: „Der Kunde will der Regisseur seines Paket...
 

„Der Kunde will der Regisseur seines Pakets sein“

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Dieter Zillmann, Geschäftsführer von Hermes Logistik in Österreich (Foto: Hermes)
Dieter Zillmann, Geschäftsführer von Hermes Logistik in Österreich (Foto: Hermes)

Hermes Logistik ist ein hundertprozentiges Otto Group-Unternehmen und seit 2007 in Österreich aktiv.

etailment.at hat Dieter Zillmann, Geschäftsführer von Hermes Logistik in Österreich, zum Interview gebeten. In diesem erklärt Zillmann die Unterschiede zwischen dem österreichischen und deutschen Markt, die Vorteile des PaketShop-Netzwerks von Hermes und wie die mittelfristigen Pläne des Unternehmens im Onlinehandel aussehen.



etailment.at: Auf dem heutigen Markt gibt es eine Vielzahl an Paketdiensten. Wo sehen Sie das Alleinstellungsmerkmal von Hermes?


Dieter Zillmann: Die Hermes Gruppe ist nach wie vor das einzige Unternehmen weltweit, das alle relevanten Dienstleistungen entlang der Supply Chain des Handels aus einer Hand erbringen kann – vom Sourcing und die Qualitätsprüfung über das Fulfilment und den internationalen Transport bis hin zur Zustellung an den Endkunden. Das ist im Markt heute immer noch ein echtes USP.


Speziell in der Paket-Distribution an Privatkunden (2C) zeichnet sich Hermes durch das größte, europäische PaketShop-Netzwerk in Europa aus. Im Jahr 2000 in Deutschland gegründet, ist der Hermes PaketShop das Original unter den Shop-Angeboten, die mittlerweile von diversen Anbietern imitiert wurden. In ganz Europa umfasst das Netzwerk rund 36.000 Anlaufstellen, davon allein 14.000 in Deutschland und 1.600 in Österreich. Nach dem „Shop-in-Shop“-Prinzip in Kiosken, Tankstellen, Bäckereien etc. verortet, bestechen sie in der Regel durch besonders lange Öffnungszeiten und kundenfreundlichen Service.



etailment.at: Sie sind seit Juli 2007 in Österreich mit Hermes Logistik aktiv. Welche Entwicklungen sind durch den ansteigenden Onlinehandel am österreichischen Markt zu beobachten?



Dieter Zillmann: Generell wünscht sich der Kunde und Besteller im Onlinehandel immer mehr Flexibilität bei der Zustellung: Er will der „Regisseur“ seines Pakets sein und aktiv in den Zustellprozess eingreifen. Dafür sind wir in Österreich sehr gut aufgestellt, zum Beispiel mit unserem flächendeckenden Hermes PaketShop-Netzwerk, aber auch mit dem Angebot von PaketBoxen in Kooperation mit der Österreichischen Post oder mit Paketstationen. Der Kunde kann also aus verschiedenen Alternativen wählen. Den Status seiner Sendung kann er jederzeit online über mobile Endgeräte abrufen und muss nicht mehr zu Hause auf den Paketboten warten. Auf Wunsch wird er auch per SMS oder E-Mail über die voraussichtliche Ankunft seiner Sendung informiert. Der nächste Schritt wird nun sein, dem Kunden Optionen zum aktiven Umrouten anzubieten, also zum Beispiel an den Arbeitsplatz oder den Urlaubsort. Dieser Service ist dann 100 Prozent flexibel.



etailment.at: Welche Unterschiede sehen Sie zwischen dem österreichischen und dem deutschen Markt?



Dieter Zillmann: Die Unterschiede sind sehr gering. Da viele österreichische Kunden gerne und bevorzugt in deutschen Online-Shops einkaufen, sind grundsätzlich die gleichen Services und Qualitätsstandards gefragt. Die Logistik trägt maßgeblich dazu bei, den grenzüberschreitenden Versand flexibel und inzwischen auch kostenseitig attraktiv zu gestalten. Im Zeitalter des E-Commerce verschwinden einfach die nationalen Grenzen zusehends. Der globale E-Commerce ist also heute rund um den Globus Realität – und die Logistik ist der Enabler dieser Entwicklung, das heißt, sie macht den weltweiten Einkauf erst möglich.



etailment.at: Im Lebensmittelsektor gibt es eine Vielzahl an neuen Anbietern und Zustelldiensten, die auf den Markt drängen. Gibt es in diesem Bereich Pläne für Kooperationen oder eigene Geschäftsideen?



Dieter Zillmann: Nein, in diesem Sektor ist Hermes bislang noch nicht aktiv, und es gibt auch keine konkreten Pläne. Natürlich behalten wir die Entwicklung im Blick.



etailment.at: Nachhaltigkeit ist oftmals ein heißes Thema auf den Agenden von Logistikanbietern. Wie positioniert sich Hermes zur Umweltthematik?



Dieter Zillmann: Als hundertprozentiges Otto Group-Unternehmen hat Hermes im Klima- und Umweltschutz eine lange Tradition. So sind wir bereits seit den 80er Jahren Vorreiter in vielen Nachhaltigkeitsthemen, zum Beispiel als Testpartner der Automobilindustrie bei der Erprobung von Elektromobilität. Zusätzlich investieren wir maßgeblich in nachhaltige Standorte und Verkehre. Der Erfolg gibt uns Recht: Seit 1994 haben wir die CO2-Emissionen pro zugestellter Sendung bereits dauerhaft um mehr als 43 Prozent reduziert.



Darüber hinaus hat Hermes die „WE DO!“-Kampagne ins Leben gerufen, die explizit auch Kunden und Auftraggeber am Umweltschutz beteiligt. Sie erhalten zum Beispiel mit jeder Lieferung einen kostenfreien CO2-Report von uns. Auf dieser Basis berät Hermes seine Kunden, wie CO2 eingespart werden kann.



etailment.at: Geschäfte können als Partner von Hermes’ PaketShops von deren Pressearbeit und Marketingaktivitäten profitieren. Welche Maßnahmen werden hier Partnern im genauen geboten?



Dieter Zillmann: Wir unterstützen Einzelhändler, die einen PaketShop in ihrem Geschäft integrieren, mit vielfältigen Maßnahmen. So stellen wir zum Beispiel jedem Partner zum Start neben der notwendigen technischen Ausrüstung Werbemittel zur Verfügung, darunter Plakate, Aufkleber, Straßenaufsteller und Tresenaufsteller. So gewährleisten wir eine optimale Präsenz und gute Sichtbarkeit im Straßenbild. Hinzu kommen die Einbindung des Shops in die Partnerwelten unserer Großkunden, etwa bei Otto und H&M, sowie die Teilnahme an unseren Marketing- und PoS-Aktionen. Letzteres ist für den PaketShop-Betreiber auch deshalb interessant, weil dadurch regelmäßig neue Kunden gewonnen werden.



Eröffnungen neuer PaketShops kommunizieren wir zum Beispiel auch an die Presse. Ein konkretes Beispiel: Kürzlich haben wir für den deutschen Markt eine Fotostrecke produziert, für die wir bundesweit Shopbetreiber in Szene gesetzt haben. Die Fotos nutzen wir aktuell in PR und Marketing.



etailment.at: Hermes schafft mit Partnerschaften ein größeres Netz an Abholstationen. Welche weiteren Vorteile ergeben sich für Ihr Unternehmen?



Dieter Zillmann: Mit dem Ausbau unseres PaketShop-Netzwerks unterhält Hermes Stand heute das größte, selbst geführte PaketShop-Netzwerk Europas im B2C-Versand. In UK, Österreich, Italien und UK sowie über die Konzernschwester Mondial Relay in Frankreich, Spanien, Portugal und Monacco ist Hermes dabei in den wichtigsten europäischen E-Commerce-Märkten mit eigenen Gesellschaften aktiv. Für die Zustellung in die restlichen Länder Europas kooperiert Hermes mit führenden nationalen Logistikpartnern, die die hohen Qualitätsstandards von Hermes in der B2C-Zustellung teilen. Auf diese Weise profitieren Hermes Kunden von besonders hohen Standards: Markt führende Logistikservices, eine grenzüberschreitende Online-Sendungsverfolgung sowie ein flexibles, internationales Retourenhandling. Dieses Angebot macht Hermes besonders für internationale Versandhändler attraktiv, die ihren Kunden in Europa flächendeckend hochwertige Versandservices anbieten möchten.



etailment.at: Bitte erklären Sie unseren Lesern die Vorteile der Hermes App.



Dieter Zillmann: Die Hermes App ist eine Neuheit im deutschen Markt, die wir aktuell auch für den österreichischen Markt planen. Ende 2014 wurde eine neue Version unserer App gelauncht, mit der zum ersten Mal in Deutschland eine mobile Paketscheinerstellung möglich ist. Damit kann nun auch von unterwegs jederzeit ein Paketschein für den Versand mit Hermes erstellt werden. Ein Drucker wird nicht benötigt: Ausdruck und Bezahlung der mobil erstellten Paketscheine erfolgen in einem Hermes PaketShops. Der Kunde zeigt an der Kasse lediglich einen in der App generierten QR-Code vor. Mehrkosten entstehen nicht. Neben der mobilen Paketscheinerstellung bietet unsere App zudem einen detaillierten Versandkostenrechner sowie eine Sendungsverfolgung in Echtzeit. Die Hermes App ist für Smartphones und Tablets mit Android oder iOS verfügbar und ist kostenfrei im Google Play Store und im Apple App Store erhältlich.



etailment.at: Mit der Sendungsverfolgung können Kunden Sendungen online verfolgen. Können Kunden dadurch in den Verlauf der Sendung eingreifen beziehungsweise welche Möglichkeiten bieten sich Konsumenten?



Dieter Zillmann: Aktuell können Privat- und Geschäftskunden im Rahmen der Hermes Sendungsverfolgung primär den Status ihrer Sendung  nachvollziehen. In Deutschland wird außerdem bei immer mehr Sendungen ein unverbindliches Zeitfenster angegeben, in dem die Zustellung voraussichtlich erfolgen soll. Im Geschäftsjahr 2015 werden diese Services noch ausgeweitet. Künftig wird es beispielsweise möglich sein, eine Sendung noch vor dem ersten Zustellversuch an eine alternative Adresse umzuleiten, etwa ins Büro, an den Urlaubsort oder in einen der bundesweit über 14.000 Hermes PaketShops.



etailment.at: Wie sehen Ihre mittelfristigen Pläne für Leistungen im Onlinehandel aus? Welche Neuerungen sind zu erwarten?



Dieter Zillmann: Immer mehr Kunden wünschen sich einen individuell steuerbaren Versandprozess, um den Paketempfang nahtlos in ihren Alltag zu integrieren. An dieser Entwicklung müssen wir uns messen lassen. Services wie die Zustellung in festgelegten Zeitfenstern, an Wunschtagen oder in einen WunschPaketShop werden deshalb in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen – und das nicht nur für uns, sondern auch für unsere Auftraggeber. Nur wer seinen Kunden auch beim Versand möglichst vielfältige und individuell skalierbare Optionen bietet, wird auf Dauer im umkämpften Wettbewerb bestehen können. Speziell in Österreich werden wir zeitnah zudem eine sogenannte „Hermes Card“ einführen, welche die Nutzung von Prepaid-Funktionen, also neue Vorab-Zahlmodi, unterstützt. Zudem stehen 2015 weiter alle Zeichen auf Internationalisierung und den Ausbau unseres europäischen Netzwerks. Ein Neukunde, der diese Services bereits in wachsendem Umfang in Anspruch nimmt, ist zum Beispiel der Snowboard- und Skateboard-Händler Blue Tomato.



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