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E-Special: Versicherungen

Q&A II: Veranstaltungen und Reisen

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Wir haben der Koban Südvers im zweiten Q&A-Teil Versicherungsfragen von Veranstaltern und Reisenden gestellt.

CASH: Ich bin Veranstalter und habe mich entschieden, abzusagen. Kann ich nun in Anspruch genommen werden? Muss ich befürchten, Kosten der Aussteller tragen zu müssen?
Dr. Klaus Koban: Sicherlich kommt es in solchen Fällen immer darauf an, aus welchem Grund die Messe/Veranstaltung abgesagt wird und welche Messe- und Ausstellungsbedingungen mit den Ausstellern vereinbart wurden bzw. zu welchen Bedingungen die Aussteller eine Buchung vorgenommen haben. Häufig finden wir hier Klauseln, die eine Haftung des Veranstalters für unvorhergesehene Ereignisse, die eine planmäßige Abhaltung der Messe/Ausstellung unmöglich machen und nicht vom Veranstalter zu vertreten ist, ausschließen. Ob diese im Einzelfall rechtlich wirksam sind, gilt juristisch zu prüfen.

Ich bin Aussteller bei einer Veranstaltung/Kongress/Messe. Diese wurde nun abgesagt. Wer ersetzt meine Kosten für die Vorbereitung, Hotel oder Flug?
Hierbei ist einerseits der Grund der Absage entscheidend, sowie die vereinbarten Messe- und Ausstellungsbedingungen. In den Fällen von „höherer Gewalt“ hängt es häufig zudem von der Kurzfristigkeit der Absage ab, ob oder welche Kostenanteile (z.B. Standmiete) überhaupt durch den Veranstalter erstattungspflichtig sind. Hat der Aussteller keinen Rechtsanspruch auf Teil-/Rückzahlung der Standmiete, muss er diese eigens tragen. Sonstige Vermögensschäden sind in solchen Fällen in der Regel ebenso von der Ersatzpflicht ausgeschlossen. Somit tragen Aussteller ggf. Kosten, die nicht im Rahme der Haftung des Veranstalters gedeckt sind. Ein entsprechender Versicherungsschutz über eine erweiterte Ausstellungsversicherung kann somit einem finanziellen Verlust durch verfallene Standgelder und Transportkosten bei Messeausfällen vorbeugen. Zu beachten ist jedoch auch hier, dass der Deckungsschutz für behördlich angeordnete Messeabsagen häufig über die Allgemeinen Versicherungsbedingungen beschränkt ist.

Kann ich Kosten durch eine Verzögerung der Seereise durch die aktuellen Maßnahmen zum Coronavirus bei meiner Waren-Transportversicherung geltend machen?
Grundsätzlich bietet die Waren-Transportversicherung Deckung für Schäden, die bei der Beförderung und Zwischenlagerung von Gütern entstehen können. Güterfolge- und Vermögensschäden werden hierunter zumeist ebenso mitversichert. Zu beachten gilt jedoch in der aktuellen Lage, dass in den meisten Bedingungswerken die Gefahren der Beschlagnahme, Entziehung oder sonstiger Eingriffe von hoher Hand (somit u.a. behördliche Eingriffe) leider ausgeschlossen. Somit gilt es in der Einzelfallbetrachtung zu klären, welche Kostenpositionen genau aus welchem Grund anfallen und unter welchen Gesichtspunkten eine ggf. vorliegende Deckung für "reine Vermögensschäden" greift.

Welchen Versicherungsschutz benötige ich, um mich gegen ungerechtfertigte Maßnahmen der Behörde zu wehren?
Im Rahmen einer Firmen-Rechtsschutzversicherung ist Kostenschutz erhältlich, sofern Sie sich gegen Maßnahmen von Verwaltungsbehörden vor Verwaltungsgerichten zur Wehr setzen.

Deckt unsere Veranstaltungsausfallversicherung auch Kosten für Schäden aus präventiv abgesagten Events zur Reduzierung einer Ansteckungsgefahr bezüglich des Coronavirus?
In den meisten Bedingungswerken der Veranstaltungsausfallversicherung zählen Epidemien und Seuchen per se zu den nicht versicherten Gefahren. Zwar bieten einige Versicherer den Einschluss über Zusatzvereinbarungen an, allerdings in diesen Fällen unter Einberechnung eines entsprechenden Risikozuschlags. Bei neu zu installierenden Polizzen oder dem Wunsch nach einer erweiterten Deckungslösung zeigt sich der Versicherungsmarkt, wie erwartet, aktuell sehr risikoavers. Somit gilt im Einzelfall vorab zu prüfen, welchen Deckungsumfang die betroffene Versicherungspolizze vorsieht. Eine rein präventive Absage von Veranstaltungen führt im Regelfall nicht zu einem versicherten Schadenfall.

Ich habe eine Reise gebucht in ein Krisengebiet im Hinblick auf Corona. Ich möchte die Reise sicherheitshalber nicht antreten. Ersetzt eine Reiserücktrittsversicherung die Stornogebühren?
Eine abgeschlossene Reiserücktrittsversicherung deckt in aller Regel nur den Krankheitsfall vor Reiseantritt ab. Ein präventiver Rücktritt im Falle der Gefahr einer möglichen Ansteckung während der Reise, gilt in diesen Fällen nicht versichert. Ein möglicher Ansatzpunkt für die Erstattung etwaiger Kosten, kann sich dabei jedoch unter bestimmten Umständen aus dem Reisevertrag mit dem Veranstalter ergeben. Sollte demzufolge ein "unvermeidbarer, außergewöhnlichen Umstand" vorliegen, kann der Reisende von einem Reisevertrag kostenfrei zurücktreten. Ob dies im vorliegenden Einzelfall zutrifft, gilt es juristisch zu prüfen.

Was muss ich beachten wenn ich ins Ausland reise? Habe ich Versicherungsschutz in meiner Krankenversicherung oder Auslandsreisekrankenversicherung?
Die Krankenkassen haben hier alle eigene Bedingungen und Kostensätze, daher ist es sinnvoll, eine Auslandsreise-Krankenversicherung abzuschließen. Grundsätzlich gilt die Deckung der Auslandsreisekrankenversicherung für Fälle des Corona-Virus in gleichem Umfang wie für alle anderen Erkrankungen und Unfälle auch. Versicherungsfall – und damit über die Auslandsreisekrankenversicherung erstattungsfähig – ist die medizinisch notwendige Heilbehandlung einer versicherten Person wegen Erkrankung oder Unfall und deren Folgen im Ausland. Der Versicherungsfall beginnt dabei mit der ärztlichen Feststellung der medizinischen Notwendigkeit einer Behandlung. Demnach werden - auch bei einer Corona-Erkrankung eines versicherten Mitarbeiters – die anfallenden Arzt- und/oder Krankenhauskosten (sowohl ambulant als auch stationär) für medizinisch notwendige Behandlungen übernommen. Weitere Kosten, z.B. für Aufwendungen aufgrund einer Anordnung von Quarantäne bzw. Ausfall von Mitarbeitern o.ä. sind nicht Gegenstand der Auslandsreisekrankenversicherung.
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Hier geht es zu Teil I: Lieferanten und Logistiker

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