CASH 07-08/2020

48 7–8|2020 ∙ CASH I N T E R V I EW  b  A n d r e a s G a s t e i g e r / S a l z b u r gM i l c h I n d u s t r i e Foto: www.wildbild.at CASH: Herr Gasteiger, Sie sind seit 2013 in der Geschäftsführung der SalzburgMilch und stehen seit Ende 2019 alleine an der Spit- ze der Molkerei. Mit dem Ausbruch der Coronakrise haben Sie gleich zu Beginn eine große Herausforderung zu meistern. Wie stark wirkt sich die aktuelle Situation auf Ihre Geschäfte aus? Andreas Gasteiger: Ich bin bereits seit 2002 in führenden Po- sitionen im Unternehmen tätig und kenne die SalzburgMilch sehr gut. Wir sind sehr ambitioniert und erfolgreich ins neue Jahr gestartet und haben es glücklicherweise alsTeamgeschafft, in den Krisenmonaten zeitgerecht zu handeln und Entschei- dungen mitWeitblick zu treffen, um bestmöglich durch diese Zeit zu kommen. Ich bin sehr froh darüber, dass unsere 360Mit- arbeiter, die einen enormen Einsatz geleistet haben, gesund geblieben sind. Unseren Milchbauern bin ich sehr dankbar, dass sie mit uns gemeinsam Maßnahmen getroffen haben, um in der Situation richtig zu agieren. Von unseren Handels- partnern haben wir während der Krisenzeit viel Lob erhalten, weil es uns gelungen ist, immer lieferfähig zu bleiben und auch kurzfristige Kundenwünsche zu erfüllen, das macht uns na- türlich sehr stolz. Und besonders dankbar sind wir natürlich unseren treuen Kunden, die gerade in den schwierigen Zeiten zu unserer Marke gestanden sind und damit auch ein klares Bekenntnis zur heimischenMilchwirtschaft abgegeben haben. Inwieweit schlägt sich das Bekenntnis der Konsumenten zur Mar- ke auch in den Zahlen nieder? Das sehen wir vor allem in deutlichen Zuwächsen im LEH, wenngleich natürlich der enorme Einbruch in der Gastronomie und Hotellerie sehr schmerzt und uns auch vor große logisti- sche und organisatorische Herausforderungen gestellt hat. Erfreulich ist zum Glück aber die Entwicklung im Exportge- schäft, da die Nachfrage nach unseren Produkten sowohl in Deutschland als auch in Fernost signifikant angestiegen ist. Wie hat sich die Zusammenarbeit mit Ihren Handelspartnern in den letzten Wochen und Monaten gestaltet? Seit demAusbruch von Covid-19 vernehmen wir ein Umden- ken bei unseren Handelspartnern. Wir haben in der Zeit des Lockdowns auf Augenhöhe zusammengearbeitet und ichwün- sche mir sehr, dass das auch nachhaltig anhält und dass wir nicht wieder in alte Muster zurückfallen, in denen sich alles um Billigimporte und Aktionen dreht. Nur wenn die österrei- chische Landwirtschaft unterstützt und fair entlohnt wird, können unsere Bauern auch in Zukunft die Eigenversorgung im Land sichern. Sehen Sie diese Krise auch als Chancefür regionale Erzeugnisse? Regionalität und Projekte in der Region haben seit Covid-19 eine neue Bedeutung erlangt. Aktuelle Umfragen zeigen, dass es offenbar wirklich bei vielen Konsumenten während der Krise ein Umdenken gegeben hat. Regionalität, nachvollzieh- bare Herkunft und vor allem auch unsere wichtigen Themen Tiergesundheit und Tierwohl haben an Bedeutung zugenom- men und spielen eine große Rolle bei der Kaufentscheidung. Dennoch kann der Markt nicht nur rein regional betrachtet werden, denn es geht in solchen Krisen schließlich darum, die Versorgungssicherheit für alle Konsumenten in Österreich zu sicheren. Mit Tiergesundheit und Tierwohl haben Sie bereits einige Aspek- te genannt, in denen sich die SalzburgMilch engagiert. Ein wei- terer ist Ökoeffizienz, bei der ihrer Molkerei zu den Vorreitern gehört. Wie geht‘s Ihnen hier mit dem Projekt Biosphärenpark und wie läuft die Kooperation mit Lidl? Als Premium-Milchmacher haben wir solche Projekte immer im Fokus und wir sind stolz, den Biosphärenpark gemeinsam mit dieser kleinen Gruppe von Bauern entwickelt zu haben. Am Ende desTages entscheiden aber die Konsumenten, ob sie ein solches Projekt unterstützen, vorausgesetzt, dass es ihnen über den Handel zugänglich gemacht wird. Über die Sommer- monate werden wir evaluieren, ob wir dieses Projekt auch in Zukunft wirtschaftlich abbilden können. Die Zusammenarbeit mit Lidl ist eine sehr gute. Unsere Biosphärenmilch ist seit März unter der Eigenmarke „Ein gutes Stück Heimat“ erhältlich.Aber auch hier gilt es zu prüfen, ob sich das Projekt wirtschaftlich für beide Unternehmen nachhaltig entwickeln lässt. Ihre Bemühungen im Bereich Tierwohl setzen Sie aber auch wei- terhin fort? Die SalzburgMilch schlägt sich laut Geschäftsführer Andreas Gasteiger auch während der Coronakrise überaus gut. Das Projekt Biosphärenpark muss aktuell neu evaluiert werden, nichtsdestostrotz bleiben die Themen Tierwohl und Nachhaltigkeit auch weiterhin fixer Bestandteil und USP der Molkerei. Interview: Nataša Nikolic Anpacken und aktiv mitgestalten

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