauer, egal in welcher Funktion. Und: "Dass man sich auf Erfolgen nicht ausruhen darf." Daher sei für Schmiedbauer Weiterentwicklung nicht ein weiterer Kochschinken mit der 17. Kruste, sondern echte Innovationen, wie sie ben in den letzten Jahren sehr erfolgreich das Haus Wiesbauer verlassen haben, echtes Trendsetting also, wobei dies die Produktion von Handelsmarken keineswegs ausschließe.

Prioritäten erkennen und richtig einsetzen
Unimarkt Geschäftsführer Andreas Haider beschäftigte sich anschließend in seinem Vortrag mit dem Veränderungszwang von Konzepten und bemerkte anhand der Unimarktgruppe, dass sich zum einen kleine Unternehmen wesentlich leichter tun konzeptive Veränderungen zu realisieren als Großkonzerne und zum anderen, dass regionales Denken und Tun diesbezüglich ebenfalls vorteile bringen.

"Unser jüngstes Neukonzept zum Beispiel", so Haider, "geht in eine wesentliche Vereinfachung dahingehend, zwischen einem Unimarkt-Kaufmann und einem Nah&Frisch-Kaufmann switchen zu können. Und vor allem gibt es wesentliche Erleichterungen für all jene, die sich entschließen Franchise-Partner zu werden."

Die Konzentration aufs Regionale hat jedoch nicht nur produktspezifische Vorteile und sind damit Teil des Konzepts, sondern auch die Mitarbeiter vor Ort. Sie alle seien bestens etabliert in den gesellschaftlichen alltag eines dorfes, einer Region, man kennt sie persönlich und vor allem, die Mitarbeiter kennen ihre Kunden.

Dass globale Konzepte nationales Tun nicht ausschließen, sieht man anhander vorreiterrolle die die Unimarktgruppe in Sachen österreichweitem Onlineshop einnimmt. Hier wurde gemeinsam mit der FH Hagenberg und der Österreichischen Post ein Konzept entwickelt, das eine Zustellung von frischen Lebensmittel, ungekühlt, gekühlt und tiefgekühlt bis hin zu jeder wochnungstür in Österreich garantiert.

Konsumentenbeschwerden immer ernst nehmen?
Die Frage, ob man Konsumentenbeschwerden bzw. social Media Postings immer gleich für bare Münze nehmen muss, erläuterte Spar Konzernsprecherin Nicole Berkmann sehr launig und sehr emotional anhand einiger Beispiele. Da sie persönlich seit vielen Jahren Erfahrung mit Konsumentenbeschwerden habe, kann sie auch die Veränderungen beurteilen, die im Laufe der Jahre in Sachen Kommunikationsvielfalt passiert sind. Hat man früher einfach einen Brief geschrieben, wenn etwas nicht gepasst hat oder sich im jeweiligen Geschäft gleich edirekt beschwert, so prügeln heute Konsumenten in den sozialen Netzen und anonym, via E-Mail und auf den unterschiedlichsten Interessensplattformen auf einen ein - Berkmann nannte das Beispiele den seinerzeitigen Analogkäse sowie die legendäre auslistung der Halalprodukte.

Aber auch hier gilt: "Wie bei jeder Kommunkation", so Berkmann, "kommt es auch in elektronischen Zeiten wie diesen auf den Umgangston an, ob man auf Postings bzw. Beschwerdemails eingeht oder nicht. Auf wüste und vor allem ungerechtfertigte Beschimpfungen wird sicher nicht reagiert. zumindest nicht gleich." Wobei das oftmals an den Tag tretende Nichtwissen und blindem Nachlaufen seitens der Konsumenten und ihren Schützern auch nicht gerade von Vorteil ist um stets richtig zu reagieren.

Wie man Kunden begeistert
Google Industry Head austria Matthias Zacek versuchte der Frage nachzugehen, was der Handel hinkünftig alles tun kann um die Kunden noch mehr zu begeistern und somit in Folge noch mehr Umsätze zu lukrieren. Die Antworten kamen klar und nachvollziehbar: Zum einen durch Synergien zwischen stationärem Handel und Onlineshop und zum anderen volle KOnzentration auf das Handy als Kommunikationszentrale Nummer 1. Zacek: "Wenn der Kunde König ist, ist das smartphone sein Zepter."

Es wird sich jedoch nicht nur das Serviceangebot seitens des Handels verändern müssen, sondern auch die Werbung dazu. 250 Millionen suchanfragen zum Thema Lebensmittel pro Jahr alleine in Österreich sprechen eine deutliche Sprache. Und: Werbung wird hinkünftig ausschließlich über relevanz gemessen. Es mache keinen sinn, einem Haushalt ohne Haustiere einen Folder - elektronisch wie gedruckt - zu schicken, der Tierfutterangebot enthält.

Fazit: die Handelsketten müssten aus ihren Kundendaten, die sie über ihre KUndenkarten erhalten, weitaus mehr Kapital schlagen. Hier wird viel wissen liegengelassen. Zacek mit der klaren Botschaft: "Kundenkarten sind ein Schatz."

Hot Bio To Go gewinnt Workshop
Als heissgeliebter Höhepunkt der Young Business Factory findet stets zum abschluß ein Workshop statt, bei dem die bunt zusammengewürfelten Teilnehmergruppen komplexe aufgaben zu lössen und zu präsentieren hatten. Dieses Mal konnte man es sich aussuchen, ob man einen Handels- oder Industriebetriebverkörpert, wichtig war einzig und allein, dass man einem der fünf Trends folgt - Gesundheit, Food Trend, Evolution der Shopformate, Nachhaltigkeit und Digitalisierung.

Zu entwickeln war ein voll durchkalkuliertes Marketingkonzept, das am Markt auch wirklich umsetzbar ist. Die fünfköpfige Jury - Vorsitzende Sigrid Göttlich, Thomas Schmiedbauer, Silvia Meißl, Andreas Haider und Matthias Zacek beurteilte, vergab Punkte und kürte schlußendlich die Siegergruppe.

Platz 1/Gruppe 2
Das Konzept von Hot Bio To Go - warme, gesunde Snacks im Modulsystem erhältlich an der heissen Theke - fand am meisten Anklang und somit gab es dafür mit 47 auch die höchste Punkteanzahl. Leicht umsetzbar, einfach zu kalkulieren, ideal für hochfrequente Supermärkte, aber auch Kinocenter, Malls und diverse Food-Events.

Platz 2/Gruppe 1
Hier stand der Spar Butler im Mittelpunkt, eine mobile Website, die - mit den unterschiedlichsten Vorlieben und Gewohnehiten des Users bestückt - in der Lage ist, die günstigsten angebote präferierter Artikel ausfindig zu machen, zusammenstellen und fixfertig zur Abholung bereitstellen zu lassen. Oder zum Home Delivery. Je nachdem. Dieses saubere Konzept war der Jury 43 Punkte wert.

Platz3/Gruppe 4
Hauchdünner Juryentscheid für den Superfood-Automaten, da mit 41 Punkten Punktegleichstand mit Gruppe 6 (Navi am Einkaufswagen) herrschte. Das KOnzept des Superfood-Automaten ist schnell erklärt: Superfood in frisch, also nicht als gefriergetrocknetes Pulver, hoher Conveniencegrad, leicht einzugrenzende Zielgruppe.

 

 

 

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