: „Das Geschäft mit dem Versandhandel ist ei...
 

„Das Geschäft mit dem Versandhandel ist ein junges Geschäft“

-
Peter Umundum, Vorstand Paket & Logistik der Österreichischen Post und Andreas Kreutzer, geschäftsführender Gesellschafter von Kreutzer Fischer & Partner, gaben Einblicke in Entwicklungen des österreichischen Versandhandels, der stark von Onlinekatalogen lebt. (Foto: Manuel Stenger)
Peter Umundum, Vorstand Paket & Logistik der Österreichischen Post und Andreas Kreutzer, geschäftsführender Gesellschafter von Kreutzer Fischer & Partner, gaben Einblicke in Entwicklungen des österreichischen Versandhandels, der stark von Onlinekatalogen lebt. (Foto: Manuel Stenger)

Am 8. September 2014 lud die Österreichische Post in ihre Unternehmenszentrale in Wien zur Präsentation einer Paketstudie, durchgeführt vom Beraternetzwerk Kreutzer Fischer & Partner. Die Veranstaltung stellte die Ergebnisse über Volumen, Struktur und Zufriedenheit der Paketempfänger vor.

Zu Beginn der Veranstaltung präsentierte Andreas Kreutzer, der geschäftsführende Gesellschafter von Kreutzer Fischer & Partner, die wichtigsten Erkenntnisse der Untersuchung. Anschließend gab Peter Umundum, Vorstand Paket und Logistik der Österreichischen Post, Einblicke über Neuerungen und Entwicklungen im Unternehmen. Um die aktuellsten Ergebnisse zu erhalten, wurde ein Untersuchungszeitraum der letzten sechs Monate gewählt. Der B2C Paketmarkt mit 42 Millionen Paketen wächst in Österreich weiter, zuletzt mit 1,5 Prozent. Der Onlinehandel spielt heute bereits eine wichtige Rolle. Laut Kreutzer wird im Versandhandel bereits zu 80 Prozent über das Netz bestellt. Jedoch spiele die Bestellung per Telefon noch immer eine Rolle. Geringsten Anteil hat das Ordern mittels Bestellkarte.



Junge Zielgruppe



Bei der Studie konzentrierte sich das Institut auf drei Altersgruppen zwischen 15 und 65 Jahren. Mit 92 Prozent haben im letzten halben Jahr die 15 bis 30-Jährigen am häufigsten Pakete bestellt. In der Gruppe von 31 bis 45 Jahren sind es noch 72 Prozent, während bei den 46 bis 65-Jährigen der Prozentanteil nur mehr bei 50 liegt. „Das Versandhandel-Geschäft ist ein junges Geschäft“, gibt Kreutzer zu verstehen. Am häufigsten wird laut Studie mit 41 Prozent Bekleidung bestellt, dahinter mit 31 Prozent Medien und 19 Prozent ordern über den Versandhandel Elektrogeräte. Jedoch gibt es geschlechterspezifisch einen signifikanten Unterschied: Während diese Kategorien bei den Männern ziemlich ausgeglichen aufscheinen, bestellen 53 Prozent der Frauen Bekleidung. Medien weisen bei den Bestllungen von Frauen nur mehr 29 Prozent auf, Elektrogeräte liegen sogar nur mehr bei elf Prozent. Als Zustelladresse wird mit 88 Prozent größtenteils die eigene Wohnadresse angegeben. Nur sieben Prozent bestellen das Paket Richtung Arbeitsplatz, obwohl 69 Prozent angeben, dazu die Möglichkeit zu haben. 20 Prozent aller Pakete werden zurückgesandt, dies sind neun Millionen Pakete, die von Österreichern pro Jahr retour geschickt werden. Auch hier macht der Bekleidungsmakrt mit 80 Prozent den größten Anteil aus. Kreutzer erklärt dies so: „Es ist eben sehr unkompliziert, Bekleidung zurückzuschicken.“



Versandhandel punktet im ländlichen Bereich



Ebenfalls gibt es im Versandhandel ein verstärktes Stadt-Land-Gefälle. Das Katalog- und Versandhandel-Geschäft ist am Land viel beliebter als in der Stadt. Kreutzer dazu: „Hier liegt die Stärke des Versandhandels. Der stationäre Handel kann in den ländlichen Gebieten nicht den gleichen Nutzen bieten wie in der Stadt. Der Versandhandel schließt somit diese Lücke.“ Kreutzer betont ebenfalls, dass durch den Versandhandel hier Distributionslücken geschlossen werden. In der Studie wurden alle Orte als Stadt ausgewiesen, die mehr als 100.000 Einwohner haben.



Ausbau von Empfangsboxen



Umundum gab Einblicke in aktuelle Entwicklungen im Paketversand der Österreichischen Post. Knapp 7.300 Empfangsboxen wurden seit Anfang des Jahres in Wohnanlagen installiert, die nur vom Empfänger mittels RFID-Chip geöffnet werden können. 8.000 Boxen sollen es dieses Jahr noch werden. Ebenfalls werden die SB-Zonen weiter ausgebaut. Aktuell 217, sollen hier bis Jahresende 250 Geräte vorhanden sein. 600.000 Geschäftsfälle wurden über die Selbstbedienungszonen dieses Jahr bereits abgewickelt. Die SB-Bereiche spielen vor allem beim Zurücksenden der Pakete eine große Rolle, so Umundum. „Bereits 15 Prozent der Retourpakete werden über diesen Service abgewickelt“, so der Vorstand Paket und Logistik der Österreichischen Post.



Einen weiteren Service bietet die Österreichische Post mit ihrer Anfang Juli auf den Markt gebrachten App, die bereits bei 45.000 Downloads hält. Diese ermöglicht, Pakete noch vor der Zustellung an eine andere Adresse umzuleiten – dies kann eine Postfiliale in der Nähe, eine Abholstation der Österreichischen Post oder eine private Adresse sein. Durch die Post-App wurde der Gelbe Zettel ebenfalls digitalisiert: Mit einer Benachrichtigung auf das Smartphone oder Tablet kann der Kunde sein Paket in der Filiale abholen, indem er die Meldung dort vorweist.



Pilotprojekt Lebensmittelzustellung



Derzeit läuft bei der Österreichischen Post ein Pilotprojekt zur Lebensmittelzustellung. „Der Markt ist gewaltig. Wir hoffen, die nächsten zwei bis drei Jahre die Lebensmittelmenge der Pakete verdoppeln bis verdreifachen zu können“, gibt Umundum die Ziele der Post vor. In der Testphase befindet sich der Dienst des „Same Day Delivery“: So können Paket am Vormittag bestellt werden – das Paket wird noch am Nachmittag des gleichen Tages zugestellt. Die Post verwendet für den Versand Lebensmittelboxen zur Kühlung und Isolierung. So sollen die Hygienestandards bestens eingehalten werden. Diese Methode ist ebenfalls leicht in die bestehenden Logistikabläufe einzubinden, so Umundum. Genaue Daten zur Zielgruppe konnte Umundum zum Pilotprojekt noch nicht nennen: „Wenn wir uns international orientieren, sehen wir, dass mehrere Gruppen angesprochen werden.“ Dies sind einerseits die typische Großfamilie mit Kleinkindern, teilweise aber auch berufstätige Personen oder ältere Menschen.



stats