CASH 03/2020

3|2020 ∙ CASH 65 K o m m e n t a r b  Ma r t i n a L a c k n e r B etrachtet man Männer und Frauen, so sind diese hinsicht- lich Ehrgeiz und Bildung eigent- lich gleich. Glaubt man demHays Global Gender Diversity Report 2016, so wollen Frauen sogar zu sieben Prozent, die männlichen Kollegen hingegen nur zu fünf Prozent, Top-Führungspositionen erzielen. Dennoch sind Frauen in Füh- rungspositionen den Männern nach wie vor zahlenmäßig unterlegen: 54 Frauen stehen 638 Männern in deutschen Vor- ständen gegenüber, so das Ergebnis ei- ner Studie der Ernst &Young Unterneh- mensberatung 2018. Die Gründe sind viel diskutiert und reichen von Themen wie männlicher Arbeits- und Führungskultur – gläser- ner Decke – Vereinbarkeit von Familie und Beruf bis hin zum geringeren Ver- dienst von Frauen imVergleich zu Män- nern bei gleicher beruflicher Qualifika- tion und Position. Was daraus folgt, ist die Tatsache, dass der Wirtschaft Talente verloren gehen. Und dies bei dem vorherrschen- den Trend in Deutschland, dass Men- schen recht wenig Ambitionen zeigen, Führungsverantwortung zu überneh- men. So steht Deutschland im Hays Global Gender Diversity Report 2016 an 22. Stelle in Sachen Ehrgeiz und Führung hinter Frankreich (erster Platz), Portugal (zweiter Platz) und Belgien (dritter Platz). Als ursächlich können hier der häufig negative Einfluss von Führungspositio- nen auf das Privatleben und die Gesund- heit genannt werden. Wie Abhilfe schaffen? Als Mit-Herausgeberin des Buches „Männer an der Seite erfolgreicher Frau- en – Side by side an die Spitze“ (1. Auf- lage 2018, ISBN: 978-3-648-12096-5) bin ich der festen Überzeugung, dass der Erfolgsfaktoren für Frauen in Spitzenpositionen G a s t k Partner einer Karrierefrau ein maßgeb- licher, wenn nicht der maßgebliche Er- folgsparameter auf demWeg zur Spitze ist. Abseits der bisher beschrittenen Pfade der Literatur wurden von den He- rausgeberinnen insgesamt acht Erfolgs­ aspekte in der Partnerschaft identifi- ziert, die die Karriere von Frauen in Spitzenpositionen beeinflussen: • • Gegenseitige Toleranz für Selbstentfaltung • • Emotionale Unabhängigkeit • • Wirtschaftliche Unabhängigkeit von- einander • • Finanzielle Unabhängigkeit geht Hand in Hand mit der emotionalen und wirtschaftlichen Unabhängigkeit. (Eine Beziehung auf Augenhöhe kann man erst führen, wenn das Thema „Sie ver- dient mehr als er“ eben kein Thema mehr ist.) • • Erfolg als Teamerfolg • • Ablegen tradierter Rollenmodelle • • Räumliche Autarkie • • Soziales Umfeld Das Miteinander auf Augenhöhe so- wie das Thema der Kommunikation ziehen sich wie ein roter Faden durch alle Aspekte von Selbstentfaltung, fi- nanzieller Unabhängigkeit bis hin zum sozialen Umfeld. Die Paare lebenTrans- parenz, demokratische Gewaltenteilung und Teamwork auf beruflicher wie pri- vater Ebene. Gemeinsamer Erfolgs­ aspekt scheint der Wille zum Erfolg zu sein, gepaart mit hoher Kompromiss- bereitschaft, insbesondere auf der Seite des Mannes. Der Partner als Schlüsselthema Last, but not least geht es um das rare Gut der Zeit und die offene Auseinan- dersetzung um diese Ressource, sodass am Ende doch genug „Quality Time“ füreinander und für die Familie vorhan- den ist. All dies führt unweigerlich zu einer klaren Empfehlung für junge, kar- riereambitionierte Frauen, aber auch Unternehmen und Talentförderung in der Wirtschaft: Sie alle sollten sich mit dem Thema Paarbeziehung und deren Einfluss auf die Karriere auseinander- setzen. Vor allem unternehmensseitig muss die Sicht auf den Partner an der Seite einer berufstätigen Frau als maß- geblicher Faktor für Erfolg in HR-Kon- zepten Berücksichtigung finden. Ad personam Martina Lackner ist Psychologin, Buchautorin und Inhaberin der PR-Agentur cross m in Eltville am Rhein, in der Nähe von Wies- baden (Deutschland). Dabei be- rät sie Selbstständige, Füh- rungskräfte und Unternehmer zu den Themen mediale Sichtbar- keit und Erfolg. Zudem schreibt sie regelmäßig in Publikumsme- dien zu Karriere- und gesell- schaftspolitischen Themen. Foto: Privat

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