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„Der lange Weg der Verwertungskette ist unser Geschäft“

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V.l.n.r.: Peter Umundum (Österreichische Post), Florian Bell (Lekkerland), Ralf Hastedt (Avides), Markus Lang (Checkrobin) und Maximilian Mondel (Werbeplanung.at)/(Foto: Redaktion)
V.l.n.r.: Peter Umundum (Österreichische Post), Florian Bell (Lekkerland), Ralf Hastedt (Avides), Markus Lang (Checkrobin) und Maximilian Mondel (Werbeplanung.at)/(Foto: Redaktion)

Auf der etailment WIEN Konferenz kam es beim Panel „Individualisierte Logistik & modernes Retourenmanagement“ zu einer spannenden Gruppendiskussion, an der neben Peter Umundum (Österreichische Post) noch Ralf Hastedt (Avides Media), Markus Lang (Checkrobin) und Florian Bell (Lekkerland) teilnahmen.

Eröffnet wurde das Panel „Individualisierte Logistik & modernes Retourenmanagement“ mit einem Impulsvortrag von Peter Umundum (Österreichische Post). „In breiten Teilen Bevölkerung ist es vielleicht noch nicht ganz so bekannt, aber wir haben uns in den vergangenen Jahren im Bereich Fulfillment stark weiterentwickelt“, so Umundum zu Beginn seiner Präsentation. Hier wird laut Umundum stark am Mehrwert für den Kunden gearbeitet. Neben Weiterentwicklungen im Bereich First Mile wurden auch neue Features für die Last Mile konzipiert. Dabei nimmt das Handy eine immer größer werdende Rolle ein. So kann etwa mit der Post App, die vergangenes Jahr auf den Markt gekommen ist, abgerufen werden, ob das Paket schon angekommen ist beziehungsweise dieses umgeleitet werden. Wie Umundum betont, geht es vor allem „um die Flexibilisierung auf der letzten Meile“. Weitere Bausteine im Angebot der Post sind Empfangsboxen und Leistungen im Selbstbedienungsbereich.



Im Bereich der Lebensmittelzustellung ist die Österreichische Post aktiv am Voranschreiten neuer Angebote beteiligt. Vor allem Same Day Delivery wird ein immer wichtiger werdendes Thema. Umundum dazu: „Derzeit bieten wir diesen Service im Raum Oberösterreich an. Dieser soll noch dieses Jahr auf ganz Österreich ausgeweitet werden.“ Same Day Delivery ist aber laut Umundum nicht nur für Lebensmittel angedacht, sondern für alle Gegenstände, die eine schnelle Lieferung am gleichen Tag benötigen.



Anschließend kam es zu einer spannenden Gruppendiskussion, an der neben Umundum noch Ralf Hastedt (Avides Media), Markus Lang (Checkrobin) und Florian Bell (Lekkerland) teilnahmen. Moderiert wurde das Panel von Werbeplanung.at Chefredakteur Maximilian Mondel.



„Wir sind praktisch echte Internetpioniere“



Zu Beginn der Podiumsdiskussion kam es einer kurzen Vorstellungsrunde der Teilnehmer neben Umundum. „Wir sind praktisch echte Internetpioniere“, so Hastedt von Avides. Begonnen hat Hastedt mit dem Online-Versand in der eigenen Garage. Seitdem hat sich viel getan: Das B2C-Geschäft wurde eingestellt und Avides hat sich komplett auf B2B spezialisiert. „Wir beschäftigen uns mit allem, was man im Shop kaufen kann“, so Hastedt. Und weiter: „Bei uns gibt es keine Ausnahme, außer Lebensmittel, dieser Bereich erfordert andere Anforderungen. Wir wollen unseren Partnern einen sicheren Prozess bieten. Der lange Weg der Verwertungskette ist unser Geschäft.“ Im Laufe der Zeit ist Avides, wie Hastedt betont, „praktisch in dieses Geschäft reingerutscht“. So hatte Avides die Chance, Stück für Stück in den Bereich Retourenmanagement hineinzuwachsen.



Sinnvoll ungenutzten Platz verwenden



Checkrobin ist ein junges Startup, wie Lang ausführt: „Wir sind im Sommer 2013 gestartet und sehen uns selbst als erstes Unternehmen für die Mitfahrgelegenheit von Paketen.“ Lang will mit Checkrobin einen einfachen, schnellen und flexiblen Transport von Dingen garantieren. Die Unternehmensphilosophie von Checkrobin richtet sich danach aus, ungenutzten Platz sinnvoll für spontane Transporte zu verwenden und Fahrern eine Möglichkeit zum Zusatzverdienst zu bieten. Zu Beginn war die größte Angst des Unternehmens, dass Kunden den Service für Dinge nutzen, die verboten oder gefährlich sind. Lang nimmt dazu Stellung: „Wir hatten noch nie ein schlechtes Erlebnis mit verzögerten oder beschädigten Lieferungen. Wenn man die Menschen persönlich motiviert, bekommt das Ganze eine eigene Dynamik.“ Eines der Ziele von Checkrobin ist es, eine Bewusstseinsveränderung bei den Menschen herbeizuführen, so Lang: „Dies ist für uns die größte Herausforderung. Und natürlich, neue Fahrer zu gewinnen, damit das Netz an Angeboten dichter wird. Auf Senderseite gibt es bereits genug Nachfrage.“ Skurrile Transporte gab es ebenfalls schon: Laut Lang wurde einmal etwa das Gebiss einer älteren Dame befördert.



„Keine Konkurrenz zum klassischen Anbieter“



Wie ergänzen beziehungsweise kannibalisieren sich nun die Angebote der Österreichischen Post und Checkrobin? „Ich halte es für eine nützliche Ergänzung, die auch auf dem Markt angenommen wird“, zeigt sich Umundum ruhig. Auch Lang betont, dass Checkrobin sich „nicht als Konkurrent zum klassischen Anbieter“ sieht, da die Alternative bei den meisten Kunden sowieso nicht der Versand mit der Post ist.



Lekkerland liefert alle Sortimente



Wie Florian Bell betont, beliefert Lekkerbell Sortimente in allen Temperaturen – Trocken-, Kühl- und Tiefkühl-Sortimente. Bell spricht bei der etailment WIEN nicht nur als Head of Logistics Mitglied der Geschätsleitung bei Lekkerland Österreich, sondern ist auch als Vorstandsmitglied BVL Bundesvereinigung Logistik Österreich tätig: „Wir beschäftigen uns in der BVL auch sehr stark mit dem Lebensmittelhandel. Wir versuchen gerade einen Leitfaden für österreichische Unternehmen auszuarbeiten.“ Auch B2C-Handel erachtet Bell als heißes Thema für Lekkerland, hier sieht er die Hürde aber vor allem in der Retourenlogistik.



Same Day Delivery als heißes Thema



Auch Same Day Delivery war ein Thema bei der Gruppendiskussion. „Welche Chancen sehen Sie hier für die Zukunft?“, fragte Moderator Maximilian Mondel. Bell sieht dies im Lebensmittelhandel eher als „Add-On“ und kann den Einzelhandel seiner Aussage nach eher nicht an die Wand spielen. Umundum sieht die Österreichische Post hier als „sehr gut vorbereitet“ und die Situation „als eher enstpannt, da dieser Bereich langsam, aber doch wächst“. Umundum betont aber, dass Same Day Delivery nur schwer angenommen wird, wenn dadurch weitere Kosten anfallen. Für Hastedt wird sich Same Day Delivery vor allem in den Ballungszentren stark ausbreiten: „Wenn Riesen-Player wie Amazon hier so stark investieren, muss Same Day Delivery auch einmal bei der breiten Masse ankommen.“ Jedoch muss man sich im Vorfeld laut Hastedt noch fragen, wie und in welchen Mengen transportiert wird und wie Kosten am besten niedrig gehalten werden können. Bei Checkrobin liegt die Zeitpanne, bis sich nach einem Auftrag Fahrer und Sender treffen, bei durchschnittlich 45 Minuten. Schnelle und flexible Transporte sind somit ein Ausrufezeichen des Unternehmens.



Geringe Chancen für Drohnen



Drohnen, so sind sich alle Diskussionsteilnehmer einig, werden in nächster Zeit keine Rolle spielen. Hastedt sieht dies sogar als „Marketing-Gag von Jeff Bezos“, Umundum eher für spezielle Fälle, wie etwa Medikamente auf einen Berg zu transportieren.



Wohin gehen die Trends?



Bei Same Day Delivery könnten Boxen auch Möglichkeiten für etwa kleinere Bio-Bauern, die keine ganze Palette befördern, bieten, wie Bell betont. Beim Thema Retourenmanagement könnten laut Bell auch Tools zur Körpervermessung eine Rolle spielen. Die Zeitfenster bei der Lieferung werden immer kürzer, wie Lang betont. Darum müssten Daten zu Lieferzeiten genauer angepasst werden. „Punkt- und zeitgenau zuzustellen“ erachtet Umundum als wichtig für die Zukunft, genauso wie das Thema Internationalisierung. Die Digitalisierung vieler Angebote erachtet Umundum als wichtig, denn: „Der Kunde hasst den Gelben Zettel.“



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