bluesource mobile solutions: W. Stockner: Meh...
 
bluesource mobile solutions

W. Stockner: Mehrwert an der Fingerspitze

bluesource mobile solutions
Wolfgang Stockner spricht im CASH-Interview über die Entwicklungen am Markt für Firmen-Apps.
Wolfgang Stockner spricht im CASH-Interview über die Entwicklungen am Markt für Firmen-Apps.

Wolfgang Stockner, Mitgründer und CEO des Software-Entwicklers bluesource Mobile solutions, spricht im CASH-Interview über den Unterschied zwischen B2B- und B2C-Apps und wie diese die Kommunikation zu Kunden und Mitarbeitern beeinflussen.

CASH: Herr Stockner, bluesource mobile solutions hat bereits Kunden- und Mitarbeiter-Apps für Rewe International, den Zahlungsanbieter Blue Code und die Österreichische Apothekenkammer entwickelt. Wie sieht der Verlauf eines solchen Projekts aus?
Wolfgang Stockner: Das hängt sehr stark von der jeweiligen Kundengruppe und dem geplanten Projekt ab. Banken, Telekommunikations- Unternehmen und der LEH haben unterschiedliche Anforderungen. In den meisten Fällen starten wir mit einer Konzeptphase, die bereits kostenpflichtig ist. So sortieren wir aus den 20 bis 30 wöchentlichen Anfragen jene Projekte heraus, die auch wirklich ernst gemeint sind und bei denen sich die Entwicklung auszahlt. Basierend auf den gesammelten Ideen erstellen wir Prototypen, die solange weiterentwickelt werden, bis wir eine nutzbare App haben. Je besser das Konzept ausgearbeitet ist, umso kürzer dauert das eigentliche Programmieren. Dem Release folgt dann eine Nachbetreuung der App.


Und wie unterscheiden sich Endverbraucher-Apps von solchen für Mitarbeiter?
Kunden-Apps haben einen wesentlich größeren Nutzerkreis und laufen dadurch auf mehreren Systemen, also Handys. Wir programmieren hauptsächlich native Apps, das heißt eigene Versionen für iOS und Android. Das ist für die Kompatibilität und die Handhabung von Vorteil, da sich Benutzer mit der gewohnten Bedienoberfläche wohler fühlen. Apps für Verbraucher müssen diese immer wieder zur Verwendung motivieren. Downloads oder Anmeldungen sind kein guter Indikator für den Erfolg der App – wie oft sie genutzt wird, jedoch schon. Mitarbeiter-Apps hingegen sind funktioneller gehalten. Sie haben sich besonders in den vergangenen zwei bis drei Jahren als Kommunikations-Werkzeug gut etabliert. Wir merken, dass dadurch Mitarbeiter, die am Arbeitsplatz keinen Zugang zu einem Computer haben, wesentlich besser in die Geschehnisse ihrer Unternehmen eingebunden werden können.

Mit mobile-pocket haben Sie auch eine eigene App für die Verwaltung von Kundenkarten entwickelt. Wie hebt sie sich von anderen Apps dieser Art ab?
Zunächst ist mit Bluecode eine integrierte Zahlungsmöglichkeit vorhanden. Zudem lizensieren wir das System an Banken und Wallet-Betreiber. Über ein Online-Portal können Händler zudem Kampagnen erstellen und gezielt verbreiten. Die Mitt-30erin in Wien mit Vorliebe für Parfüm, die vergangenes Jahr nichts gekauft hat erhält über mobile-pocket ein auf sie zugeschnittenes Angebot vom Händler. Ein regelrechtes Ökosystem für Handel und Zahlungsanbieter also.

Etwas Ähnliches hat Rewe International mit dem jö-Bonusclub gestartet. Was halten Sie davon?
Das war ein mutiger und notwendiger Schritt. Durch die Bündelung der Kundenstämme der teilnehmenden Unternehmen können die Erkenntnisse für das Targeting der Konsumenten stark verbessert werden. Schade finde ich nur, dass die Handelsketten durch die Vereinheitlichung des Treueprogramms in den Hintergrund rücken. Ich verstehe aber auch die Skepsis der Konsumenten, wenn ihre Daten gesammelt und verwendet werden.

Verkaufen Sie denn Kundendaten?
Nein, wir verfügen auch über keine persönlichen Kundendaten. Bei uns ist lediglich gespeichert, welche Karten zu welchem Account gehören und wie oft sie verwendet werden. Diese Datensätze werden von uns in einem europäischen Hochsicherheits-Datenzentrum verwaltet und wir werden regelmäßig auditiert. Das Vertrauen von Firmen- und Privatkunden ist uns sehr wichtig – ein Datenleck würde uns enorm schaden. Unsere Finanzierung, um auf die Frage zurück zu kommen, läuft rein über die Lizensierung der Apps an Firmenkunden und die Ausspielung von Werbekampagnen.

Das war aber nicht immer so – als bluesource 2001 gegründet wurde, gab es Apps noch gar nicht. Wie ist bluesource zum Entwickler geworden?
Zunächst waren wir im Consulting und in der Projektleitung tätig. Als 2006 Apple und Google die Smartphones popularisiert haben war uns schnell klar, dass wir auf deren Plattformen tätig werden müssen. Seither konnten wir für namhafte Kunden Apps auf den Markt bringen. Heute entwickeln wir 30 bis 40 Prozent unserer Apps für B2B-Gebiete wie Mitarbeiterkommunikation, Verwaltung oder Wartung. Es hat sich gezeigt, dass eine eigene Mitarbeiter-App Sinn macht, wenn mindestens 500 Personen in einem Unternehmen tätig sind. Spätestens ab 2.000 Mitarbeitern ist eine solche unserer Ansicht nach zwingend notwendig.

In Ihrer Firmengeschichte haben Sie mehrfach expandiert: Gestartet hat ihr Unternehmen in Hagenberg, wo Ihre Zentrale gerade innerhalb des Softwareparks umgezogen ist. Das Büro in Wien gibt es seit 10 Jahren, seit 2011 sind Sie im Silicon Valley angesiedelt. Was tut sich in den USA im Bereich der Kundenbindung?
Um die aktuellen Trendsetter zu finden, müssen wir in die andere Richtung schauen, nach Osten. In China finden täglich mehr Transaktionen über Apps statt als in Zentraleuropa in einem ganzen Jahr. Eigentlich hat China die Kreditkarte übersprungen, jetzt sind sie uns bei der Kundenbindung weit voraus. Ich glaube aber, dass Österreich hier aufschließen könnte. Hierzulande sind die Bankomatkarten schon auf die kontaktlose Funktionsweise umgestellt worden, der Sprung aufs Handy passiert gerade. Dafür muss den Kunden aber die Sicherheit glaubhaft vermittelt werden und es braucht einen tatsächlichen Mehrwert.

Dann wird die nächste bluesource-Außenstelle wohl eine chinesische Adresse haben?
Wenn es sich ergibt, ist das nicht auszuschließen.

Herr Stockner, ich danke für das Gespräch.
bluesource mobile solutions
Gründung: 2001 als bluesource OEG von 3 Absolventen der FH Hagenberg
Niederlassungen: Zentrale in Hagenberg, Wien seit 2009, Silicon Valley (Sunnyvale) seit 2011
Mitarbeiter: 50
Apps programmiert für: Merkur, Bipa, RE/MAX, ÖAMTC, Vodafone, Synthesa, Harreither, Eurovisions Song Contest

stats