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GS1 Austria

Alexander Schaefer: "Lieferketten sind wie stille Post"

Petra Spiola

Bei der Blockchain könnte sich 2022 einiges tun, weiß GS1 Austria-CIO Alexander Schaefer. Mit praktischen Beispielen hat das Unternehmen bereits bewiesen, dass hinter dem Begriff mehr als nur ein Buzzword steckt. Mit CASH spricht der Experte über die Potenziale und Probleme der dezentralen Datenbanken.

CASH: Herr Schaefer, wo sehen Sie die relevantesten Anwendungsgebiete für Blockchains und NFTs in der Wirtschaft?
Alexander Schaefer: Überall wo wichtige Daten sicher in Bezug auf Unverfälschbarkeit gespeichert werden müssen, spielt die die Blockchain eine Rolle. Wenn sie Daten klassisch bei einem Cloudprovider speichern, bleibt Ihnen nichts Anderes übrig, als demjenigen zu vertrauen, der die Daten physisch unter Kontrolle hat, vor allem dann, wenn mehrere Partner an Transaktionen beteiligt sind. Nehmen wir jetzt die internationale Supply Chain, da haben wir zahlreiche Teilnehmer in der Produktions- und Lieferkette, die sich oftmals gar nicht alle kennen und schon gar nicht vertrauen. Wenn jetzt alles digital abgewickelt werden soll, dann stellt sich die Vertrauensfrage massiv. Aktuell haben wir ein streng sequentielles System, das nur teilweise digitalisiert ist, jeder Geschäftspartner übergibt Informationen an den nächsten bis zum Endverbraucher. Also ein klassisches „Stille Post“-Spiel. Jeder Beteiligte entscheidet selber, welche Informationen er wann dem Nächsten zur Verfügung stellt. Jeder Unternehmer kann erst reagieren, wenn ihm sein Lieferant die Daten liefert. Die Blockchain kann dieses Stille-Post-Spiel verhindern und eine durchgehende Transparenz bringen. Wenn der Produzent in Österreich in Echtzeit weiß, dass es Verzögerungen bei der Rohstofflieferung bei seinem Vorlieferanten in China gibt, kann er sich rechtzeitig darauf einstellen oder Ersatzbeschaffungen vornehmen.

Wo kommen NFTs hier ins Spiel?
Ich persönlich glaube, das NFTs einen großen Sprung im Recycling-Bereich bringen werden. Bisher war es einfach zu aufwendig Gebinde und andere recyclingfähige Materialien lückenlos zu tracken und den Stakeholdern den gerechten Anteil zukommen zu lassen. Ein NFT ermöglicht hier einen Quantensprung. Fälschungssicher können Pfandgebinde einfach und damit günstig retourniert und vergütet werden. Durch den digitalen Zwilling kann ein Gebinde nur einmal zurückgegeben werden. Das ermöglicht Recycling in Bereichen, die sich bisher nicht gelohnt haben. Auch Kleinstbeträge kleiner als ein Cent können über die Blockchain automatisch und sehr einfach vergütet werden. Ein weiteres Potential können Vermietungen von Objekten, Gegenständen oder Fahrzeugen sein.

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