CASH+/AMA-Marketing: Verschwörung - Theorie u...
 
CASH+/AMA-Marketing

Verschwörung - Theorie und Praxis

Willy Zwerger
Das heurige AMA-Forum als Webinar: AMA-Marketing-GF Michael Blass und AMA-Marketing-Unternehmenssprecherin Manuela Schürr
Das heurige AMA-Forum als Webinar: AMA-Marketing-GF Michael Blass und AMA-Marketing-Unternehmenssprecherin Manuela Schürr

Zeitgemäß fand auch das heurige AMA-Forum nur online als Webinar statt. Aktuelles Diskussionsthema: Alles rund um Verschwörungstheorien und wie man ihnen den Wind aus den Segeln nimmt.

Unter der Moderation von AMA-Marketing-Unternehmenskommunikations-Leiterin Manuela Schürr begrüßte AMA-Marketing Geschäftsführer Michael Blass Referenten wie Teilnehmer an den Bildschirmen mit dem Hinweis, dass heuer alles anders sei, unser aller Leben förmlich Kopf stehe und aufgrund der Tatsache, dass keiner mehr so genau wisse, was Fake und was Fakt sei, permanent große Verunsicherheit um sich greift. Blass: "Desinformationen beherrschen unser Leben, was fehlt ist die Orientierung. Umso mehr ist es die Aufgabe der AMA-Marketing, mit Fakten zu kontern, Halt zu geben und somit zur Stabilität beizutragen."
Zu Beginn des ersten Lockdowns Mitte März dieses Jahres sei auch die AMA ein anderes Unternehmen geworden, haben sich neue Formen der Kommunikation verbreitet, ist das Virtuelle die neue Realität geworden.
"Dennoch", so Blass, "haben wir neue Ideen wie zum Beispiel die Abteilung Kulinarik verwirklicht und uns sowie unser tagtägliches Tun auf online und Home Office umgestellt."
Während des ersten Lockdowns startete auch die neue Kampagne "Unsere Bauern liefern" mit dem Subtitel "Wir alle brauchen uns alle" - eine Imagekampagne, die sich primär an den LEH als wichtigsten Vermittler zwischen Bauern und Konsumenten richtet. Es geht ums bewußte Einkaufen, ums Aufzeigen von Kreisläufen, um die Wichtigkeit unserer vielfältigen Kleinstrukturen und letztendlich um Vertrauen.
Hier baut die Kampagne auf die bestens bewährten Gütesiegel wie eben das AMA-Gütesiegel, das AMA-Bio-Gütesiegel und jetzt neu das AMA-Genussregion-Gütesiegel.
"Wir werden auch", so Blass weiter, "hinkünftig die Kreativität mehr in unser Haus zurückholen, wir möchten vorausblicken, Taktgeber sein und uns auch mehr für Tierwohl, Regionalität und Diversität einsetzen." Vor allem in der Kulinarik sieht Blass ein hohes Potenzial, Vertrauen und Sicherheit in unsere landwirtschaftlichen Produkte wieder zurückzugewinnen und damit auch im Ausland zu punkten. Ein Exportplus von satten vier Prozent im ersten Halbjahr 2020 geben da zusätzlich Hoffnung.
Derzeit werde eine umfassende Klimastudie erstellt, man möchte damit, so Blass, "ein starkes Statement in der Klimadiskussion setzen und dabei die Alm als wichtigen Bestandteil des Nation Brandings hervorheben".

Werner Beutelmeyer: Langsam steigt der Optimismus wieder

Der Institutsvorstand des Market-Instituts berichtete von einem noch vor Kurzem fast ins Bodenlose reichenden Stimmungstief der Österreicher, das jedoch momentan wieder drauf und dran ist, sich sukzessive in die Höhe zu schrauben. Die Gründe dafür lägen auf der Hand: Einerseits die aktuell rückläufigen Infektionszahlen im verschärften Lockdown und andererseits die Hoffnung auf Impfstoffe und somit auf eine Beherrschbarkeit des leidigen Coronavirus.
"Diese Wende in eine neue, positive Phase", so Beutelmeyer, "wirkt sich direkt auf die Wirtschaft aus, man ist wieder zuversichtlich und freut sich auf die Zeit nach dem Lockdown." Auch habe er einen interessanten Lernprozess bei der Bevölkerung festgestellt. Man schätzt plötzlich Werte wieder. Allerdings: Große Teile der Bevölkerung sind nach wie vor verunsichert, somit anfällig für Verschwörungstheorien beziehungsweise mit der momentanen Situation völlig überfordert. Beutelmeyer: "Die meisten Gefühle in derlei Zeiten sind nichts anderes als Ängste. Was fehlt ist die Orientierung, das Einordnen der jeweiligen Situationen funktioniert nicht mehr. Waren die Österreicher im ersten Lockdown noch überaus diszipliniert im Befolgen der Anordnungen der Regierung, hat sich das jetzt im zweiten Lockdown grundsätzlich geändert. So wird die gesundheitliche Bedrohungssituation völlig anders wahrgenommen, größtenteils bagatellisiert bis negiert. Jedem ist klar: Die Wirtschaft ist wichtiger als die Gesundheit, weil man diese ohnehin bald in den Griff bekommen würde. Daraus resultiert auch der momentan vorherrschende Optimismus für 2021.

Claus Oberhauser: Verschwörungstheorien sind ganz normal

Der Leiter des Instituts für fachdidaktische und bildungswissenschaftliche Forschung und Entwicklung an der Uni Innsbruck ortet in seiner Beurteilung große Vertrauensverluste der Bevölkerung in etablierte Systeme und stellt fest, dass auch die Medien nicht mehr in der Lage seien, so etwas wie Objektivität auf die Sicht der Dinge zu bringen. Für Oberhauser somit eine glasklare Folgerung: "Die Irritation der Gesellschaft ist damit vorprogrammiert. Und Verschwörungstheorien sind Tür und Tor geöffnet, die sind nämlich völlig normale Reaktionen auf Krisenphänomene. Nichts ist mehr wie es scheint in Verbindung mit der Meinung, dass es keine Zufälle gibt, sowie, dass alles miteinander verbunden ist, ist ein perfekter Nährboden dafür."
Dazu komme, dass das Internet und die sozialen Medien alles noch zusätzlich verstärken. Einerseits werden Fakten weitaus schneller verbreitet wie früher, andererseits aber auch Fake-Meldungen und eben Verschwörungstheorien. Präventiv kann man dem jedoch sehr wohl entgegenwirken. "Nämlich durch gezielte Informationspolitik", ist sich Oberhauser sicher, "wobei es dabei ganz wichtig ist, dass die verbreiteten Infos von einer seriösen, mit bestem Ruf behafteten Quelle stammen".
Ihm sei aber klar, dass man eingeschworene Verschwörungstheoretiker auch dadurch nicht von ihrer Meinung abbringt, jedoch bei jenen, die nur zugänglich sind dafür, sei sehr wohl noch lange nicht Hopfen und Malz verloren. Ein weiteres Phänomen sei hingegen die Tatasache, dass viele Menschen alles Staatliche und somit auch alles von der Regierung Verordnete, ablehnen. Auch wenn dieses wissenschaftlich fundiert ist und durchaus Sinn macht. Und, wahrscheinlich ein typisch österreichisches Phänomen: Der Anteil der Meinungslosen ist besonders hoch, was unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass die kommunikative Performance der Regierung extrem schwach sei. Oberhauser: "Je intransparenter und inhaltsleerer deren Botschaften sind, desto ausgeprägter sind die Verschwörungstheorien, aber auch die Ängste." Was momentan am meisten fehlt, ist die Glaubwürdigkeit.
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