CASH 03/2020

50 3|2020 ∙ CASH H a n d e l b  S oma Fotos: Soma Österreich & Parnter V or 20 Jahren standen zahlrei- che Kunden vor einem be- stimmten Geschäft in Linz bereits am ersten Tag der Eröffnung stundenlang Schlange, umdarin einkau- fen zu gehen. Bis heute hat sich das gro- ße Interesse nicht geändert. ImGegenteil – es ist sogar noch größer geworden. Genauso wie der Bedarf nach dem be- sonderen Konzept des Ladens in den vergangenen Jahren gestiegen ist. Leider, muss man an dieser Stelle hinzufügen, denn die Rede ist von Sozialmärkten (Soma). Aufgekommen ist die Idee dazu Ende der 90er, als der gebürtige Kärntner und Betriebswirt Mag. Gerhard Steiner mit einigen Freunden über Lebensmittelver- schwendung und die Wegwerfgesell- schaft diskutierte. Steiner erinnert sich: „Als die Idee zumSoma-Markt entstand, hat dasThema kaum jemanden interes- siert. Einzig der Handel und die Industrie waren von Anfang an offen für unser Konzept und haben uns unterstützt.Aber in der Öffentlichkeit war das Interesse nicht da.“ In Zeiten von Klimawandel, Greta und Co ist das natürlich anders: „Ich glaube, dass das Bewusstsein in den vergangenen Jahren deutlich größer ge- worden ist und alle Beteiligten viel sen- siblermit demThema umgehen.“ Hürden gab es zu Beginn viele. Steiner bezeichnet sein Konzept des Soma-Marktes als „gol- denes Dreieck“: Lebensmittelverschwen- dung reduzieren, Lebensmittel, die der Handel oder die Industrie wegwerfen, müssten Menschen zur Verfügung ste- hen, die sie dringend brauchen und ih- nen durch einen symbolischen Preis nicht das Gefühl geben, sie bekämen etwas umsonst. „Wir wollten nicht wie die Gutmenschen dastehen und unseren Reichtum an die Armen verschenken, sondern einenWeg finden, wie Personen mit schwierigen Lebenssituationen Pro- dukte des täglichen Bedarfs günstig kau- fen können“, stellt Steiner klar. Mit dem fertigen Konzept in der Ta- sche hat man im nächsten Schritt ver- sucht, eine Finanzierungsmöglichkeit zu finden. Das gestaltete sich allerdings schwierig, oft hörteman: „So etwas brau- chen wir nicht!“ Handel und Industrie haben zumGlück früh erkannt, dass das System des Sozialmarktes allen hilft. Schlussendlich konnte der erste Laden in Linz eröffnet werden. „ImVorfeld ha- benwir schon positiven Rückenwind von der Presse bekommen. Am ersten Tag haben uns die Kunden die Türen einge- rannt und von da an wussten wir, dass unser Konzept auch in der Öffentlichkeit gut angenommenwird“, erzählt Steiner. Aus eins mach acht Heute kaufen rund 28.900 Kunden regel- mäßig in denmittlerweile 40 Sozialmärk- ten ein. Anlässlich des 20-jährigen Jubi- läum des Konzepts im Vorjahr präsentierte das Kompetenzzentrum für Non-Profit-Organisationen der Wirt- schaftskammerWien heuer eine Studie namens „Social Return on Investment“. Dokumentiert wurde der gesellschaftli- che Mehrwert von Sozialmärkten. Das Ergebnis: Jeder in einen Sozialmarkt in- vestierte Euro schafft einen gesellschaft- lichenMehrwert von rund acht Euro. Für den Beobachtungszeitraum 2018 belief sich dieser auf ungefähr 95,6 Millionen Euro. Demgegenüber stehen Investitio- nen in die Sozialmärkte von fast 11,3Mil- lionen Euro, die sich vor allem aus Umsatzerlösen, Förderungen, Leistungs- verträgen und Spenden zusammenset- zen. Mit einemAnteil von 5,8 Prozent an den Gesamtwirkungen haben Soma- Märkte den drittgrößten Nutzen für die Umwelt. Durch eine geringere Entsor- gung von Lebensmitteln müssen davon weniger produziert werden. Das führe zuwenigerTreibhausgasen, einer gerin- Mag. Gerhard Steiner ist Gründer eines Supermarkt-Konzeptes, von dem er hofft, es würde nicht mehr gebraucht. Denn gemeinsam mit seinem Dachverband betreibt er rund 40 Sozialmärkte in ganz Österreich. Autorin: Daniela Purer Verluste erwünscht

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