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OneBox-Paketkästen: "Österreich-Rollout in den nächsten zwei Jahren"

Die berühmt-berüchtigte “letzte Meile” stellt für Online-Händler und Logistikunternehmen die größte Herausforderung im gesamten Versandprozess dar. Immer mehr Kunden kaufen online ein und wollen ihr Paket so schnell wie möglich nach Hause geliefert bekommen. Doch wer kennt das nicht: Das Paket wird scheinbar immer dann geliefert, wenn man nicht zuhause ist. Logistiker kämpfen damit, Empfängeradressen oft mehrfach anfahren zu müssen – das kann hohe Kosten verursachen, die aber dem Kunden kaum in Rechnung gestellt werden können.

Eine Antwort darauf liefert DHL in Deutschland, indem es seit 2013 mit eigenen Paketkästen experimentiert – in der DHL-Studie Global E-Tailing 2025 wird der Paketkasten gar zur Zukunftsperspektive schlechtin erklärt.



Nun will auch das neu gegründete deutsche Unternehmen OneBox die Optimierung der letzten Meile zu seinem Geschäftsmodell machen. Hinter OneBox verbirgt sich ein codegesteuertes Paketkastensystem, mit dem Pakete unabhängig von der Anwesenheit des Empfängers zugestellt werden können. Kern der OneBox ist ein elektronisches Schlossmodul, das Hersteller von Brief- und Paketkästen in ihre Boxen einbauen können. Öffnen lassen sich die batteriebetriebenen Boxen von Zusteller und Empfänger über App-generierte Codes. Eine Nachricht per E-Mail oder SMS informiert Besteller über den Eingang des Paketes, auch Retouren lassen sich darüber abwickeln.



Zunächst will OneBox in Deutschland durchstarten, in den kommenden Jahren soll das zustellerunabhängige Paketkastensystem auch in Österreich, der Schweiz und in anderen europäischen Ländern angeboten werden. Im Gespräch mit Etailment.at erklärt OneBox-Mitgründer Sven Bornemann die Idee hinter seinem Unternehmen, warum der wachsende Onlinehandel den Bedarf nach Paketkästen rasant erhöhen wird und wann er den Eintritt in den österreichischen Markt wagen will.



Etailment.at: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, mit dem unabhängigen Paketkastensystem OneBox auf den Markt zu gehen?



Sven Bornemann: Mein Partner Klaus Kiunke hat ein europaweit führendes Versandhandelsunternehmen für Modellfahrzeuge. Er bekommt so aus erster Hand die Sorgen und Nöte seiner Kunden mit, wenn Paketlieferungen einmal nicht so wie erwartet ausgeliefert werden. Andererseits arbeitet er eng mit den Paketdiensten zusammen, die seine Produkte ausliefern und kennt deren Herausforderungen im Detail. Ich selbst bin seit mehr als 15 Jahren im Online-Geschäft tätig und kenne Konzepte, Technologien und Möglichkeiten sehr genau.


Mit der OneBox bringen wir unser Know-how zusammen und bieten eine Lösung für eine der größten Herausforderungen im Bereich Paketzustellung bzw. “Letzte Meile” an.



Etailment.at: Wie sieht Ihr Geschäftsmodell aus?



Sven Bornemann: Wir verstehen uns als Produzent des OneBox Schlossmoduls und Systembetreiber inklusive Rechenzentrum, Kundenportal, Freigabe-, Benachrichtigungs- und Sicherungsmechanismen. Die OneBox-Paketkästen werden von Brief- und Paketkasten-Herstellern produziert, wir werden aber auch eigene Paketkasten-Modelle produzieren und international vertreiben.



Etailment.at: Mit Ihrem Angebot wollen Sie sich auch am österreichischen Logistik-Markt positionieren. Wie und wann ist das Rollout in Österreich geplant?



Sven Bornemann: Der Rollout nach Österreich und weitere Länder ist innerhalb der nächsten zwei Jahre fest eingeplant.



Etailment.at: Kurz zurück nach Deutschland: Dort bietet auch die Deutsche Post seit Anfang Mai 2014 Paketkästen zum Kauf oder zur Miete. Ist diese Entwicklung eine logische Konsequenz des Wachstumsfaktors Onlinehandel?



Sven Bornemann: Absolut. Die Statistiken zeigen deutlich, dass der dem zunehmenden Onlinehandel die Triebfeder für den deutlichen Zuwachs bei den Paketlieferungen ist. Darüber hinaus wird deutlich, dass sich die Anforderungen der Online-Konsumenten nachhaltig verändern. Schnellere Lieferungen, flexiblere Lieferzeiten, mehr Einfluß auf die Zustellung sind nur einige Punkte, die für die Paketdienste im B2C Bereich enorme Herausforderungen sind. Wir glauben, dass die OneBox eine Lösung für einige dieser Herausforderungen ist.



Etailment.at: Sie wollen als unabhängiger Anbieter auftreten, der von jedem Paketdienst lizensiert werden kann – mit wie vielen Paketdiensten sind Sie derzeit im Gespräch?



Sven Bornemann: Wir sind derzeit mit den großen internationalen Paketdiensten in Gesprächen.



Etailment.at: Welche sind die größten Herausforderungen, mit denen Sie beim Start von OneBox konfrontiert werden?



Sven Bornemann: Um langfristig erfolgreich zu sein, ist es – ebenso wie in anderen Branchen – notwendig, das Thema Paketlieferung heute aus der Perspektive des (End)Kunden zu denken und dessen Anforderungen und Bedürfnisse in das Zentrum der eigenen Überlegungen zu stellen. Hier ist der Markt der Paketdienste noch am Anfang. Hinzu kommt, dass gerade das Thema Paketkasten erfordert, dass die Logistikunternehmen gemeinsame Initiativen vorantreiben, um Synergien zu heben. In einem so kompetetiven Markt wie dem der Paketdienste ist dies ein besondere Herausforderung.



Etailment.at: Wie funktioniert die Nutzung des Paketkastens? Kann dieser auch von Kunden genutzt werden, wenn diese kein Smartphone bzw. app-fähigem Gerät besitzen oder dieses gerade verloren haben?



Sven Bornemann: Aber ja. Die OneBox kann mit allen online-tauglichen Geräten bedient werden: SMS-/Email-fähige Mobiltelefone, Smartphones, Tablet-PCs oder Notebooks können die OneBox bedienen. Die Zusteller nutzen Ihren Handscanner und müssen keine zusätzliche Hardware mit sich führen.



Etailment.at: Was sind generell die Vorteile sowohl für Paketdienste, als auch für Konsumenten, die OneBox nutzen?



Sven Bornemann: Für die Paketdienste sind Paketkästen ein Instrument, um Kosten zu reduzieren und die Zufriedenheit der Paketempfänger zu steigern: Durch den OneBox Paketkasten wird die Zustellung bei der ersten Zustellung erfolgreich sein und die Zustellung erfolgt direkt zum Kunden, nicht zu einem Nachbar, Paketshop o.ä. Die Kunden haben die Sicherheit, dass sie mit der OneBox ihre Pakete wirklich direkt empfangen. Sie erhalten bei Zustellung eine Benachrichtigung per Email oder SMS und können bei Bedarf auch Retouren über die OneBox abwickeln.


Auch für lokale Händler und Lieferanten wie Lebensmittel-Einzelhändler, Reinigungen oder den Bäcker im Ort bietet die OneBox neue Servicemöglichkeiten, etwa Lieferservices für den Lebensmitteleinkauf und die Auslieferung der bestellten Sonntagsbrötchen schon früh am morgen.



Etailment.at: Wie sind die ersten Reaktionen auf Ihren Dienst? 



Sven Bornemann: Die Gespräche, die wir bislang mit den Marktteilnehmern geführt haben, zeigen, dass unser Konzept passt. Der Ansatz, einen anbieterübergreifenden Service anzubieten, ist genau das, was der Markt benötigt. In den nächsten Wochen werden die nächsten Schritte gemeinsam konkretisiert.



Etailment.at: Wie viel soll ein OneBox-Paketkasten eigentlich kosten?



Sven Bornemann: Der Preis für einen OneBox Paketkasten wird – wie ein Briefkasten – von seiner Größe, Ausstattung und Verarbeitung abhängen. Die Preispanne für die verschiedenen Modele wird schätzungsweise zwischen 80 bis 100 Euro und 300 bis 400 Euro liegen. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass es spezielle Modelle z.B. mit einem besonderen Fassungsvermögen oder einer besonderen Ausstattung – z.B. Kühlung für Lebensmittel – geben wird, die preislich auch darüber liegen können.



Etailment.at: Wie hoch schätzen Sie allgemein den Bedarf nach Paketkästen heute und in den kommenden zwei bis drei Jahren?



Sven Bornemann: Bei über 40 Mio Haushalten alleine in Deutschland ist der Markt signifikant. Der Bedarf wird aber insbesondere bei Haushalten in Mehrfamilienhäusern in städtischen Regionen groß sein. Diese machen mehr als die Hälfte der Gesamtzahl aus, hier sind auch die Mehrzahl der intensiven Online-Shopper zu finden, für die ein Paketkasten besonders attraktiv ist. Mit dem kontinuierlich steigenden E-Commerce wird der Bedarf an Paketkästen in den nächsten zwei bis drei Jahren ebenso kontinuierlich steigen. Wenn wir bis dahin fünf bis zehn Prozent der Haushalte erreichen, sind wir sehr zufrieden.



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