ARA: Corona bringt Kreislaufziele in Gefahr
 
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Corona bringt Kreislaufziele in Gefahr

ARA AG/APA-Fotoservice/Tesarek
v.l.: ARA Aufsichtsratsvorsitzender Alfred Berger, ARA Vorstand Werner Knausz und ARA vorstand Christoph Scharff
v.l.: ARA Aufsichtsratsvorsitzender Alfred Berger, ARA Vorstand Werner Knausz und ARA vorstand Christoph Scharff

Angesichts der momentanen Situation warnt die Altstoff Recycling Austria (ARA) vor langfristigen Strukturschäden für die österreichische Recyclingbranche. Das große Problem: Für die EU-Kreislaufwirtschaftsziele muss das Recycling von Kunststoffverpackungen bis 2025 verdoppelt werden, derzeit stehen jedoch 75 Prozent der Anlagen krisenbedingt still.

ARA Vorstand Christoph Scharff findet deutliche Worte: "Wirtschaftsforscher und Politik sprechen von der größten Wirtschaftskrise seit 75 Jahren. Die Auswirkungen des Konjunktureinbruchs auf die Sammelsysteme und die Nachfrage nach Recyclingrohstoffen sind unübersehbar und gefährden das österreichische Recyclingsystem.“ Und weiter: "Bei all dem dürfen wir keinesfalls die Zukunft und unsere europäischen Kreislaufwirtschaftsziele aus den Augen verlieren: Umwelt- und Klimaschutz durch Ressourcenschonung. Unser Verpackungsrecycling liefert jährlich nicht nur rund 900.000 Tonnen Recyclingrohstoffe, sondern entlastet auch das Klima jedes Jahr um rund 700.000 Tonnen CO2-Äquivalente."

Sorgenkind Kunststoff

Österreich ist in Sachen Recycling ja bekanntlich im europäischen Spitzenfeld und hat bereits heute die Zielvorgaben des EU-Kreislaufwirtschaftspakets 2025 für Verpackungen aus Papier, Glas und Metall erfüllt. „Kunststoff bleibt jedoch die große Herausforderung“, so ARA-Vorstand Werner Knausz. Um die von der EU vorgeschriebene Recyclingquote von 50 % Kunststoffverpackungen im Jahr 2025 zu erreichen, braucht es eine Verdopplung des Recyclings von aktuell 75.000 Tonnen auf 150.000 Tonnen in den kommenden vier Jahren. Dazu kommt die aktuell schwierige Situation der Kunststoff-Recyclingbranche. „Der durch die Krise bedingte Rohölpreisverfall, der enorme Kostendruck auf Unternehmen sowie der Stillstand ganzer Industrien führen aktuell zu einem Einbruch der Nachfrage von Recyclingrohstoffen. Es drohen der Verlust von Arbeitsplätzen, Insolvenzen sowie große Einbußen entlang der Wertschöpfungsketten."
All das erschwert die Erreichung der EU-Ziele beträchtlich. Denn mittelfristig ist mit keiner Erholung zu rechnen und am Ende fehlen die notwendigen Mittel für Investitionen. Diese aber werden gerade jetzt dringend benötigt. Knausz weiter: "Um die EU-Ziele 2025 zu erreichen, sind in den nächsten Jahren Investitionen zur Kapazitätssteigerung bei Sammlung, Sortierung und Recycling im Haushalts- und Gewerbebereich um jeweils 40 % notwendig, deshalb brauchen wir jetzt rasche, effiziente und nachhaltige Unterstützung, damit die Kreislaufwirtschaft in Österreich nur wenige Monate verliert, aber nicht um Jahre zurückfällt.“

Frisch geschnürtes Resilienzpaket

Um noch größere Schäden zu verhindern, hat die ARA ein Reslienzpaket geschnürt, das auch bereits der Politik vorgestellt wurde. "Es soll", so Scharff, "strukturelle Unterstützung für die Akteure der Branche bringen. Damit könnten Sammlung, Sortierung und Recycling aufrechterhalten und derzeit nicht absetzbare Sekundärrohstoffe zwischengelagert werden. Als weitere Konsequenz würden die Arbeitsplätze entlang der Wertschöpfungskette gesichert werden und ausreichend Recyclingrohstoffe beim Neustart den österreichischen Produktionsbetrieben zur Verfügung stehen".
Abschließend noch eine positive Meldung: 2019 bilanzierte die ARA positiv - Mit 1,09 Mio. Tonnen gesammelten Verpackungen und Altpapier befindet man sich weiter auf Rekordniveau (+ 0,2 % zu 2018).
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