Radar Cyber Security: Ali Gülerman: In der di...
 
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Ali Gülerman: In der digitalen Welt ist der Dieb noch im Haus

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Wo sind die größten Einfallstore für Cyber-Kriminelle, was bedeutet das für neue Geschäftsmodelle und wie kann man sich schützen? Ali Gülerman, CEO und Managing Director von Radar Cyber Security, hat die Antworten.

CASH: Herr Gülerman, immer mehr Unternehmen aus der FMCG- und Handelsbranche werden zu Zielscheiben für Cyberkriminelle. Was macht sie so attraktiv für Hacker?
Ali Gülerman: Organisierte Kriminalität ist ähnlich organisiert wie ein Unternehmen. Es gibt einen Chef, Investoren und einen Markt, in dem Fall das Darknet. Nahrungsmittelhersteller und Händler sind für Kriminelle lohnende Ziele, da sie sehr sensible Produkte haben. Sie können es sich nicht leisten, lange Produktions- und Lieferausfälle in Kauf zu nehmen. Die Hacker erhoffen sich dadurch vereinfacht gesagt, schnelles Geld.

Wie groß schätzen Sie die Gefahr für heimische Unternehmen ein?
Die Gefahr ist sehr groß. Der größte Markt für Cyber Security sind die USA, Platz zwei ist Europa. Nachdem der US-Markt aber fünf bis sieben Jahre vor dem europäischen liegt, haben es die Hacker dort immer schwerer, sodass sie sich vielfach auf Europa konzentrieren, wo es viele lohnende Ziele gibt. Viele Systeme unserer Unternehmen sind noch nicht optimal geschützt, da sie sich noch zu wenig mit diesem Thema beschäftigen. Viele Unternehmen denken nur über IT-Sicherheit nach, IT-Sicherheit ist aber nicht gleich Cyber Security.

Was machen Cyber-Security-Spezialisten?
Bei uns dreht sich viel um Data Mining und Big Data Analytics. Es geht darum, wiederholbare Muster und Abweichungen zu erkennen und die Nadel im Daten-Heuhaufen zu finden. Dafür beobachten wir die gesamten Netzwerksysteme unserer Kunden und haben alle Quellen von Laptop, Computer und Handy bis zum Fernseher erfasst. Unsere Software schlägt Alarm, sobald ein Vorfall geschieht, der vom Normalbetrieb abweicht.

In Schweden war Coop vor Kurzem von einem Hackerangriff massiv betroffen. In Österreich gab es vereinzelt auch schon Fälle, über die in der Öffentlichkeit wenig bis gar nicht gesprochen wurde. Wie sicher sind die Systeme der Handelsunternehmen?
Die Händler machen in ihren Kerngeschäften einen ausgezeichneten Job. Was die Cyber Security angeht, haben sie aber Aufholbedarf. Sie wollen die Customer Experience vorantreiben und beispielsweise kommunizierende Regalsysteme implementieren. Das ist prinzipiell auch gut so, es erleichtert die Arbeit und erhöht den Komfort. Problematisch wird es, wenn dem Logistikchef unklar ist, dass das kommunizierende Regalsystem in die Cyber-Security eingebunden werden muss, da es sonst ein Einfallstor für Hacker bietet. Zwischen der IT und dem Kerngeschäft der Händler gibt viel zu oft einen Blind Spot. Darum braucht es geschulte Cyber-Security-Mitarbeiter, die auf beide Bereiche aufpassen. Die Unternehmen müssen erstens verstehen, dass Cyber Security Teil ihres Geschäftsmodells sein muss. Zweitens müssen sie sich bewusst werden, dass Cyber Security nur bedingt etwas mit IT zu tun hat – es ist also eher ein Thema auf Vorstandsebene, das bei allen weiteren Unternehmensentscheidungen, wie etwa Expansion oder Weiterentwicklung in digitalen Bereichen bedacht werden muss.

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