Quality Austria: Nachhaltige Lebensmittelprod...
 
Quality Austria

Nachhaltige Lebensmittelproduktion messbar machen

Anna Rauchenberger
V.l.n.r.: Franz Sinabell (WIFO), Michaela Knieli (Die Umweltberatung), Jürgen Schlösser (Runder Tisch für Allergenmanagement) und Wolfgang Leger-Hillebrand (Quality Austria)
V.l.n.r.: Franz Sinabell (WIFO), Michaela Knieli (Die Umweltberatung), Jürgen Schlösser (Runder Tisch für Allergenmanagement) und Wolfgang Leger-Hillebrand (Quality Austria)

Beim 13. qualityaustria Lebensmittelforum standen Nachhaltigkeitszertifizierungen, Ernährungstrends, Allergenmanagement und die globale Lebensmittelversorgung im Zentrum.

"Während der Handel von seinen Lieferanten längst die Auditierung nach Lebensmittelsicherheitsstandards wie etwa FSSC 22000, IFS Food oder BRCGS verpflichtend einfordert, basiert die Einhaltung von Nachhaltigkeitskriterien vielfach noch auf Freiwilligkeit", erklärte Wolfgang Leger-Hillebrand, Branchenmanager für Lebensmittelsicherheit bei Quality Austria und Initiator des Lebensmittelforums, das am 20. Oktober 2022 im Ares Tower in 1220 Wien stattfand. In Sachen Nachhaltigkeitsdokumentation ist nun jedoch einiges in Bewegung. So wird ein neues Zusatzmodul für den Lebensmittelsicherheitsstandard IFS Food - der IFS ESG Check für Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungskriterien - künftig für eine Messbarkeit und Nachweisbarkeit von nachhaltiger Wertschöpfung sorgen. "Bereits in wenigen Wochen werden die ersten Ausbildungen für Auditoren im Bereich IFS ESG Check beginnen. Dabei handelt es sich um ein einfaches und benutzerfreundliches Instrument zur Überprüfung des Reifegrads eines Unternehmens im Bereich Nachhaltigkeit", kündigte Leger-Hillebrand an. Der Check besteht aus einer Kombination von Selbsteinschätzung und anschließender Überprüfung durch einen Auditor. Zum ESG Check gibt es noch ein optionales Zusatzmodul, mit dem Unternehmen ihren CO2-Fußabdruck ermitteln können.

Zeitgleich bringt das Zertifizierungsschema FSSC den Managementstandard FSSC 24000 für soziale Nachhaltigkeit auf den Markt. Dieser basiert auf dem kürzlich veröffentlichten Standard PAS 24000 und soll Unternehmen die Möglichkeit bieten, diesen Aspekt nahtlos in ihr Integriertes Managementsystem zu implementieren.

Großer Bedarf an neuen Lebensmittelrezepturen

Mit den Auswirkungen der Ernährungsform "Planetary Health Diet" auf die Lebensmittelindustrie befasste sich Michaela Knieli, Ernährungswissenschaftlerin bei "Die Umweltberatung". Sie empfahl die Entwicklung von Produkten mit einem hohen Anteil an Hülsenfrüchten, Nüssen und Getreide und einem verringerten Anteil an tierischen Lebensmitteln. "Damit wir täglich Appetit auf Linsen, Bohnen und Co. haben, sind neue Rezepturen und Produkte gefragt", so die Expertin.

Praktikablere Schwellenwerte für Allergene 

Verbesserungen im Allergenmanagement forderte Jürgen Schlösser, Consultant für die Lebensmittelindustrie und Gründungsmitglied des Runden Tisches für Allergenmanagement. Er machte darauf aufmerksam, dass die heutigen Analysemethoden in punkto Allergene oft gar nicht die geforderten exakten Schwellenwerte erfüllen können. "Anstatt Schwellenwerte zu definieren, die wirklich überprüfbar wären, streiten wir uns, ob 0,5 mg Senfprotein, die in einem Kilogramm Weizenmehl gefunden wurden, nun zu einem öffentlichen Rückruf führen müssen, oder ob der gefundene Senf gar kein Senf, sondern Raps war", betonte Schlösser.

Der Hunger kehrt zurück

Die Welternährung aus Sicht der Versorgungssicherheit beleuchtete schließlich Franz Sinabell, Ökonom und Forschungsbereichskoordinator am WIFO. Laut dem Ökonomen hat sich auf globaler Ebene der noch vor einigen Jahren beobachtete Trend einer dauerhaften Verbesserung der Versorgungslage in den letzten Jahren umgekehrt. Grund dafür seinen vor allem Kriege und die veränderten Klimabedingungen.
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