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Zeit für ein Bier oder zehn


Kategorie: Industrie, Food
24.04.2017 von Martin Ross

Die Stieglbrauerei kultiviert in der eigenen Bio-Landwirtschaft am Gut Wildshut beinahe in Vergessenheit geratene Urgetreidesorten in einer achtjährigen Fruchtfolge. Und dort finden auch die von Stiegl veranstalteten „Wildshuter Feldgespräche“ statt, die sich stets gesellschaftlich wichtigen Themen widmen.

Im Gespräch: Mag. Dr. Thomas Herdin vom Verein zur Verzögerung der Zeit, Zeitmanagement-Profi Paul Lürzer Msc., Schoellerbank-Vorstandsvorsitzender Mag. Franz Witt-Dörring, Slow Brewing-Gründer Dr. August Gresser und Stiegl-Chefbraumeister Christian Pöpperl © Foto Neumayr/Leo
Im Gespräch: Mag. Dr. Thomas Herdin vom Verein zur Verzögerung der Zeit, Zeitmanagement-Profi Paul Lürzer Msc., Schoellerbank-Vorstandsvorsitzender Mag. Franz Witt-Dörring, Slow Brewing-Gründer Dr. August Gresser und Stiegl-Chefbraumeister Christian Pöpperl © Foto Neumayr/Leo

In der von Stiegl im vergangenen Jahr initiierten Gesprächsreihe „Wildshuter Feldgespräche“ diskutierten kürzlich kompetente Gäste wie Mag. Dr. Thomas Herdin vom „Verein zur Verzögerung der Zeit“, Zeitmanagement-Trainer Paul Lürzer Msc., „Slow Brewing“-Gründer Dr. August Gresser, der Vorstandsvorsitzende der Schoellerbank Mag. Franz Witt-Dörring und Stiegl-Chefbraumeister Christian Pöpperl diesmal zum Thema „Luxusgut Zeit. Zeit ist Geld – Erfolgsfaktor oder Trugschluss?“. Wenn man sich einem menschlich so elementaren Phänomen wie „Zeit“ gedanklich nähert, dann merkt man bald, wie allumfassend es auf die Lebenspraxis des Einzelnen wirkt. Es gibt sehr viele bedenkenswerte Aspekte in Sachen Zeit – wie etwa Zeit-Politik, Beschleunigung (etwa von Produktionsprozessen) u.a. –, und diese kamen beim Wildshuter Feldgespräch auch zu Wort. Aus der Fülle der diskutierten Themen sei hier ein Trend hervorgehoben, der im Brauwesen immer wichtiger wird: Slow Brewing.

„Slow“als Erfolgsfaktor

Die scheinbar vorteilhaften Beschleunigungstendenzen haben oft verhängnisvolle Auswirkungen. Sich etwa bei der Herstellung von Produkten (zu) wenig Zeit zu nehmen, kann sich maßgeblich auf die Qualität auswirken. Durch optimierte – und „optimiert“ heißt nur zu oft: beschleunigte Herstellungsprozesse können Unternehmen Kosten sparen und ihre Gewinnmargen erhöhen. „Wir sind allerdings davon überzeugt, dass man schmecken und spüren kann, ob ein Produkt die nötige Zeit bekommen hat, die es braucht“, so Dr. August Gresser, Gründer und Geschäftsführer von „Slow Brewing“. Er hat mit „Slow Brewing“ das härteste und konsequenteste Gütesiegel am internationalen Biermarkt entwickelt. Gresser weiß, dass sich das Brauen mit Zeit sowohl auf den Geschmack als auch auf die Verträglichkeit eines Bieres auswirkt.

Entschleunigtes Bier


Bei einer langsamen Reifung entstehen weniger schlecht verträgliche Fusel-Alkohole als bei beschleunigten Verfahren, wie sie oft in der industriellen Massenproduktion zum Einsatz kommen. „Und das spürt man auch am nächsten Tag“, so der Slow-Brewing-Gründer. Gresser, selbst gelernter Braumeister, hob das Gütesiegel im Jahr 2011 aus der Taufe, weil es bis dato kein wissenschaftlich fundiertes Gütesiegel – das sowohl Qualität und Geschmack des Biers, als auch das bewusste und faire Handeln der Brauerei bewertet und auszeichnet – gab, und das, obwohl der europäische Biermarkt mit fast 7.000 Brauereien riesig ist und in jedem Land viele Verbände, Medaillen und Auszeichnungen existieren.

Gütesiegel für Slow Brewing


„Das Slow-Brewing-Gütesiegel bietet den Konsumenten nun einen konsequenten Wegweiser zu echter Bierqualität – mit mehr Geschmack, besserer Bekömmlichkeit und einem guten Gewissen beim Genießen“, ist Gresser überzeugt. Vergeben wird das Gütesiegel nach harter und umfangreicher Prüfung vom Slow-Brewing-Institut, einem unabhängigen und wissenschaftlich fundierten Kontrollorgan. Mittlerweile konnten 26 Brauereien aus Deutschland, Italien, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet werden. Eine der in Österreich mit dem Slow-Brewing-Gütesiegel ausgezeichneten Brauereien ist Stiegl. Sie alle bekennen sich zu einem gemeinsamen Werte-Set, das die Bierproduktion und die Unternehmenskultur definiert. Die Werte sind mit einer Vielzahl an Kriterien hinterlegt, die für die Zertifizierung ausschlaggebend sind.

Zum Slow-Brewing-Gütesiegel
Zum Verein zur Verzögerung der Zeit
Buchtipp: Hartmut Rosa, Beschleunigung – Die Veränderung der Zeitstrukturen in der Moderne. Frankfurt am Main 2005 (stw 1760)

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03.10.2017Vielfalt statt Patente

Franz J. Schweifer, 19.11.2018, um 13:06 Uhr

Finde Idee & Initiative großartig! Und das nicht nur als Stv. Vorsitzender des "Verein zur Verzögerung der Zeit", sondern auch als "Temposoph" & Zeitforscher - mit einem großen Faible für Sinn- & Zeitgenuss-stiftende Entschleunigung. Weiter so! HG aus der ManagementOASE Mödling, Franz J. Schweifer
PS: Hatte u.a. bereits in den frühen 1990iger-Jahren den "1. österreichischen Entschleunigungs-Workshop" initiiert. Und zuletzt 2017 erschienen: TEMPO ALL´ARRABBIATA. http://www.verlagdrkovac.de/978-3-8300-9288-9.htm
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