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David Savasci, Zuper.at: „Wir haben gezeigt, dass unser Geschäftsmodell funktioniert“

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David Savasci, Gründer von Zuper. (Foto: Julia Elzea/Zuper)
David Savasci, Gründer von Zuper. (Foto: Julia Elzea/Zuper)

David Savasci ist Gründer von Zuper, einem Start-up, das online bestellte Ware von Supermärkten vor die Haustür liefert.

Im Interview erzählt der Jungunternehmer, wie Zuper den Onlinelebensmittelhandel vorantreiben möchte.



etailment.at: Große Supermarktketten haben im Onlinebereich meist einen Umsatzanteil von ein oder zwei Prozent. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, gerade in dieser Branche tätig zu werden?



David Savasci: Zu Beginn stand ein Problem im Vordergrund: Ich war krank, musste einkaufen gehen, konnte es aber nicht. Damals habe ich meine Freunde geschickt. In der Konzeptphase haben wir erkannt, dass es für dieses Problem auch einen Markt gibt. Es herrscht ein wirklicher Need vor, etwa bei älteren Personen oder Menschen mit Immobilität sowie Konsumenten, die keine Zeit zum Einkaufen haben. Ein Anteil von ein bis zwei Prozent ist eigentlich bereits ein Riesenmarkt, der sich auch stetig entwickelt. Prinzipiell ist bei uns aber ein jeder, der einkaufen geht, ein Teil unserer Zielgruppe.



etailment.at: Derzeit gibt es einige Bewegung beim Onlinelebensmitteleinzelhandel, vor allem viele Start-ups bieten neue Lösungen an. Sehen Sie diese Unternehmen als Konkurrenz oder sind Sie froh über die Entwicklung der Branche?



Savasci: Der Lebensmitteleinzelhandel ist ein großer Markt. Dementsprechend begrüßen wir die Projekte und den Enthusiasmus. Den Leuten wird so vermittelt, dass auch online bestellt werden kann, zur gleichen Qualität und dem gleichen Service wie stationär.



etailment.at: Wo liegt Ihr Vorteil gegenüber dem Angebot großer Supermarktketten?



Savasci: Zuper ist komplett unabhängig. Wir sind kein Supermarkt, sondern ein Portal, das dem Kunden alle Supermarktketten anbieten will und dabei auf ein übergreifendes Sortiment zurückgreift. Neben klassischen Märkten bieten wir dem Kunden einen Diskonter und eine Biosupermarktkette. Im Zuge dessen sehen wir uns als dein persönlicher Einkäufer mit zusätzlichem Premiumservice der Zeitfenster.



etailment.at: Wie würden Sie Ihr Alleinstellungsmerkmal beschreiben?



Savasci: Der Lieferant von Zuper ist eigentlich kein Lieferant, sondern dein persönlicher Einkäufer. Dieser liefert in kürzester Zeit zum besten Service.



etailment.at: Entwickelt sich hier oftmals auch eine persönliche Beziehung? Werden bestimmte Lieferanten immer wieder nachgefragt?



Savasci: Dieses Phänomen haben wir mittlerweile sehr stark. Und die Kunden sind dabei sogar so flexibel, dass sie ihren Einkauf oftmals verschieben, wenn der nachgefragte persönliche Shopper in dieser Zeit nicht arbeitet. Dies zeigt schon die Qualität von Zuper.



etailment.at: Sie stellen innerhalb von zwei Stunden zu. Angenommen, der Kunde bestellt von vier unterschiedlichen Supermarktketten. Wie schaffen Sie es, Ihr Versprechen dennoch zu halten?



Savasci: Also vier Supermärkte haben wir noch nicht gehabt, drei schon. Wir sehen uns zuerst den geografischen Standort des Kunden an und suchen einen oder mehrere Shopper aus, die einkaufen gehen. Es kann sein, dass zwei Personal-Shopper von Zuper zu unterschiedlichen Zeiten, aber innerhalb des Zeitfensters vor der Tür des Kunden stehen. Hier ist auch Bedacht zu nehmen, dass die Kühlkette eingehalten wird.



etailment.at: Wie koordinieren Sie die Shopper nach Eingehen der Bestellung?



Savasci: Wir haben einen eigenen Algorithmus entwickelt, mit dem wir die Bestellung an den nächstgelegenen verfügbaren Shopper zuweisen können. So können wir innerhalb von zwei Stunden liefern. Unser Ziel ist es in Zukunft, sogar in einer Stunde zu liefern. Wir investieren hier viel Zeit und Energie, weil wir die Routenführung einfach optimal gestalten wollen.



etailment.at: Arbeiten Sie dann mit Apps oder ähnlichen Tools, um zu sehen, wer verfügbar ist?



Savasci: Es funktioniert alles digital, Shopper können sich verfügbar schalten. Somit wissen wir, wer wann und wo genau verfügbar ist. Dementsprechend kann dann die Auftragszuweisung gestaltet werden.



etailment.at: Sie verlangen eine Pauschale von 3,90 oder 6,90 Euro je nach Einkaufswert. Viele Konsumenten schrecken Liefergebühren bei der Onlinebestellung ab. Glauben Sie, dass Ihr Geschäftsmodell auch mit geringeren Gebühren oder gar umsonst funktionieren würde?



Savasci: Diese Lösung haben wir noch nie bedacht. Wir bieten einen Premiumservice und die Kunden zahlen dafür auch gerne. Unsere persönlichen Einkäufer sind uns sehr wichtig, weil einfach ein anderer Service-Level vorherrscht. Die Shopper bekommen ein gutes Entgelt. Deswegen hat sich für uns nie die Frage gestellt, unsere Lieferungen kostenlos an den Kunden zu bringen. Qualität hat auch ihren Preis, die Kunden zahlen für einen viel besseren Service auch gerne.



etailment.at: Wie hoch muss der Warenkorbwert sein, damit Zuper gewinnorientiert arbeiten kann? Pro Produkt ist die Gewinnspanne doch eher niedrig.



Savasci: Pro Produkt und Kategorie ist die Gewinnspanne aber auch immer unterschiedlich. Ein durchschnittlicher Warenkorb bei Zuper beläuft sich auf 55 Euro. Dies ist ein angemessener Warenkorbwert für unser Unternehmen, um gut zu wirtschaften.



etailment.at: Wie groß ist bei Zuper der Anteil an mobilen Bestellungen?



Savasci: Größtenteils wird bei uns über Desktop bestellt, Mobile ist bei uns noch nicht so signifikant. Dies entwickelt sich aber auch von Monat zu Monat in Richtung mehr Mobile. Dementsprechend werden wir natürlich auch unsere Mobile-Version von iOS und Android verbessern. Aktuell ist aber Desktop im Fokus.



etailment.at: Wie werden bei Ihnen die Zeitfenster genutzt?



Savasci: Man kann bei uns sieben Tage im Voraus bestellen, aber die Leute nutzen vor allem die Lieferung innerhalb von zwei Stunden aus, ungefähr mit einem Anteil von 65 Prozent. Dies ist sicherlich ein Mehrwert gegenüber anderen Anbietern, diese Leistung muss man erst mal schaffen.



etailment.at: Wie ist Ihre Einstellung zum Thema Sonntagsöffnung?



Savasci: Bis jetzt haben wir noch wenige Anfragen hinsichtlich der Lieferung am Sonntag. Ich bin der Meinung, dass jeder Händler das selbst entscheiden sollte. Ich weiß gar nicht, ob wir uns dafür oder dagegen entscheiden würden. Wir würden uns hier nach den Kunden und ihren Wünschen richten.



etailment.at: Wie konnten Sie eigentlich Ihre erste Kooperation abschließen?



Savasci: Unsere erste Kooperation haben wir mit einem ganz kleinen Supermarkt geschlossen, mit BioWerkstatt im 1. Bezirk in Wien. Mittlerweile sind wir bei allen Supermarktketten bekannt und man ist auch offen für innovative Ideen. Anfänglich war es schwierig, doch als klar wurde, dass wir nicht irgendein Start-up sind und wir was draufhaben, hat man uns auch ernster genommen. Wir haben gezeigt, dass unser Geschäftsmodell funktioniert. Mit denn’s haben wir etwa erst vor Kurzem eine Partnerschaft geschlossen. Jedoch sind nicht alle Supermärkte auf Zuper direkte Partner.



etailment.at: Sie sind auch eine Kooperation mit Michael Ströck von KochAbo eingegangen. Inwiefern werden Sie von Ströck unterstützt?



Savasci: Er ist Investor bei Zuper und hat auch eine Mentorstellung. Ströck hilft uns eigentlich in allen Belangen, von finanztechnischen bis hin zu operativen Sachen, da er ja sehr viel Erfahrung hat.



etailment.at: Wie sieht es bei Zuper eigentlich mit der Finanzierung aus?



Savasci: Wir haben erst vor Kurzem eine Finanzierungsrunde mit sehr guten strategischen Investoren aufgestellt. Wir sind immer offen für weiteres Kapital, da man natürlich auch mehr Speed haben kann, um Dinge zu verbessern und den Markt zu durchdringen. Investiert haben unter anderem bereits Michael Ströck, Taxi 31300, der Logistiker Morawa und Acxit Capital Partners.



etailment.at: Sie haben viele Anfragen über Facebook und beantworten diese Fragen auch sehr schnell und genau. Wie wichtig ist für Sie der Servicekanal?



Savasci: Dieser Kundensupport steht bei uns on top. Alles, was uns der Kunde mitgibt, hilft uns, den Service zu verbessern. Wir wollen, dass der Kunde so gut wie möglich zufriedengestellt wird. Das hat höchste Priorität.



etailment.at: Angenommen, der Kunde ist nicht zufrieden. Wie kommen Sie dann dem Kunden entgegen?



Savasci: Wenn ein Kunde mit einem Produkt nicht zufrieden ist, wird ein Gutschein für dieses Produkt ausgestellt. Bei uns werden Probleme wirklich sofort gelöst. Zum Glück kommt es auch nicht zu vielen Kundenbeschwerden.



etailment.at: 2014 konnten Sie das „Smart City Projekt“ gewinnen. Macht Sie das stolz?



Savasci: Ja, sicher. Zu Beginn hatten wir noch keine Finanzierung. Es ist unklar, ob es Zuper ohne die Förderung heute noch geben würde. Unser Projekt wurde kommuniziert: Wir wollen die Brücke schlagen zwischen Menschen, die keine Zeit, aber etwas Geld haben, und jenen Menschen, die Zeit haben und gerne Geld verdienen möchten. Wenn du diese soziale Brücke schlägst, hast du eine Win-win-Situation. Das bedeutet für mich Smart City.



etailment.at: Sie bieten Ihr Service derzeit nur in Wien an. Ist eine Expansion in andere Städte geplant?



Savasci: Wir wollen uns vor allem auf die größeren Städte konzentrieren. Wenn wir dies geschafft haben, können wir die Herausforderung der ruralen Gebiete besser lösen. Unsere Expansionspläne gehen in Richtung Linz, Graz und Deutschland. Aber aktuell konzentrieren wir uns noch auf Wien, weil hier noch sehr viel Potenzial vorhanden ist.



etailment.at: Welche Pläne haben Sie konkret für 2016?



Savasci: Neben der Expansion in weitere Städte werden wir in den nächsten Monaten zwei sehr spannende Partner erhalten. Wir wollen mehr und mehr Partner auf das Portal bringen. Das ist unser aktueller Fokus.



etailment.at: Gibt es für Zuper eigentlich internationale Vorbilder, an denen Sie sich orientieren?



Savasci: Wir haben uns natürlich auch an Unternehmen wie Instacart orientiert, das in kürzester Zeit zu einem Milliardenunternehmen geworden ist. Dieses Start-up macht seine Arbeit sehr gut, konzeptmäßig ist uns Instacart ähnlich. In Europa und speziell Österreich wird dies noch eine Weile dauern, doch wir sind uns sicher, dass wir am richtigen Weg sind.



etailment.at: Zum Abschluss noch eine Frage zum Markennamen: Wie sind Sie gerade auf „Zuper“ gekommen?



Savasci: Am Anfang hatten wir einen schrecklichen Namen. Als wir unseren Freunden und Bekannten von dem Projekt erzählt haben, wurde uns immer gesagt, wie super das ist. Wir haben das Wort „super“ eben oft gehört und deswegen Zuper als Namen für unseren Service gewählt. Der Name passt einfach gut zu uns, alleine schon wegen den Lieferungen von Supermärkten und dem super Service. Wir wollten mit unserem Namen auch ein Synonym für unseren Service erreichen. Mittlerweile sagen selbst meine Freunde: „Das ist mal wieder zuper.“ Der Name prägt sich einfach ein und kommt hoffentlich auch irgendwann mal in den Duden als Synonym für super.



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