Bain & Company: Wie Unternehmen für Frauen at...
 
Bain & Company

Wie Unternehmen für Frauen attraktiver werden

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Eine neue Studie zeigt, mit welchen gezielten Maßnahmen, Unternehmen ihr Potenzial als attraktiver Arbeitgeber steigern können, um mehr Mitarbeiterinnen anzusprechen. 

Den Fachkräftemangel, der auf der ganzen Welt herrscht, haben in den vergangenen Jahren Faktoren wie die Coronapandemie und Inflation nur zusätzlich verschärft. Abhilfe könnte eine stärkere Eingliederung von Frauen am Erwerbsleben schaffen. Denn laut der internationalen Unternehmensberatung Bain & Company sind derzeit weniger als 40 Prozent der weltweit Beschäftigten weiblich, was vor allem kulturellen Zuschreibungen, ungünstigen Arbeitsbedingungen und struktureller Benachteiligung geschuldet ist. In den schnell wachsenden Niedriglohnländern China, Nigeria und Indien, hat der Anteil der weiblichen Beschäftigten in den vergangenen 30 Jahren sogar abgenommen. 

Um Frauen als Fachkräfte zu gewinnen, müssen Unternehmen demnach künftig verstärkt an einigen Schrauben drehen, um ihre Attraktivität zu steigern. Welche Aspekten dabei im Vordergrund stehen, hat Bain & Company in einer Befragung unter dem Titel "Working Women and the War for Talent" ermittelt. Dafür wurden rund 24.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Unternehmen aus Australien, Brasilien, China, Deutschland, Frankreich, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Kanada, Nigeria und den USA befragt. 

"Die Erwartungen an einen Job sind von Frauen und Männern nahezu deckungsgleich. Themen wie Gehalt, Jobsicherheit oder das Schaffen eines gesellschaftlichen Mehrwerts als Motivationstreiber werden sehr ähnlich bewertet. Dies nehmen wir auch hier in Österreich deutlich wahr", sagt Bain-Partnerin Marie-Therese Marek. "Doch zur ganzen Wahrheit hinter diesen Zahlen gehört auch der Fakt, dass Frauen an den Arbeitsmärkten unterproportional abgebildet sind. Dies bedeutet, dass ein großes Potenzial gut ausgebildeter Fachkräfte aktuell nicht ausgeschöpft wird."

Marie-Therese Marek, Partnerin bei Bain

Barrieren für Frauen

Die Studie ermittelt drei relevante Faktoren, die die Eingliederung von Frauen ins Arbeitsleben erschweren bzw. unmöglich machen: Traditionelle Rollenbilder und Stereotype, starre Organisation und systematische Nachteile, dadurch, dass Frauen nach wie vor den Großteil der wenig karrieredienlichen, administrativen Arbeiten erledigen und Durchsetzungsvermögen bei Frauen weniger gern gesehen ist, wie bei ihren männlichen Kollegen.

Die Unternehmensberatung hat aus der Studie einige Tipps und Verbesserungsvorschläge abgeleitet, wie sich Unternehmen als attraktive Arbeitgeber für weibliche Fachkräfte positionieren können:

Ein Bündel an Maßnahmen
  • Individualität berücksichtigen. Keine demografische Gruppe ist einheitlich. Deshalb sind die unterschiedlichen Kriterien, die eine Persönlichkeit und ihre Bedürfnisse ausmachen, in jedem Einzelfall zu berücksichtigen.
  • Vorurteile bekämpfen. Führungskräfte sollten aktiv überkommene Rollenmodelle aufbrechen. So können sie etwa diverse Lebensformen positiv herausstellen, einen gerechten Zugang zu Förderung und Mentoring schaffen, Vernetzung und Kollegialität unterstützen sowie konkrete Aufklärung betreiben, um Stereotypen entgegenzuwirken.
  • Flexibles Arbeiten ermöglichen. Die Pandemie hat gezeigt, wie wichtig unterschiedlichste Arbeitsformen sind. Ob Büropräsenz, Homeoffice oder Teilzeitmodelle – entscheidend ist, dass alle Beschäftigten die gleichen Möglichkeiten erhalten.
  • Zusammengehörigkeit verbessern. Das Topmanagement ist in der Pflicht, das Gefühl der Teilhabe in der gesamten Belegschaft zu stärken. Besonders für Frauen ist neben Flexibilität vor allem ein kollegiales Arbeitsumfeld von großer Bedeutung. Laut Studie fühlen sich weniger als 30 Prozent der Frauen und Männer bei der Arbeit voll einbezogen – hier gibt es also viel Raum für Verbesserungen.
  • Wiedereinstieg erleichtern. Laut der Bain-Studie möchten 90 Prozent der Frauen, die während der Pandemie etwa zum Wohle ihrer Kinder ihre Jobs aufgegeben haben, wieder in die Berufstätigkeit zurückkehren – was aber lediglich 40 Prozent gelingt. Auch nach regulären Baby- oder Pflegepausen haben fast drei Viertel der betroffenen Frauen Probleme, wieder in der Arbeitswelt anzukommen. Unternehmen können den Wiedereinstieg erleichtern, indem sie beispielsweise Schulungen und Trainingsprogramme anbieten, mit denen die durch die Abwesenheit entstandenen Wissens- oder Kompetenzlücken geschlossen werden können.
Quelle: Bain & Company, Studie "Working Women and the War for Talent" 

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