CASH 10/2019

94 10|2019 ∙ CASH I n d u s t r i e M a r k t r e p o r t I N T E R V I EW  b  D o r i s P l o n e r / D i e K ä s ema c h e r Fotos: Markus Wache CASH: Frau Ploner, Sie haben den Familienbetrieb 2013 im Alter von 25 Jahren von Ihrem Vater übernommen, als dieser in einer schweren Krise steckte. Wie ist es dazu gekommen? Doris Ploner : Mein Vater hatte 2010 einen schweren Unfall und fiel aufgrund der Schwere seiner Verletzungen sehr lan- ge aus, was sich natürlich auch wirtschaftlich negativ auf unser Unternehmen ausgewirkt hat. Wir sind damals von einem kleinen Betrieb sehr schnell gewachsen und hatten keine mittlere Management-Ebene, die die Aufgaben meines Vaters übernehmen hätte können. Ich habe 2013 gleich nach meinem Studienabschluss und kurz nachdem wir Insolvenz anmelden mussten, die Geschäftsführung übernommen. Wollten Sie den Familienbetrieb immer schon übernehmen? Ich habe mich als Älteste von drei Geschwistern als Einzige immer schon für die Käsemacher interessiert und habe auch während des Studiums mitgearbeitet und Ferialpraktika ge- macht. Ich habe dabei viele Bereiche durchlaufen – von der Gemüseproduktion für unsere Antipasti bis hin zu Führungen und Verkostungen in der Schaukäserei und Messen. Es war aber nicht mein Plan, so schnell und auf diese Art undWeise ins Unternehmen einzusteigen. Was waren damals für Sie persönlich die größten Herausforde- rungen? Die Zeit war insgesamt sehr herausfordernd, aber auch sehr spannend. Ich habe zwar BWL studiert, aber Theorie und Praxis lagen weiter auseinander, als ich zunächst dachte. Es war anfangs vor allem schwierig, alle Produktionsprozesse und Bereiche zu überblicken. Und natürlich lag auch ein großer Druck auf mir, immerhin ging es auch um die Zukunft unserer rund 160 Mitarbeiter. Das Gute ist trotzdem, dass ich mich damals Hals über Kopf hineingestürzt habe. Von Ihrem Erfolg hingen damals auch viele Zulieferbetriebe ab, war das eine zusätzliche Motivation, das Unternehmen zu retten? Ja, auf jeden Fall. Wir haben aktuell 42 Lieferanten. Das sind teils sehr kleinstrukturierte Betriebe aus unserer Umgebung. Viele dieser Betriebe sind mit uns mitgewachsen und es gibt aktuell auch keinen anderen Abnehmer für Schafs- und Zie- genmilch im oberen Waldviertel. Die meisten waren auch Die junge Geschäftsführerin Doris Ploner, MA, übernahm die Familienkäserei Die Käsemacher in ihrer schwersten Phase, führte sie aus der Insolvenz und leitet heute ein gesundes Unternehmen, das sich auf ganz besondere Köstlich- keiten spezialisiert hat. Interview: NataŠa Nikolic Die Macherin

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